Warum Bürgerliche VdB nicht wählen können

Persönliche Kritik an jemandem zu äußern ist immer problematisch - im täglichen Leben genauso wie in der Politik. Zu schnell wird man dabei eben "persönlich" oder gar beleidigend. Man soll sich mit der ad-hominem-Kritik also zurückhalten. 

 

Bei einer Persönlichkeitswahl wie jener zum Bundespräsidenten ist das natürlich schwierig. Trotzdem soll man versuchen, die Kandidaten für ihre  Haltungen und nicht wegen ihrer Persönlichkeit zu kritisieren. Und wenn man als Bürgerlicher Gründe sucht, warum man einen der Herren wählen oder nicht wählen soll, wird man bei Alexander van der Bellen fündig: Es gab und gibt bei ihm eine Vielzahl von Positionen, die man rechts der Mitte nicht teilen kann. Dazu braucht man nur Auszüge aus dem Parteiprogramm der Grünen zu lesen, als VdB noch deren letztverantwortlicher Sprecher war.

 

Im Folgenden einige Originalzitate aus dem grünen Programm zu VdB`s Zeiten.

 

Ein zentraler Satz, der fast schon alles sagt:

"Grüne Politik folgt Utopien."

 

Multi-Kulti wird klar favorisiert:

"Die Vielfalt der Kulturen und unterschiedlichen Lebensformen innerhalb einer Gesellschaft und zwischen verschiedenen Gesellschaften erfordern nicht nur Respekt, sie erfordern Anerkennung ihrer Gleichrangigkeit und eine Absage an den Überlegenheitsanspruch der westlichen Industriegesellschaft."

 

Unsere eigene Kultur und deren Führungsrolle wird in Abrede gestellt:

"Die Rede von der Kultur einer Gesellschaft dient lediglich dazu, hegemoniale Ansprüche einer mächtigen Gruppe in dieser Gesellschaft festzuschreiben."

 

Werte sind für die Grünen letztlich disponibel: 

"Werte existieren nicht a priori, sind nicht von weltlichen oder göttlichen Mächten vorgegeben und damit nicht absolut zu setzen. Wir stehen Versuchen, geschlossene Weltbilder anzubieten oder eine absolute Wahrheit zu verkünden, mit großer Skepsis gegenüber. Wenn wir Grüne Werte formulieren, sehen wir dies als Angebot, die Welt auf bestimmte Weise zu sehen und sie gemeinsam auf Basis dieser Werte zu gestalten - als Angebot an alle, die an einer ökologischen, solidarischen und nachhaltigen Gesellschaft interessiert sind. Wir versuchen, unsere Grundwerte zu erklären, nach ihnen zu leben und sie politisch zu vertreten. Jede Form der “Missionierung” durch Druck oder Zwang lehnen wir ab. Wir stellen uns der Diskussion über Werte, die nicht die unseren sind, im ständig laufenden Wertediskurs der Gesellschaft. Die Akzeptanz anderer Werte hat freilich dort eine Grenze, wo sie Intoleranz, Ausgrenzung, Ausbeutung und Verhetzung postulieren. Dagegen werden wir weiterhin Widerstand leisten und kompromisslos Stellung beziehen."

   

Breiter Raum wird dem Feminismus eingeräumt und schlimme Szenarien werden beschrieben:

"Die Unterdrückung der Frauen und die Verdrängung der weiblichen Bevölkerung aus der gesellschaftlichen Realität und Öffentlichkeit wurden jahrtausendelang mit häufig grausamen Mitteln betrieben. Frauen wurden traditionell reduziert auf die Ebene von Gefühlen, auf das Irrationale und Körperliche und in den Schatten der Welt, ins Private verbannt.... Das  erfordert eine klare feministische Positionierung und feministische Politik, bis die Herrschaftsverhältnisse abgebaut und reale Gleichstellungen erreicht sind." 

(Diese Position hat der Kandidat trotz der aktuellen Orientalisierung unserer Gesellschaft und der vor unseren Augen ablaufenden Unterdrückung der Frau wohl vergessen - erwähnt hat er sie im Wahlkampf nie.)

  

Aber schmökern wir weiter im Programm.

 

Der Freie Markt wird massiv kritisiert:

"Die Marktwirtschaft ist ökologisch blind und sozial taub." 

"Der Freie Markt hält in der Praxis nicht, was die Politik suggeriert."

 

Recht deutlich wird ein arbeitsloses Einkommen für alle gefordert:

"Die Grünen wollen Existenzsicherung vom konkreten Erwerbsarbeitsverhältnis entkoppeln"

"Wir Grüne stehen für ein Gesellschaftsmodell, in dem es möglich sein muss, ohne Erwerbszwang und Diskriminierung sozial abgesichert leben zu können." 

 

Der Wunsch nach noch mehr Umverteilung wird euphemistisch "Fairteilen" genannt:

 “Fairteilen” als gerechte Verteilung von gesellschaftlichem Reichtum und verfügbarer Arbeit sichert Lebensqualität und Zugang zu Chancen für alle. 

 

In der Krankenversorgungs- und Pensionsfinanzierung ist man gegen private Zusatzversicherungen, der Staat soll alles bezahlen: "Die Leistungen der staatlichen Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherungen haben ein Niveau sicher zu stellen, das private Zusatzversicherungen nicht notwendig macht."

 

Skurril wird es zumindest begrifflich, wenn man die frauenpolitischen Vorstellungen nachliest.

Kinder bekommen wird als "Reproduktionsarbeit" bezeichnet, Schwangerschaft und Gebären sind offenbar Rollenzuschreibungen: "Ziel der Grünen Geschlechterpolitik ist die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern an der Reproduktionsarbeit, um Benachteiligungen von Frauen aufgrund der Rollenzuschreibungen zu verringern."

 

Abtreibung geht nur Frauen was an, es wird keinerlei Bezug auf den Wert des Lebens genommen:

"Wesentlicher Bestandteil der Selbstbestimmung der Frau ist die Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbruch, da es alleinige Entscheidung der Frauen ist, ob sie sich für oder gegen einen Abbruch entscheiden."

 

Die Familie als Leitstruktur der Gesellschaft wird in Abrede gestellt: "Die klassische Vater-Mutter-Kind(er)-Familie ist nur ein Modell, wie sich Beziehungen organisieren lassen." 

 

Migrationspolitik war schon vor Jahren eine grüne "Stärke", die Österreichs Interessen nicht an die erste Stelle rückt:  "Die Grünen vertreten eine Einwanderungspolitik, die die Interessen, Erwartungen und Hoffnungen potenzieller EinwanderInnen und nicht nur die Interessen des Aufnahmelandes, seiner Wirtschaft und seiner Bevölkerung berücksichtigt"

 

Fazit: Wenn mir nun noch immer jemand erzählt, dass der grüne Kandidat auch für bürgerliche Wähler als Bundespräsident in Frage kommt, dann war diese(r) Bürgerliche wohl nie wirklich bürgerlich - oder er/sie verschließt die Augen vor der Realität. Aber bis zum 2.10. ist ja noch genug Zeit zum Überlegen.

 

 

Für Interessierte, die genau wissen wollen, welche Ideologie da transportiert wird, das Grundsatzprogramm der Grünen im Detail:

https://www.gruene.at/partei/programm/parteiprogramm

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Kommentare: 5
  • #1

    dr. auböck helmut (Mittwoch, 10 August 2016 14:56)

    wenn sie angst vor dem fremden haben, müssen sie hofer wählen, wenn sie gegen fortschritt sind, müssen sie hofer wählen, wenn ihre gedankengänge kein nach rechts oder links schauen dulden, dann müssen sie hofer wählen, wenn sie angst vor frauen haben, dann müssen sie hofer wählen, wenn sie angst vor sich selber haben, dann sollten sie gar nicht wählen gehen ....

  • #2

    dr. Michael Faninger (Mittwoch, 10 August 2016 23:49)

    ein dr. aus dem bürgerlichen schicht.... :))
    es gibt keine alternative zu hofer herr dr.

    sie sollten vielleicht etwas mehr zeitung lesen oder nachrichten schauen, dann wüssten sie vor was und wem die menschen im lande angst haben.

    und es ist mit sicherheit nicht hofer....

    mir persönlich machen neben der migranten, terrorrgefahr, täglichen verbrechen/einzelfällen & der unfähigen regierung solche menschen wie sie am meisten angst

    die - obwohls schon kracht und tscheppert noch immer die realität verweigern und nur noch linkes gehirrngewaschenes kauderwelsch von sich gehen

    sie sollten sich schämen mit solch einer hetze hier aufzuschlagen - und unwahrheiten zu verbreiten

  • #3

    Leopold Brandmayer (Samstag, 13 August 2016 00:57)

    mir machen eher Leute wie Sie, Herr Faninger, Angst, die den Lügen der ach so wahren alternativ Medien erlegen sind. Die der bewussten Angstmache den Fakten den Vorzug geben. Natürlich gibt es Probleme in Österreich, in Europa, auf der ganzen Welt. Die sind aber weder durch Panikmache noch durch Spaltung der Gesellschaft(en) (wir gegen die anderen, USA gegen RUS, Christen gegen Moslems, Links gegen Rechts, schwarz gegen weiß, ...) zu lösen.

  • #4

    helmut-1 (Mittwoch, 17 August 2016 19:43)

    Schon interessant, hier die Artikel und die darauf folgenden Kommentare zu lesen. Insbesonders auch, wer hier kommentiert.

    Ums schon vorab zu sagen: Ich habe immer eine Achtung vor Leuten, die nach einer selbst produzierten Dissertation einen Dr.-Titel erworben haben. Die Betonung liegt auf "selbst produziert". Aber ich nehme mir das Recht heraus, mich über denjenigen zu amüsieren, der das Bedürfnis hat, diesen Titel bei jeder Gelegenheit herauszustreichen.

    Leute, die was draufhaben, brauchen das nicht. Die profilieren sich durch ihre Artikulation resp. den Inhalt dessen, was sie von sich geben.

    Gefällt mir immer, wenn ich manchmal mit irgendwelchen Titeln auf der Baustelle angesprochen werde. Gefällt mir deshalb, weil ich nur darüber lachen kann. Ich selbst präsentiere mich immer als einfachen Menschen vom Bau, oder als Gärtner. Das ist auch nicht gelogen, letzteres ist der Beginn meiner beruflichen Tätigkeit, von der Pike auf, worauf ich auch stolz bin. Was ich mir später durch den zweiten Bildungsweg angetan habe, - das ist allein meine Sache.

    Im übrigen bin ich schon in der Lage, zwischen Intelligenz und Bildung zu unterscheiden. Natürlich weiß ich auch, dass das Eine nicht unbedingt mit dem Anderen parallel gehen muss.

    Als ich in Deutschland in einer Reihenhaussiedlung wohnte, wo jeder seinen Mülleimer an den Straßenrand am Entleerungstag zu bringen hatte, da kennzeichnete fast jeder seinen Mülleimer, da mit er nicht verwechselt wurde oder gar wegkam. Einer war dabei, der schrieb sogar auf seinen Mülleimer vor seinen Namen den "Dr." Lach mich heute noch krank darüber.

    Nun zum Inhalt des Artikels und der Kommentare:

    Erstmal zum Artikel des Verfassers:
    Ich sehe hier nichts, was man nicht belegen oder nachweisen könnte. Es ist eine Meinung, die man entweder sachlich widerlegt, oder die man als eigenständige Meinung akzeptiert. Auch, wenn man anderer Meinung ist. Für mich ist eine zentrale Aussage eine Form der Weltanschauung, die man Voltaire in den Mund legt:

    " Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzten, dass du es sagen darfst."

    Um gleich den Obergescheiten den Wind aus den Segeln zu nehmen, - ich weiß auch, dass Evelyn Beatrice Hall für dieses Zitat verantwortlich ist.

    Aber es geht um den Inhalt dieses Zitats. Das nämlich ist die gelebte Charakterisierung der wahren Demokratie, - von der die meisten unter uns weit entfernt sind.

    Ich erinnere mich an einen aufrechten Sudetendeutschen aus meinem Bekanntenkreis, einem überzeugten Sozialdemokraten, der damals in den 30er Jahren in seiner Heimat gegen Hitler demonstriert hat und trotzdem von den Tschechen später vertrieben wurde. Als er nach vielen Jahren seiner Seßhaftigkeit in Deutschland mal ein sehr intensives Gespräch mit mir führte und dabei auf die politischen Vorgänge in diesem "freien" Deutschland einging, - da meinte er einmal: Wenn "DAS" die sog. Freiheit ist oder sein soll, dann frage ich mich wirklich, ob denn die Unfreiheit, die wir als junge Menschen kennengelernt haben, wirklich so schlecht war........

    Nun zur Wahl mit VdB und Hofer:

    Es ist eine Art Evangelium, ob man den einen oder dem anderen die Überparteilichkeit abnimmt. Keiner kann aus seiner Haut heraus, in der er vorher gesteckt hat. es sei denn, er klassifiziert sich als "Wendehals", von denen es nach der Wende und der Wiedervereinigung in Deutschland haufenweise gegeben hat. Was aber nicht zu einer höheren Wertigkeit der Person beiträgt.

    Auch ich habe von den österr. Wendehälsen gehört (Gottseidank habe ich das nicht erlebt - wg. der "Gnade der späten Geburt"), die vorher gemeinsam mit irgendwelchen Nazi-Fanatisten jeden Sch. zusammen veranstaltet haben, und nach dem Zusammenbruch 1945 plötzlich das rot-weiß-rote Fähnchen in der Hand hielten, nach Hause zur Familie fuhren und ihren deutschen Kameraden noch alles Gute wünschten, als sie in die Gefangenschaft der Alliierten kamen.

    Menschlich vielleicht verständlich, - aber als Österreicher schäme ich mich für solche Landsleute, die zum Glück - mit wenigen Ausnahmen - nur noch auf dem Friedhof zu finden sind.

    Wenn wir aber die politische Einstellung völlig auf der Seite lassen,- dann komme ich zu etwas rein Biologischem: Ich als jemand, der demnächst sein 65. Lebensjahr vollendet, habe etwas dagegen, wenn sich irgendwelche Polit-Pensionäre im fortgeschrittenen Alter als persönliche Krönung ihres politischen Daseins die Bundespräsidentenwürde einverleiben möchten.

    Dieses Ansinnen kommt für mich in eine ähnliche Wertigkeit wie die Verleihung von Karnevalsorden in Deutschland, z.B. des Verdienstordens in Gold mit Brillianten:

    http://www.nmn-aktuell.de/nrmn/lib/exe/fetch.php?media=antraege:verleihungsordnung_bdk-vedienstorden.pdf

  • #5

    helmut-1 (Mittwoch, 17 August 2016 19:44)

    Fortsetzung:

    Für mich ist schon von der Logik her klar, dass ein 72-Jähriger, der schon gar nicht eine Wiederwahl in Betracht zieht, andere Interessen hat als ein 45-Jähriger, dessen politische Zukunft mit Sicherheit noch die nächsten 20 Jahre andauern wird.

    Das selbe Problem haben wir in den christlichen Kirchen, die sich schon deshalb nicht nach vorne bewegen, weil sich die jeweils verantwortlichen Führer in einem Alter befinden, - in dem sie sich sagen, - "das hat nun soviele Jahrhunderte gehalten, - es wird auch noch halten, solange ich im Amt bin". Deshalb bewegt sich auch bei den Kirchen nichts, - um eine grundlegende Erneuerung zu bewirken, die wieder die jungen Menschen in Massen anzieht und ihnen Ideale anbietet.

    Selbstbeweihräucherung mit Zahlen von Teilnehmern, die in die Millionen gehen, sollen darüber hinwegtäuschen, dass nicht einmal ein Viertel % der weltweiten Katholiken anwesend waren.
    Um noch mal auf den Altersvergleich zu kommen:

    Wir brauchen in Österreich Leute, die aus dem politischen Geschäft kommen, verantwortlich handeln und im Interesse der Bevölkerung auch die Zukunft der Kinder und Enkelkinder sehen. Ob Hofer dazu imstande ist, weiß ich nicht, das wird die Zukunft zeigen.

    Aber ich weiß, dass ein 72-jähriger seine persönliche Zukunftsaussichten anders bewertet als ein 45- jähriger. Und genau danach wird er auch handeln. Genau da liegt bei mir der "Casus Cnactus" bei VdB. Neben so manchen politischen unmöglichen Ansichten.