How low can you go?

Die Tageszeitung "Kurier" brachte am 8.9.2016 die Meldung, dass der Präsidentschafts-Kandidat Hofer nach einem Unfall im Jahr 2014 die Berufsunfähigkeitspension und das Pflegegeld beantragt hätte. Der Kandidat war damals schwerverletzt, es drohte die Amputation eines Beines.

 

Die Gutachter der Pensionsversicherung sprachen Ing. Norbert Hofer im Falle einer Berufsunfähigkeit (BU) die Berechtigung auf die BU-Pension zu. Es kam zum Glück aber nicht zu einer weiteren gesundheitlichen Verschlechterung, die BU konnte verhindert werden. Der Kandidat blieb bis dato in seinem Amt als 3. Nationalratspräsident. Soweit die Fakten. 

 

Das zugrunde liegende Problem ist nicht die Gesundheit des Kandidaten, sondern ganz etwas anderes: Der "Kurier" brachte die ursprüngliche Meldung in einer derart tendenziösen und verzerrenden Art, dass beim nicht ausreichend informierten Leser der Eindruck entstand, Norbert Hofer hätte sich damals die finanziellen Zuwendungen erschleichen wollen - trotz seines weiterlaufenden Gehalts als NR-Präsident. Hofer stand plötzlich in einem üblen Licht da.

Man unterstellte ihm, er wolle ein Körberlgeld lukrieren, ohne dass der Redakteur dazu sagte, dass er die Pension nur bekäme, wenn er berufsunfähig wäre.

 

Dabei war sowieso alles ganz normal: Der schwerverletzte Mann hat in seiner damaligen Not nur Vorsorge treffen wollen, falls er nicht mehr arbeiten könne, Die Information über den BU-Pensionsantrag hatte die Zeitung übrigens von einem anonymen Insider bekommen und ohne explizites OK von Hofer veröffentlicht. 

 

Heute  ruderte die Kurier-Redaktion zurück und brachte die Story nochmals - diesmal seriös aufgemacht als einen objektiv gestalteten "Fakten-Check". Offenbar war den Redakteuren die Inferiorität ihres Handelns bewusst geworden. Ein Wort des Bedauerns fehlte jedoch in den Texten gänzlich.

 

NR-Präsident Hofer hat jedenfalls angekündigt, Anzeige zu erstatten, damit der erwähnte anonyme Informant ausfindig gemacht werden kann. Hofer hat auch angemerkt, dass der Wahlkampf nun richtig schmutzig werden würde. Da kann man ihm leider nur beipflichten. Besser gesagt: er ist durch den Sündenfall des Kurier schon längst dreckig  geworden.

 

Die Angelegenheit kann man jedenfalls nicht einfach so abtun, schon gar nicht als politisch aktiver Mandatar. Die zentralen Fragen lauten: Warum startet eine angeblich unabhängige Tageszeitung, die sich erst kürzlich als supersaubere, humanitär und empathisch agierende Institution gerierte und im Namen dieser Attribute den Kampf "Gegen den Hass im Netz" eröffnete, eine solche zwar kurze, aber extrem widerliche Kampagne?

 

Warum setzt eine Redaktion, die kürzlich gemeinsam mit linken Politikern gegen Hasspostings und gegen schmutzige Netzangriffe auftrat und persönliche Attacken scharf verurteilte, eine solche Tat, die bei jedem halbwegs mitdenkenden Bürger nur noch angewidertes Kopfschütteln hervorruft?

( http://kurier.at/politik/inland/gegen-hass-im-netz-duzdar-praesentiert-sujets-der-kampagne/211.281.064 )

 

Warum ergreift ein "der Objektivität verpflichtetes und unabhängiges"  Medium ganz klar Partei, indem es gegen einen der beiden Bundespräsidentschafts-Kandidaten in einer absolut unseriösen Weise auftritt? Nach dem Redaktionsstatut ( https://kurier.at/services/diezeitung/das-redaktionsstatut/714.241 ) ist so ein Vorgehen eindeutig verpönt und doch hat das Blatt es getan.

Wird sich der Presserat damit befassen? 

 

Die Hintergründe und die Motive dieser medialen Untat kann sich jeder zusammenreimen: Es geht darum, den anderen Kandidaten zu stärken. Aus Sicht des Kurier und seiner Hintermänner muss Alexander van der Bellen Präsident werden. Und dafür ist den Damen und Herren offenbar jedes Mittel recht.

 

Fazit: Österreichs Medien haben ein gewaltiges Problem. Und damit hat ganz Österreich ein solches Problem: Wenn die sogenannte 4. Macht im Staate zu solchen Aktionen fähig ist, dann hat sie ihre vielzitierte Daseinsberechtigung als ein Kontrollorgan der Demokratie verspielt. Dann werden alle Vorwürfe wie "Lügenpresse", "Lückenpresse", parteipolitische Einflussnahme etc plötzlich sicht- und lesbare Realität.

 

Man darf gespannt sein, ob die anderen österreichischen Medien diese Gefahr für ihre ohnehin angekratzte Reputation erkennen und eine sichtbare Aktion gegen diese Ungeheuerlichkeit des Kurier setzen.

 

 

 

Nachtrag vom 9.9.2016, 13h30:

 

Ich habe anlässlich seines mails (siehe unten) soeben ein durchaus produktives Telefonat mit dem Kurier-Redakteur und Verfasser des gegenständlichen, in meinem Text erwähnten Artikels geführt. Wir haben seinen Text und meinen dazugehörigen, obenstehenden Blogpost ausgiebig debattiert. Beide sind wir uns bewusst, dass politische Berichterstattung und zugehörige Kommentare heikel sein können und es sehr oft um eine Gratwanderung geht, hüben wie drüben.

 

Meine Anregung war, dass gerade in unseren Zeiten, in denen die traditionellen Medien unter Druck geraten sind, es umso wichtiger ist, eine möglichst nüchterne und sachliche Berichterstattung zu verfolgen - besonders,  wenn es um medizinische Fragestellungen bei Personen des öffentlichen Interesses geht. Umgekehrt klang Herr Böhmer im Telefonat glaubwürdig, als er mir die Beweggründe seines Reports darstellte und mir versicherte, dass es ihm nicht um Anpatze oder Parteinahme gehe. 

 

Es ist halt vieles (oder alles) immer auch eine Frage des Wordings.

 

Herr Böhmer und ich haben angedacht, einmal prinzipiell über das Themenfeld "Medien/Politik/Social Media" persönlich zu diskutieren und diese spannungsgeladene und facettenreiche Problematik zu durchleuchten. Ich würde mich freuen, wenn diese Debatte zustande käme.

 

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    alfred hala (Freitag, 09 September 2016 01:18)

    der kurier ist nicht die einzige zeitung die gg hofer hetzt. österreich steht da an vorderster front.direkte und versteckte hetze sind da fast an der tagesordnung. aber man weiß ja sowieso WEM man wählt.

  • #2

    Siegfried Timischl (Freitag, 09 September 2016 07:46)

    So ein eine Schass-Zeitung liest der Normalbürger sowieso nicht !

  • #3

    Harald K. (Freitag, 09 September 2016 09:32)

    Allerdings muss man sich schon fragen, wie es möglich war, daß heikle gesundheitsbezogene Daten von der Pensionsversicherung in die Redaktion kommen konnten. Es war vorhersehbar und sollte dazu führen, dass Elga nochmals kritisch überdacht wird. Rein sachlich wäre zu überprüfen, warum von den PVA Gutachtern eine Berufsunfähigkeitspension im Vorhinein zuerkannt wurde. Üblicherweise führt eine Amputation zu einem Krankenstand mit anschließender Rehabilitation und Prothesenversorgung. Erst dann ist zu entscheiden, ob es zu einer Berufsunfähigkeit gekommen ist oder nicht. Meine Erfahrung als Gutachter ist, dass die PVA üblicherweise sehr restriktiv mit der Zuerkennung der Berufsunfähigkeit vorgeht.

  • #4

    Christian Böhmer (Freitag, 09 September 2016 10:28)

    Herr Dr. Franz hat den KURIER-Artikel schlampig oder nur quer gelesen.
    Denn bereits der zweite Absatz ("Es kam zum Glück aber nicht zu einer weiteren gesundheitlichen Verschlechterung, die BU konnte verhindert werden.") ist inhaltlich völlig falsch und gibt in keiner Weise das wieder, was im KURIER berichtet wurde bzw. was Hofer im Gespräch mit dem KURIER bestätigt hat.

    Ich bitte Herrn Dr. Franz dringend um Rückruf, damit er die inhaltlichen Fehler und die offenkundig falschen und rufschädigenden Behauptungen auf seiner Seite prüfen bzw. korrigieren kann.

    Christian Böhmer, KURIER, 06646070022798