Die Selbstzerstörung der Konservativen

Ein letaler Keim hat die ÖVP erfasst und er wird sie bald dahinraffen - die Entseelung hat schon begonnen. Die letzten Monate haben ganz deutlich gezeigt, dass diese Partei unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen treibt. Die Agonie ist eingetreten - und wer sich ein bisschen auskennt in der Medizin, der weiß, dass der Todeskampf oft mit einer letzten Phase der Euphorie und mit einer outrierend zur Schau gestellten Positivität beginnt. Das ist gerade der Fall und die Leitsymptome machen uns sicher.

 

Und wie immer sind es die Bekenntnisse, die den Standpunkt bestimmen und die Haltung offenbaren. Eine ganze Reihe von sogenannten bürgerlichen (Ex-) Politikern hat öffentlich bezeugt, dass sie bei der Bundespräsidentenwahl am 4.12.16 den linksgrünen, angeblich jetzt "unabhängigen" Kandidaten Alexander Van der Bellen unterstützen werden. Viele von diesen Bürgerlichen haben nicht nur mit geschwellter Brust von ihrer VdB-Unterstützung schwadroniert, sondern auch gesagt, dass sie ihn wählen werden. Einer wird sogar eine Wahlkampferöffnungsrede für VdB halten.

 

Freilich: Man darf in einer Demokratie wählen, wen man will und man darf seine Meinung sagen, das ist klar. Und auch altgediente Konservative dürfen ihre Meinung ändern. Unklar ist allerdings, warum Politiker und Ex-Politiker einer einst bürgerlichen Partei ihre Weltanschauung gerade jetzt so freudig über Bord werfen und fast schon enthusiastisch den zu linken Überzeugungen stehenden Kandidaten VdB wählen wollen.

 

Fast genauso schlimm ist die gönnerhafte-betuliche Attitüde dieser Damen und Herren, die jetzt ihren konservativen Freunden "empfehlen" (=vorschreiben) wollen, wer der bessere Bundespräsident sein werde. So etwas wollen mündige Bürger gar nicht. Die wollen selber entscheiden und sie wollen, wenn sie Konservative sind, auch in ihrer Bewegung klare konservative Haltungen sehen.

 

Welcher politische Todestrieb bewegt also diese Leute, ihre geänderten Meinungen derartig extrovertiert und unwiderruflich preiszugeben? Was geht in politisch aktiven Menschen vor, die über Jahrzehnte ein bürgerliches Weltbild pflegten, wenn sie über Nacht einen 180 Grad Schwenk vollziehen und einfach so von rechts der Mitte nach links switchen?

 

Die Vermutung liegt nahe: Die Damen und Herren sind entweder eitle Opportunisten und drehen ihr Fähnchen nach dem Wind der jeweils angesagten Gutmenschlichkeit, um in den Linksmedien ein schönes Foto oder sogar ein Interview zu ergattern. Oder sie sind willige Vollstrecker einer üblen EU-Agenda, die einen auf den geplanten Brüsseler Superstaat ausgerichteten Grenzöffner und erklärten Migrationsfreund als österreichisches Staatsoberhaupt sehen wollen. Beides sind fatale Erklärungen für ein unrühmliches Verhalten.

 

Jeder konservative, bürgerlich denkende und christlich orientierte Mensch muss einem linksgrünen und atheistischen Kandidaten wie VdB eine klare Absage erteilen. Selbst bei Vorbehalten gegenüber der FPÖ (die man bei etlichen ÖVP-Anhängern durchaus findet),  muss die Entscheidung eindeutig ausfallen und "Hofer" lauten. Alles andere ist ein Verrat an den konservativen Werten und Grundhaltungen.

 

Und eine ÖVP, die solche Outings wie die reihenweise erfolgten pro-VdB-Statements ohne viel Einwände zulässt und die nicht einmal versucht, in diesem Wahlkampf wenigstens eine neutrale Position zu vertreten, hat ihre Rolle als konservativ-bürgerliche Kraft  verspielt. Wozu noch ÖVP wählen, wenn sie links geworden ist und noch dazu Österreich konturlos machen und in den EU-Brei einrühren möchte? Welcher heimatverbundene Konservative braucht diese Schwarzen noch?

 

Schade um die ÖVP. Aus einer staatstragenden und souveränen Volkspartei mit einst klaren konservativen Inhalten und bürgerlichen Überzeugungen ist ein VdB-Unterstützungsverein geworden, den es nicht nur deswegen bei der nächsten Nationalratswahl auf gut wienerisch voll zerlegen wird. Dabei gab es noch 2015 ein neues Parteiprogramm namens "Evolution", das Anlass zur Hoffnung bot und Bekenntnisse enthielt, die eindeutig nicht links waren. Offenbar gehörte das aber zum letzten Aufflackern der konservativen Glut. Jetzt wird vermutlich bald Asche draus.

 

Zur Ehrenrettung der ÖVP muss man allerdings sagen, dass es eine recht große Zahl an Schwarzen gibt, die mit dem Zustand ihrer Partei und den geäußerten Wahlempfehlungen gar nicht einverstanden sind. Um in der medizinische Diktion zu bleiben: Sie haben sich ihre Gesundheit bewahrt und sich nicht von linksideologischen und anti-patriotischen Memen infizieren lassen.

 

Viele von ihnen hoffen nun auf das Polit-Phänomen Sebastian Kurz und glauben, dass nur er den moribunden Körper der ÖVP noch einmal reanimieren kann.  Das ist aber mit einer weltanschaulich desolat gewordenen Bewegung nicht möglich. Die einzige und letzte Chance der ÖVP besteht in einer Abspaltung und Neugründung durch authentische und konservativ denkende Bürgerliche.

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Ronald Crump (Freitag, 18 November 2016 09:26)

    Dem kann ich nur zustimmen. Für mich gab es ein Schlüsselereignis, bei dem mir klar wurde, dass mit der ÖVP was nicht stimmt: Es war bei der Bundespräsidentschaftswahl von Andreas Kohl, der in einem dieser Talkshows auf die Frage "sind sie Feminist" mit "Ja" geantwortet hat.

    Ich frage mich, auf wievielen Ebenen das absurd ist. Es sind mindestens 3:

    1. Er weiss nicht, dass der moderne Feminismus eine marxistische "Female Supremacy" Bewegung ist.

    2. Er ist kein Feminist (also hat er gelogen, um zu gefallen)

    3. Er bekennt sich zu etwas, das bürgerlichen Werten absolut widerspricht. (Der 3rd Wave Feminismus hat nichts mit "Frauenrechten" zu tun, sondern ist ein ideologischer Abkömmling des Kommunismus.


    Dazu kommt noch der unerträglichen EU-Fanatismus, wie ein Otmar Karas ihn zelebriert und der Anbiederung an VdB, um die ÖVP endgültig abzuschreiben.

    Eigenlich schade, denn eine rechte, gemässigtere Position neben der FPÖ wäre ja gar nicht so schlecht, schon alleine, damit die FPÖ eine ernstzunehmende Konkurrenz hat und so gezwungen ist, sich ständig selbst zu verbessern.
    Die ÖVP wirtschaftspolitisch halbwegs vernünftig aufgestellt, aber gesellschaftspolitisch komplett entkernt und biedert sich sowas von dem linken Zeitgeist an.

    Das gleiche gilt übrigens für die Neos, die im Grunde eine rosa lackierte ÖVP für hippe Leute ist!

  • #2

    Walter (Freitag, 18 November 2016 10:05)

    Fendrich :
    Dei beste Zeit is long vorueba... Wer ziagt heit no den Huat vor dir ?

  • #3

    Diederich Heßling (Freitag, 18 November 2016 10:14)

    Lieber Herr Dr. Franz!
    Bei den oben beschriebenen Personen handelt es sich um keine Konservativen.
    Es sind ausschließlich gehirngewaschene Schwachköpfe!

  • #4

    Thomas Karasek (Freitag, 18 November 2016 10:46)

    Sehr geehrter Herr Dr. Franz !

    Sehr schön formuliert. Sie sprechen hunderttausenden Österreichern aus der Seele. Vielen Dank, - ich hätte es nicht wahrer schreiben können.

    mit freundlichen Grüßen - Tom Karasek

  • #5

    DI. Wolfgang Habian (Freitag, 18 November 2016 10:57)

    wieder einmal, die Fakten auf den Punkt gebracht. Gründen Sie eine Partei - ich bin dabei.

  • #6

    Josef Reiberg (Freitag, 18 November 2016 12:20)

    Wieder ein hervorragender Artikel! Nur - die wert-konservative Seele hat die ÖVP schon lange verloren. Hat man doch um 1970 in einer ÖVP-Wahlwerbung der "Aktion 20 der ÖVP" geschwärmt: "... Geschlecht, Hautfarbe, Körpergröße, Körperkraft und Intelligenz - das alles kann vorherbestimmt werden..." - alles frei nach Aldous Huxleys "Schöner Neuer Welt". Was der ÖVP als vermeintlich konservative Haltung geblieben ist: die wirklich Reichen (dazu zählt auch die Katholische Kirche), denen ganze Ländereien gehören, ungeschoren lassen. So zahlen etwa die kleinen Häuslbauer den weit überwiegenden Teil der gesamten Grundsteuer!

  • #7

    helmut-1 (Freitag, 18 November 2016 18:41)

    Das ist kein Artikel für mich, zumal ich gerne das Eine oder Andere kommentiere.
    Hier sind die nüchternen Fakten aneinandergereiht und die logische Schlußfolgerung draus gezogen. Hier kann man weder was kritisieren, noch ergänzen.
    Man kommt zwangsläufig zum Schluss: Ja, so ist es.

  • #8

    Heinrich Elsigan (Freitag, 18 November 2016 22:24)

    Ach der Herr Franz zählt doch auch nur zum Bürger verblödenden Establishment.
    Ob jemand Feminist oder Lesbe ist, tut gar nichts zur Sache.
    Solange Herr Franz sich anfangs noch um Themen wie Finanzierbarkeit der Pensionen oder gegen neue Steuererhöhungen bemühte, hatte er meinen Respekt. Jetzt wo er brav bei jeder Steuererhöhung, Mehrüberwachung der Bürger mitstimmt und sich nur mehr gegen Lesben, Homoehe und pro Pograbschen outet, ist er für mich ein Teil des ParlamentTheaterEstablishment ohne jede Verantwortung.

    Herr Franz, den meisten Bürgern ist es egal, ob Lesben heiraten dürfen oder nicht, aber die dauernden Steuererhöhungen, Mehrüberwachung durch den Staat und aushebeln der hart erkämpften Bürgerrechte von 1848 ist einigen nicht egal.
    Sich nur als Anti-Feminist zu positionieren und gleichzeitig den Metternichschen Staat vor 1848 wieder miteinzuführen ist ein grandioses Versagen.
    Schämen Sie sich.

  • #9

    Wilhelm Scheidl (Samstag, 19 November 2016 19:58)

    Wenn man das gesamte Parteiensystem durchleuchtet, kommt man zu dem Schluss, dass zwischen allen politischen Parteien nur ein gradueller aber kein prinzipieller Unterschied besteht. Alle sind sie links-orientiert, stehen also für einen aufgeblähten Staatsapparat, anstatt eines Minimalstaates, der sich nur auf seine Kernkompetenzen (Sicherheit im Inneren und Grenzsicherung) zu beschränken hätte.
    Schon in den 1970-ern versuchte die VP unter dem Obmann Dr. Taus gegen Kreisky die Schuldenproblematik zu thematisieren, konnte damit aber nicht punkten. Auch heute ist nur wenigen Leuten bewusst, dass die Schulden irgendwann schlagend werden. Daher wäre das Verstehen von Wirtschaft so wichtig und mit der Entflechtung von Wirtschaft und Politik zu beginnen.
    Auch die SP hat ihre ursprünglichen Wähler, die Arbeiter, verraten und im Stich gelassen. Was die etablierten Parteien jedoch eint, ist das Schaffen von immer mehr Versorgungs- und Funktionärsposten auf Kosten der Steuerzahler. Diese Entwicklung ist über Jahrzehnte gewachsen und ist systemimmanent. Wie einfach wäre es doch für eine neue Bewegung oder Partei, wenn sie sich nur der Wahrheitsfindung widmete. Wir brauchen also Leute, die die Wahrheit und Aufklärung in den Mittelpunkt ihres Wirkens stellen. Damit kann man nie verlieren!
    Seneca: "Die Wahrheit ist immer das Rechte."