Wo Kultur ist, wird Kampf werden

Die Kulturfrage ist das zentrale Thema und der logische Endpunkt jeder profunden Denkarbeit zur Massenmigration. Die Frage ist einfach und klar: Wer wird im Rahmen einer jahrelang anhaltenden Völkerwanderung die kulturelle und gesellschaftliche Führung übernehmen? Die Antwort wird zwangsläufig in ein Entweder/Oder münden, denn es kann immer nur eine Leitkultur geben. Freilich sind auch Verschmelzungen von Kulturen möglich, aber das ist keine Frage von rasch abgehaltenen Integrationskursen, scheinheiligen und intellektuell unredlichen Debatten oder gutmenschelnden politischen Statements, sondern eine von Jahrhunderten.

 

Bei der Zuspitzung der Kulturfrage ist gar nicht so sehr nur die schiere Zahl der Immigranten maßgeblich, sondern vor allem auch die jeweilige kulturelle Stärke bzw. Schwäche der infiltrierten Gesellschaft und natürlich jene der jeweiligen Eindringlinge. Je disperser die Zielgesellschaft ist, desto leichter fällt es weltanschaulich homogenen Ankömmlingen, ihre eigene Kultur dort zu etablieren. Eine Gesellschaft wie die kontinentaleuropäische, die andauernd liberal mit beliebig verwechselt und sich dadurch stetig diversifiziert und immer mehr in ihre Einzelteile auflöst, ist das ideale Target jeder konsistenten externen und von Eroberungsgeist getragenen Kultur.

 

Man muss es wegen seiner Faktizität nicht mehr diskutieren, aber der Form halber soll es angeführt sein: Die Multi-Kulti-Philosophie der sich aufgeklärt und auch lange Zeit insgeheim überlegen fühlenden, weil so toleranten Europäer ist an der Realität der No-Go-Areas und an den täglich lauter werdenden, aber in sich logischen Ansprüchen der Fremden längst zerschellt. Die verantwortlichen Politiker stellen sich zwar noch hin und plappern von Menschenrechten, Hilfspflichten und gemeinsamen Lösungen, die man nur durch Integrationsanstrengungen schaffen könne, aber im Grunde wissen alle längst Bescheid: Ohne klare und kompromisslose Ansage und vor allem ohne sichtbare und wirksame Taten ist im wahrsten Sinne des Wortes kein europäischer Staat mehr zu machen.

 

The Clash of Cultures ist voll im Gange. Die über 20 Jahre alte Prophezeiung Samuel Huntingtons erfüllt sich - und zwar genau jetzt. Die andere Vorhersage, nämlich die Frohbotschaft von Francis Fukuyama, der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs das Ende der Geschichte und den Sieg des Kapitalismus verkündete, ist hingegen leider verhallt. Wir stehen jetzt an einer Zeitenwende, mag das auch noch so pathetisch klingen. Aber wir haben noch die Wahl: Konfrontation und Behauptung oder Aufgabe und Unterwerfung.

 

Wer Kultur sagt, muss Wertung wollen. Und wer seine eigene Kultur schätzt, der muss zu ihr stehen und sagen: Sie ist die meine und die beste, ich will sie verteidigen. Im gigantischen Irrtum der politischen Korrektheit und der unkontrollierten Toleranztrunkenheit hat man leider auf sich selber vergessen, weil man allzu lange den gönnerhaft-schuldbewussten Europäer gegeben hat, der ja soviel wieder gut machen muss. Und neuerlich hat sich damit beweisen: Gut gemeint ist immer das Gegenteil von Gut. Anders gesagt: Erst eine falsch gelebte und pseudomoralisch aufgeladene Güte hat uns in die jetzige Misere geführt.

 

Nun steht der vielgescholten "weiße europäische Mann" plötzlich vor der Tatsache, Entscheidungen treffen und Fragen beantworten zu müssen, die er längst überwunden glaubte: Er muss ja oder nein sagen und dann danach handeln. Aber bange Fragen quälen ihn: Wird er noch kämpfen können? Darf er denn das als kultivierter Europäer überhaupt? Oder ist seine Kultiviertheit ohnehin nur noch Degeneration? Ist dieser weiße Mann ein Patriot und Verfechter seiner Kultur? Und kann er das auch?

 

Oder ist er nur noch ein postdemokratisches und östrogenisiertes Würstchen, das sich seine Zukunft von anderen diktieren lassen muss? Wird er den Mut haben, im Namen seiner Kultur zu werten, was richtig und was falsch ist? Und die bangste Frage, die über allen anderen schwebt: Wird er dieses ganze üble Spiel überhaupt noch gewinnen können? 

 

Ich meine: Ja, er kann. Aber nur dann, wenn er sich seiner Traditionen und seiner abendländischen Werte besinnt und aus deren Fundamenten namens Aufklärung und Christentum  seine alten Argumentationslinien neu und kompromisslos aufbaut. 

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Kommentare: 5
  • #1

    HansC (Mittwoch, 30 November 2016 11:08)

    Guter Artikel. Danke.

  • #2

    Falkenauge (Mittwoch, 30 November 2016 11:20)

    Ein den Kern der Sache erfassender Artikel. Vielen Dank.

    Wenn wir nicht an den Höhepunkt der deutschsprachigen, mitteleuropäischen Kultur anschließen, sie aufgreifen und weiterentwickeln, war alles umsonst.
    https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/10/21/deutscher-geist-und-deutsche-seele-verkannt-verdraengt-verleumdet/

  • #3

    Peter zu Stolberg (Mittwoch, 30 November 2016 12:49)

    Es scheint, daß der Mensch, trotz historisch belegbaren Erkenntnissen und lateraler Denkfähigkeit in vielen natur- und geisteswissenschaftlichen Gebieten, einfach nicht imstande zu sein scheint, aus der Geschichte zu lernen. In seiner/ihrer offenkundig werdenden geistigen Stümperhaftigkeit, unter dem Deckmantel der politisch korrigierten (nicht korrekten!) Meinungsmache, hinterfragt er/sie fast nichts mehr, sondern glaubt alle gesellschaftspolitisch relevanten "Falschmeldungen", die gemeinsam von Politik und Medien in sein/ihr Hirn geträufelt werden - was zum Heulen ist!

    Bin aber ganz Ihrer Meinung, daß noch nicht alles verloren ist und sich im Kern der Seele des christlichen Abendländers ein gerechter Widerstand gegen die multikulti-Politik und eine Vielfalt an ablehnenden Reaktionen (unter strikter Wahrung des Rechtsgedankens) entwickeln werden.

  • #4

    Gerhard F. (Donnerstag, 01 Dezember 2016 13:13)

    alles wie immer sehr klar gesagt. Ja, es ist noch nicht ganz zu spät. Zu spät ist es aber wohl für alle, die am Sonntag den unrasierten Alt 68er wählen!
    Vielen Dank!

  • #5

    Mentor (Donnerstag, 01 Dezember 2016 14:41)

    Dieser sogenannte Clash of Cultures sollte genauer definiert werden.
    Meiner Meinung nach sind die jungen ungebildeten und vor allem nicht säkularisierten Männer aus Afghanistan über Eritrea, Westafrika und Marokko kurzfristig nicht einmal das größte Problem. Sehr viele von ihnen werden ganz einfach wieder gehen müssen.
    Dieser Clash wird wahrscheinlich intern ausgefochten werden.
    Zwischen linken Gutmenschen und Sozialgeldverteilern (immer das Geld der anderen und gleichzeitig davon profitieren) und einem Rest von vernünftigen Menschen.
    Die Frage ist doch wer und mit welcher Hilfe alimentiert die Wirtschaftsmigranten?
    Hinweis: Der Jahresumsatz von aktuell 800Millionen Euro der Caritas wird zu 69% aus österreichischen Steurgeld lukriert.