Neue Lösungen für alte Probleme

Demenz und Altersverwirrtheit sind Probleme, die uns in der Medizin und im Alltag zunehmend beschäftigen. Quer durch alle Lebensbereiche stellt sich die Frage, wie wir mit der Problematik umgehen: Demenzkranke Menschen verirren sich z.B. oft auf den Straßen oder entweichen aus Pflege-Einrichtungen und müssen dann von der Polizei gesucht und identifiziert werden. In einer japanischen Stadt, hatte man nun die Idee, den gefährdeten Mitbürgern fest an der Haut haftende Barcodes anzubieten. Über diese Pflaster ist eine Identifikation im Falle des Falles immer möglich. Die Idee wird bereits erfolgreich umgesetzt. 

 

Identifikation, Information und darauf beruhende sichere medizinische, pflegerische und organisatorische Hilfe sind aber nicht nur für Demenzkranke wichtig, sondern eigentlich für alle Menschen, die gesundheitliche Probleme haben. Der nächste Schritt in der medizinischen Versorgung wird daher aufgrund der rasch fortschreitenden technologischen Entwicklung die breit angewendete subkutane Implantation von speziellen Chips sein. Im professionellen Sprachgebrauch heissen diese nur noch reiskorngroßen Implantate  RFID-Chips . 

 

Was futuristisch klingt, ist in der Medizin längst routinemäßig im Einsatz: Über 70.000 Herzschrittmacher-Patienten allein in Österreich haben beispielsweise solche Chips in ihrem lebensrettenden Gerät. Der betreuende Arzt kann bei der Kontrolle in Sekundenschnelle alle wichtige Daten auslesen. Im Vergleich zu früher ist der Vorteil der Technologie wahrhaft fast unermesslich groß.

 

Man kann die medizinischen Chips heute mit sehr vielen weiteren Daten ausstatten und es gibt bereits Implantate, die etwa permanent Blutzucker messen können und bei zu hohen oder zu niedrigen Werten über eine App den Patienten alarmieren. Vorstellbar ist natürlich auch, dass auf den Chips alle wichtigen medizinischen Daten des Trägers in Form einer echt personalisierten elektronischen Gesundheitsakte gespeichert werden, die nur dem Patienten alleine gehört und die nicht in zentralen Datenbanken gespeichert wird.

 

Im Notfall oder beim Arztbesuch kann blitzschnell die medizinische und administrative Information des Patienten vom Personal erfasst werden. Der Arzt weiß sofort über die medizinische Vorgeschichte Bescheid: Allergien, Blutgruppe, laufende Medikation, wesentliche bestehende Erkrankungen - alles kann sofort übermittelt werden. Dass diese schnelle Information Leben retten kann und die Verwaltung extrem vereinfachen würde, leuchtet jedem ein. 

 

Der vom Autor dieser Zeilen schon einmal geäußerte Vorschlag, dass man Freiwilligen einen medizinischen Datenchip einpflanzen könnte, hat im Jahr 2014 noch einen veritablen medialen Shitstorm ausgelöst, aber natürlich werden wir uns der neuen Technologie langfristig nicht verschließen können. Auch Eisenbahn, Elektrizität und Flugzeuge wurden einst als Teufelszeug verschrieen und sind heute nicht mehr wegzudenken.

 

Ein Hauptargument von besorgten Gegnern der elektronischen Implantate lautet immer, man würde dann zum gläsernen Patienten und rundum zu überwachen sein. Das stimmt so nicht, denn die Chips kann man besser verschlüsseln als die meisten anderen elektronischen Informationsquellen: Wir alle tragen ja quasi völlig offene Datenmengen mit uns herum oder geben diese freiwillig oder unbewusst ständig weiter -  sei es auf dem Handy, der Kreditkarte oder den diversen Kundenkarten, im Auto oder auf den Online-Kauf-Foren. Darüber regt sich kaum jemand auf, dabei kann "Big Brother" über diese Daten ein ziemlich genaues Profil jedes einzelnen Bürgers erstellen. Anders gesagt: Ihr Supermarkt weiß genau, wie Sie sich ernähren und wieviel Bier und Wein Sie trinken. Und Ihr Handybetreiber weiß immer genau, wo Sie sich befinden und mit wem Sie Kontakt haben.

 

 

Aus Sicht der Medizin kann man den Fortschritt in der Chip-Implantologie nur begrüßen, denn er verbessert die Sicherheit für die Kranken und er gibt uns Ärzten mehr Möglichkeiten, schnell, sicher und zielgenau die richtigen Dinge für die Patienten zu tun. Ich verstehe natürlich die Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre, aber gleichzeitig bin ich überzeugt, dass man die Fragen der Verschlüsselung und der Datensicherheit gut lösen kann und dass ein eigener Chip die bessere ELGA sein wird. Und das wirklich unwiderlegbare Argument pro Chip ist, dass die gesundheitsfördernden und lebensrettenden Vorteile dieser Technologie so eklatant auf der Hand liegen.

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Kommentare: 7
  • #1

    michael collins (Freitag, 09 Dezember 2016 10:21)

    Ich fürchte dessen politischen Missbrauch und lehne es ab, gechipt zu werden.

  • #2

    Mitleser (Freitag, 09 Dezember 2016 15:50)

    Die Studie über Chip-Nachteile haben Hundebesitzer bezahlt.
    Chips können durchaus (in gefährliche Gegenden) wandern,brechen sehr wohl (in gefährliche Splitter) und sind überdies krebsfördernd.
    Auch wird Demenz gerne vorschnell diagnostiziert - die öfters an den restlichen Medikamenten liegt.
    Die tollen Fortschritte der Medizin in Form von Herzschrittmachern liest sich für nicht Betroffene gut - ist man erst selbst davon betroffen,ändert man seine Meinung.
    Ich würde keinen Chip wollen.Es gibt Grenzen der Zumutung.

  • #3

    Phillip (Freitag, 09 Dezember 2016 19:48)

    Es stellen sich folgende Fragen:
    - Wer bestimmt, welche technischen Funktionen in den Chip kommen? vmtl. die regierende Mehrheit. Sie glänzt nicht gerade durch Intelligenz
    - Werden die Daten wirklich nie in einer zentralen Datenbank gespeichert und regelmäßig (ohne Wissen des "Patienten") aktualisiert?
    - Welche technischen Funktionen können unerwünscht reinkommen? GPS-Ortung, Bezahl-Chip,...
    Natürlich wird alles sehr schön verkauft: Eltern wissen, wo sich ihre Kinder aufhalten, man braucht keine Brieftasche und keine Dokumente mehr. Man trägt alles in sich. Orwell lässt grüßen!

    P.S. RFID-Chips sind die unsichersten Chips, die es überhaupt gibt. Jeder KMU weiß es. Sie werden nur verwendet, da sie sehr viel Zeit sparen. Gleichzeitig öffnen sie der Industriespionage die Türen! Sie stehen sperrangelweit offen.

  • #4

    helmut-1 (Freitag, 09 Dezember 2016 19:53)

    Ich fang mal von hinten an:
    "Ich verstehe natürlich die Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre, aber gleichzeitig bin ich überzeugt, dass man die Fragen der Verschlüsselung und der Datensicherheit gut lösen kann".

    Der Haken: Niemand glaubt das mehr, oder hat Vertrauen in diese Aussage.
    Warum:
    Wenn man einer Pfarrerstochter mit dem Namen Merkel die Telefongespräche abhören kann, die wohl die besten Sicherheitsmerkmale haben, wenn man ins Pentagon hineinhorchen kann, wenn man heutzutage Angst haben muss, dass ganze Stromversorgungen, Wasserwerke und KKWs durch Hacker lahmgelegt werden können, - wer kann denn dann noch Vertrauen in die Sicherheit der Daten haben?
    Ich jedenfalls nicht.
    Denke, dass an dieser Problematik die ganze Sache auch scheitern wird.

    Nächster Punkt:
    "...denn er verbessert die Sicherheit für die Kranken..."
    Wenn da mal nichts verwechselt und dadurch falsch eingegeben werden kann. Derjenige, der das in den Chip eingibt, ist ein Mensch. Und Menschen machen bekanntlich Fehler. Mit dem Wort "Fehler" ist zu erklären, dass Babies auf den Entbindungsstationen vertauscht wurden, und dass man Leuten anstelle des linken (kranke) Beines das rechte (gesunde) amputiert hat.

    Weiter:
    Das mit dem Absatz betreff des gläsernen Patienten stimmt für so manches Klientel. Für mich nicht. Ich habe meine Einkünfte, aber hebe diese nach Eingang aufs Konto sofort ab. Das wandert dann in den Safe. Von dort aus bezahle ich alles. Bar. Kann mich nicht erinnern, irgendwann mal einen Konsumartikel mit der Bankkarte bezahlt zu haben. Egal, ob es der Einkauf im Supermarkt oder an der Tankstelle ist. Mich kann kein Mensch einsortieren, - egal, wer es ist.

    Wobei es ja den grenzwertigen Ausspruch gibt, dass manche Männer, die sich im Haus der Freuden vergnügen, mittlerweile schon einen Balkencode an ihrem besten Stück tätowiert haben, -wonach dann die Anzahl gewisser Bewegungen direkt vom Konto abgebucht wird.

    Wer natürlich so "hell" ist, diese Durchleuchtungsmethoden als fortschrittlich zu nutzen, der darf sich nicht wundern, wenn ihm sein Bankmensch am Besten erklären kann, welche Kreditwürdigkeit er aufgrund seines Konsumverhaltens hat.

    Und das mit dem Handy: Ich lach mir immer einen Ast, - wenn ich die Leute in meinem Umfeld beobachte, die ständig mit irgendeiner neuen Errungenschaft als Smartphone oder Iphone (ich kann das sowieso nicht unterscheiden) antanzen. Ich hab ein ganz bestimmtes Modell von Nokia (Insider kennen das). Das kann ich auch 5 Meter durch die Luft werfen, und wenn ich es dann vom Boden aufgehoben habe, funktioniert es immer noch. Aber mich damit orten? Mitnichten, kann ich nur sagen. Ein Glück, dass ich mit diesem Modell damals meine Firma (auch die Mitarbeiter) ausgestattet habe. Die Telefone habe ich längt eingezogen, - aber ich hab dieses Modell zur Verfügung, solange ich lebe. Nur das Besorgen der Batterien wird immer schwieriger.

    Wenn ich auch die anderen Absätze bewerte, - dann komme ich zu dem Schluss:
    Jemand, der ernsthaft krank ist, wo auch der Zeitfaktor im Ernstfall eine große Rolle spielt, der soll sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Für den kann es durchaus sinnvoll sein, dass der Arzt sofort weiß, wo er ansetzen muss.

    Für Leute wie mich, die prinzipiell gesund sind, birgt das Ganze mehr Gefahren, als es Vorteile bringen könnte. Denke mich mir jedenfalls.

  • #5

    Peter (Freitag, 09 Dezember 2016 19:53)

    Die Endzeit hat begonnen...
    http://www.bibleserver.com/text/LUT/Offenbarung13%2C16

  • #6

    24/7michel (Samstag, 10 Dezember 2016 05:55)

    @helmut:

    als gelber bist du dir bestimmt bewusst, dass "die" auch mit deinem nokia zu einhundert prozent genau wissen, wo du dich rum treibst, zu welcher zeit und mit wem du schnaggst und simst.

  • #7

    helmut-1 (Samstag, 10 Dezember 2016 06:29)

    24/7michel:
    Danke für den Hinweis. Hatte das Ding erst jetzt wieder zum Überholen in einer Fachwerkstatt. Wiederum hat man mir bestätigt, dass man diesen Typ Handy nicht orten kann. Irgendwas ist bei diesem Uralt-Handy nicht vorhanden. Die Leute kennen mich, und wissen, dass ich oft in die Berge (alleine) gehe. Deshalb erfolgte dieser gutgemeinte Hinweis, weil man mich auch damit im Notfall nicht orten kann.
    Werde also für diesen Zweck dann ein anderes Handy mitnehmen, - aber ansonsten bleibts beim alten.
    Hab mir für alle Fälle noch die alten Gurken aufgehoben (Motorolla, Ericson), die so 300 g wiegen. Nur die Batteriebeschaffung macht da Probleme.