Ein dunkles Kapitel

 

Bald ist wieder Weihnachten - das Geburtsfest schlechthin. Dieses Fest wird von sehr vielen Menschen als das schönste des Jahres erlebt. Wohl nicht nur wegen der vielen Geschenke und der Stimmung auf den Adventmärkten, sondern vor allem wegen seiner Bedeutung als ein grundsätzlich freudiges Ereignis, dessen Kern und Ursprung die Geburt eines ganz besonderen Kindes ist.

Schwangerschaft und Geburt sind für die meisten Menschen Grund und Anlass für positive Emotionen. Und doch kann eine Schwangerschaft auch ganz dunkle Schatten werfen: Wenn sie unerwünscht ist und das werdende Kind mit einer Abtreibung aus der Welt geschafft wird. 

 

Hohe Abtreibungszahlen

Gerade unser Land ist eines, in dem nach den Schätzungen von Experten die Abtreibungszahlen vergleichsweise extrem hoch sind. Die geschätzte Bandbreite liegt zwischen 35.000 und 60.000 Abtreibungen pro Jahr. (Im Vergleich: Das zehnmal größere Deutschland zählt offiziell knapp 100.000 Abtreibungen.) Das sollte uns sehr nachdenklich machen.

 

Statistiken fehlen

Genaues wissen wir in Österreich deswegen nicht, weil wir über keine anonymisierten offiziellen Statistiken verfügen. Mit diesem Manko sind wir gemeinsam mit Portugal das Schlusslicht der EU: Alle anderen europäischen Staaten haben valide und anonyme Daten dazu. Überall weiß man, wie oft Abtreibungen stattfinden. Und man kennt in anderen Nationen auch die verschiedenen Motive, die zur Abtreibung führen, besser als hierzulande.

 

Bei uns wehrt man sich in der Politik seit Jahrzehnten gegen die Einführung einer solchen Statistik. Ebenso wehrt man sich vehement, valide Forschungen über die Motivlage von abtreibenden Frauen zuzulassen. Diese Verschleierungstaktik ist scharf zu kritisieren. Denn nur wer die Zahlen, Daten und Fakten kennt, kann für objektivierbare Verbesserungen in diesem heiklen Themenfeld eintreten. In Österreich läuft diesbezüglich gerade eine erfolgreiche Bürgerinitiative, mit der versucht wird, genau diese Probleme zu beheben: Fakten-helfen.at 

 

Die SPÖ ortet Unterdrückung der Frau

Federführend bei der Abwehr der schmerzhaft fehlenden Wahrheit sind die Linken. Die SPÖ verweigert die Einführung der erwähnten Statistiken, weil damit angeblich die Frauen unter Druck gesetzt würden. Seltsamerweise haben andere sozialistisch dominierte Länder wie z.B. Frankreich längst diese Statistik, dort fühlt sich keine Frau deswegen unterdrückt. Sind österreichische Frauen anders? Gerade als Frau müsste man sich doch Offenheit und Transparenz bei dieser heiklen Frage wünschen und keine betuliche Bevormundung durch eine Regierungspartei, die vorschreibt, was Frauen wissen dürfen und was nicht.

 

Die pragmatische Wahrheit in der Koalition ist aber wohl eher, dass die SPÖ die Bedingung stellt: Ja zur Statistik nur dann, wenn die ÖVP einem flächendeckendem offiziellen Angebot der Abtreibung in allen Spitälern zustimmt. Ein letzter Rest von christlich geprägter konservativer Weltanschauung in der ÖVP verhindert das. Im österreichischen Nationalrat ist derzeit übrigens nur die FPÖ explizit gegen die Verharmlosung der Abtreibung, sie fordert beispielsweise eine gesetzlich festgelegte Bedenkzeit für Frauen, die sich für den Abbruch entscheiden. Das ist sinnvoll, weil der Abbruch eben kein harmloser en passant durchzuführender Eingriff ist.

 

Die Linken wollen völlige Freigabe

Linksgrüne wollen von Statistiken und kritischen Debatten zur Abtreibung sowieso überhaupt nichts wissen, sie fordern vielmehr die totale "Liberalisierung" des Schwangerschaftsabbruchs und wollen diesen auf Krankenkassenkosten durchführen lassen. Die Grünen-Chefin  Glawischnig sagte dies einmal auch ganz klar in einem Interview. Aus Sicht modernistischer Linksideologen und atheistischer Biologisten ist ein Embryo ja nur ein Zellhaufen und daher im Falle seines unerwünschten intrauterinen Erscheinens medizinisch zu entfernen.

 

Abtreibungs-Fans in der EU

Auch in Brüssel gibt es starke Bestrebungen, die Abtreibung auf einen rein medizinischen Eingriff zu reduzieren, um damit ihre lebensfeindliche Bedeutung zu maskieren und herunter zu spielen. Im Tarabella- und Estrela-Report werden explizit ein niederschwelliger und EU-weit rechtlich verankerter Zugang zur Abtreibung für alle Frauen verlangt. Diese Denke ist auf ein konstruiertes und nur vermeintlich absolutes Recht der Frau auf ihren Körper und eine als unantastbar verstandene Verfügungsgewalt über den lebendigen Inhalt ihres Uterus konzentriert.

 

Der Embryo lebt

Der menschliche Embryo in seiner Lebensfähigkeit und seinem Potenzial, gesund und lebendig auf die Welt zu kommen, wird dabei ausgeblendet und seine Vernichtung bei der Umsetzung dieses lauthals als "Frauengrundrecht" ventilierten Anspruchs förmlich als Kollateralschaden in Kauf genommen. Das euphemistische "Mein Bauch gehört mir!" war und ist der zentrale und kämpferische Satz dieser ethisch problematischen, weil einer selektiven Wertung unterliegenden Philosophie: Es geht dabei ja immer um das Leben eines anderen menschlichen Wesens.

 

Der Rechtspositivismus prägt die Linken

Das hinter dieser Anschauung stehende Denkmodell ist vom Rechtspositivismus inspiriert: Alles Recht geht vom Menschen aus und wird von ihm bzw. dem Staat gesetzt. Die Abtreibungsphilosophie beruht übrigens auf ähnlichen Gedankengängen wie der stets von den Linken aller Lager vehement geäußerte Anspruch auf die absolute und alle biologischen Fakten negierende rechtliche Gleichstellung der Homosexuellen. Besonders, wenn es um die Ehe geht, wird hier immer mit einem "Recht auf Ehe" argumentiert, das den Homosexuellen angeblich vorenthalten würde, obwohl dieses Recht bei der jahrtausendealten Entwicklungsgeschichte des monogamen Instituts Ehe nie angedacht oder auch nur ideenhaft erschienen wäre.  

 

Das Naturrecht gilt

Naturrechtliche Voraussetzungen wie die Tatsache, dass die Ehe genuin und grundsätzlich nur für Mann und Frau gelten kann, sollen so ausgehebelt werden. Natürlich darf bei all den Debatten nie der Hinweis auf die angeblich liberale Grundhaltung der Verfechter einer "Ehe für alle" und der Verweis auf die paternalistische und reaktionäre Weltsicht ihrer Kritiker fehlen. Dass die eine Grundhaltung aber nur beliebig ist, die andere hingegen wertkonservativ, kommt dabei kaum zur Sprache. Wer modern ist, will recht haben.

 

Reaktionäre versus Progressive

Ähnliche Argumentationslinien bestimmen den Abtreibungsdiskurs. Wer als Mann gegen die Abtreibung ist, der ist ein Reaktionär, Chauvinist und Fundi. Wer als Frau keine bedingungslose Anhängerin dieser oben beschriebenen und zum Grundrecht umgemünzten Philosophie ist, gilt bei Feministinnen schnell einmal als retro und spießig. "So eine" wird als Verräterin an der Sache der Frau bezeichnet oder als Gebärmaschine abqualifiziert und für eher wenig geistreich gehalten.

 

Der intellektuelle Diskurs ist schwierig

Rationale und ethisch wie intellektuell sauber geführte Debatten, die auch biologische Gewissheiten mit einschließen, sind zum Thema Abtreibung nur selten zu finden. Fairerweise muss man sagen, dass dies für beide Seiten gilt. Angriffige und vorwurfsvolle Kampagnen von konservativen Abtreibungsgegnern und hitzige Attacken von linksideologisch unterfütterten  Befürwortern prägen das Bild.

 

Statistik, Recht und Wissenschaft

Wir würden uns in Österreich damit leichter tun, wenn wir zunächst einmal die Statistiken und die objektiv erhobenen Daten dazu hätten. In der Debatte müssen wir uns aus Gründen der intellektuellen Redlichkeit auch an die medizinischen und biologischen Fakten halten und fragen: Wann beginnt menschliches Leben? Und da sagt eben nicht nur die katholische Kirche ganz klar, dass das Menschsein mit dem Zeitpunkt der Verschmelzung von Samen und Ei beginnt, sondern das ist auch durch die Wissenschaft (Embryologie) belegbar.

 

Aus dieser Wissenschaft heraus wurde auch eine juristische Lebens-Definition der EU entwickelt, die festlegt, wann menschliches Leben beginnt. In einem Gutachten des EU-Generalanwalts  Cruz Villalon wird explizit festgehalten, dass alles, was ein Mensch werden kann, auch als Mensch gilt.  Der Autor dieser Zeilen hat 2015 in einem parlamentarischen Gesetzesantrag versucht, eine solche gesetzliche Definition in Österreich zu etablieren. Dieser Antrag wurde jedoch von der Regierungsmehrheit (auch mit den Stimmen der per definitionem christlich orientierten ÖVP) abgelehnt. 

 

Fristenregelung belassen, wie sie ist

In Österreich wurde 1974/75 das Strafrecht unter heftigen Protesten der Konservativen und der Kirche dahingehend geändert, dass die Abtreibung zwar im § 96 des StGB weiter als verbotene Straftat im Gesetzbuch verblieb, aber unter bestimmten Umständen (§ 97)  bis zur 12. Woche straffrei durchgeführt werden kann. Die bis heute so genannte Fristenregelung war damit Realität. Es gibt seither immer stärker werdenden politische Bestrebungen, diesen Paragrafen gänzlich zu streichen und die Abtreibung total freizugeben. Das kann man weder im Lichte der wissenschaftlichen Erkenntnisse noch angesichts des EUGH-Gutachtens noch aus ethischen und/oder religiösen Gründen gutheißen.

 

Wo sind die Begleitmaßnahmen?

Zu fordern ist allerdings, dass die nach Einführung der Fristenregelung vom damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky versprochenen "flankierenden Maßnahmen" endlich umgesetzt werden und ungewollt Schwangere jede sinnvolle Unterstützung erhalten, die sie möchten und brauchen. Und natürlich, es sei wiederholt: wir brauchen dringend die Abtreibungszahlen und die Erforschung der Motivlage. Ideologische Kämpfe bringen uns nicht weiter, mann kann das dunkle Kapitel nur erhellen, wenn man den Diskurs auf Basis von Wissen, Recht, Ethik und Vernunft führt. Und auch hier gilt wie überall: Wahrheit ist zumutbar.

 

Überdies muss es im natürlichen und grundsätzlichen Interesse jeder Gesellschaft liegen, über tiefgreifende Mankos Bescheid zu wissen - vor allem, wenn die Geburtenrate von 1,4/Kindern pro Frau ebendiese Gesellschaft langsam aussterben lässt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    michael collins (Sonntag, 18 Dezember 2016 08:26)

    Dazu passt ja, dass der gestrig geplante Marsch für das Leben behördlicherseits, obwohl zunächst erlaubt, verboten worden ist.

    Warum wohl?

    Weil die linken bezahlten "Gegendemonstranten" mit Gewalt gedroht haben.

    Ein weiteres Einknicken des Rechtsstaates - mir kommt mehr und mehr der Gedanke, der ist bald nicht mehr vorhanden - vor den linken Kampftruppen.

    Wer sich mit Geschichte befasst, weiss, von welcher Gruppe in den berühmten 12 Jahren die Gewalt auf der Strasse begonnen hat und das war nicht die SA.

  • #2

    michael collins (Sonntag, 18 Dezember 2016 08:29)

    PS: nach den Anwürfen der Grünen auf Dr. Franz:

    Siehe dazu den heutigen Unterberger: http://www.andreas-unterberger.at/2016/12/vdb-brosz-und-die-demokratie

    Steht bald auch in meiner Wohnung die Gedankenpolizei, weil ich hier poste? Wundern würde es mich nicht.

  • #3

    Starhemberg1683 (Sonntag, 18 Dezember 2016 08:56)

    Sehr geehrter Herr Franz!
    Danke das Sie dieses Thema aufgreifen, was Sie nicht erwähnt haben ist das nur die Einheimischen abtreiben sollen, die Linke Bagage möchte ja den Hooton/Kalergiplan umsetzen.
    Mfg Starhemberg1683

  • #4

    Peter Namenlos (Sonntag, 18 Dezember 2016 10:18)

    "Diabolo (griech. Diábolos „der Verleumder, Durcheinanderwerfer, Verwirrer“) steht für den Teufel" (Wikipedia) .
    Politiker, die der Verwirrung in elementar moralischen Fragen Vorschub leisten, tun Teufelsarbeit.
    Aber wer will heute noch was vom Teufel hören?
    Wie sagt Goethe im Faust?
    " Den Teufel spürt das Völckchen nie/ und wenn er es beim Kragen hätte."

  • #5

    KarliKarl (Sonntag, 18 Dezember 2016 11:58)

    das linxversiffte gesocks schickt nun wöchentlich die stiefeltruppen auf die straßen, um die bevölkerung weiter einzuschüchtern. diese faschisten werden auch bald solche blogs abdrehen und jene zuhause aufsuchen, die sich kritisch äußern.
    allen voran das grüne gesindel leistet aktuell die beste arbeit was den gesinnungsterror angeht.