Medical Monday

 

Die Demenz nimmt ab

Gute Nachrichten aus den USA. Es gibt nicht nur einen neuen Präsidenten, sondern auch neue Daten zur Demenz. Und nein, diese nimmt nicht zu, so wie lange Zeit befürchtet, sondern die sogenannte Prävalenz (also die Vorkommenshäufigkeit) der Demenz hat zwischen 2000 und 2012 signifikant abgenommen. Dies wurde soeben im prominenten Journal of the Medical Association (JAMA) publiziert. Über die Ursachen dieses Phänomens wird noch gerätselt. Man nimmt aber an, dass eine verbesserte Herzkreislauf-Risiko-Überwachung dabei eine wesentliche Rolle spielt. Apropos neuer Präsident: Die vielen überheblichen und bösartigen Kommentare über seinen cerebralen Zustand und den seiner Wähler wirken jetzt angesichts dieser Daten wohl noch ein bisschen deplatzierter ;)

 

 

Der Kaiserschnitt greift in die Evolution ein

Weltweit beobachten wir teils dramatische Anstiege in der Rate der geplanten Kaiserschnitte. In Brasilien liegt sie derzeit etwa bei enormen 75%, in Österreich bei ca. 30%. Und Wiener Forscher haben sich angesehen, was diese medizinisch geplante  und von vielen Frauen gewünschte Umgehung des natürlichen Prozesses namens Geburt evolutionär bewirken kann. Sie stießen auf eindrückliche, überraschende und recht nachdenklich machende Ergebnisse.

Infolge der hohen Plan-Sectio-Rate verändert sich Anatomien des weiblichen Beckens nachweislich, das haben  die retrospektiven Beobachtungen der Studienautoren ergeben. Durch den Wegfall des Geburtshindernisses "Schmales Becken" wird diese anatomische Gegebenheit signifikant öfter vererbt und wir sehen einen stetigen und auffälligen Anstieg bei der Zahl jener Frauen, die ein solches schmales Becken ihr eigen nennen. 

Die Studie wurde schon vielfach interpretiert. Das Ergebnis könnte natürlich bedeuten, dass es eines Tages in der zivilisierten Welt so etwas wie eine normale Geburt praktisch nicht mehr gibt und alle Kinder per Kaiserschnitt entbunden werden müssen, einfach weil sich durch den medizinischen Eingriff "Sectio" das Merkmal "Schmales Becken" weithin durchsetzen kann. Der Studienleiter Philip Mitteröcker von der Meduni Wien glaubt das aber eher nicht. Er möchte auch keine Wertung der Plan-Sectio an sich vornehmen. Mein Eindruck: Die Daten werden sicher noch Thema in der Frauenpolitik, jede Wette.

 

 

Süßstoffe machen dick

Wenn Sie abnehmen wollen, verzichten Sie auf "Low-Cal Sweeteners". Die machen Sie nämlich noch dicker. Es kommt bei der Nahrungszufuhr nicht nur auf den Kaloriengehalt an, sondern auch auf den Einfluss der Nahrungsmittel auf das Mikrobiom (die Damflora). Und Süßstoffe können offenbar über entsprechende Wirkungen in der Darmflora das Bauchfett vermehren. Dazu ein Originalzitat der Autoren:

 

"Independent of caloric content, the specific food eaten affects subsequent eating behaviour, influences intestinal microbiota that contributes to energy handling and interacts with enteroendocrine and neuroendocrine pathways, all mechanisms which ultimately affect energy homeostasis. Through these mechanisms, low-calorie sweetener use may be a contributor to the obesity epidemic.”

  

Also: lieber weniger essen und mehr sporteln statt sich selber mit Süßstoffen versorgen und glauben, dass einen das schlanker macht.

 

 

Quellen:

ad 1.: 

Langa KM, Larson EB, MD, Crimmins EM, et al. A Comparison of the Prevalence of Dementia in the United States in 2000 and 2012. JAMA Intern Med.doi:10.1001/jamainternmed.2016.6807

ad 2.: 

http://www.pnas.org/content/early/2016/11/29/1612410113.abstract?sid=d7718311-712c-4d96-a353-d9b9929c8d21

ad 3.:

Chia CW, Shardell M, Tanaka T, Liu DD, Gravenstein KS, Simonsick EM, Egan JM, Ferrucci L. Chronic Low-Calorie Sweetener Use and Risk of Abdominal Obesity among Older Adults: A Cohort Study. PLoS ONE. 2016;11(11):e0167241. doi: 10.1371/journal.pone.0167241. PMID: 27880832

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    michael collins (Montag, 19 Dezember 2016 07:58)

    Hm und wie steht es bei Diabetes? Ich bin auf Süßstoff angewiesen, obwohl ich ihn nur sehr sehr reduziert zu mir nehme.

    Eine Gewichtszunahme habe ich nicht festgestellt.

    Aber gut, das ist natürlich subjektiv.

    Oder ist es wieder einmal eine Kampagne der Zuckerindustrie so wie damals die Margarineindustrie ihren Feldzug geführt hat?