Die Privatmedizin - ein Sündenfall?

 

Eine bekannte und renommierte Wiener Privatklinik will ab 2017 eine privatmedizinische Notfall-Ambulanz eröffnen. Diese soll nur Sonderklasse-Versicherten offenstehen. Laut Auskunft der Betreiber wird damit einem wachsenden Bedürfnis von Patienten entsprochen, die im Akutfall rasch eine private ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen möchten.

 

Was ist das Problem?

In einem freien Land mit einer nach wie vor guten öffentlichen Krankenversorgung sollte dies eigentlich ungehindert möglich sein, denn es wird durch diese private Akut-Ambulanz ja niemand benachteiligt - eher im Gegenteil. Das funktionierende öffentliche Gesundheitssystem erleidet durch eine solche Einrichtung in keiner Weise einen Schaden, sondern erhält eine medizinische Ergänzung. Vor allem aber gilt: Die Patienten werden davon profitieren, wenn ein breiteres Angebot existiert.

 

Die Stadt der Neider

Aber es wäre nicht Wien, würden nicht sofort die Neider und Kritiker auf den Plan treten. Als eine der ersten kritisierte die linskgrüne Patientenanwältin Sigrid Pilz das Projekt heftig. Für ihre in einem Interview mit der Tageszeitung Die Presse geäußerten Vorwürfe gebrauchte sie aber leider Argumente, die unlauter sind: Man müsse prüfen, ob das "Hinterland" der Ambulanz überhaupt geeignet und ob wirklich eine medizinische Notfallversorgung möglich sei, monierte die gelernte Pädagogin und Nicht-Medizinerin. Ebenso müsse ein Herzkatheter rund um die Uhr zur Verfügung stehen. (Den gibt es in der von Frau Pilz gewünschten "7/24"-Version übrigens nicht einmal in allen Schwerpunktspitälern Wiens.)

 

Linke Doppelmoral

Der Hintergrund der Kritik ist wie so oft im Gesundheitssystem kein sachlicher oder objektiver, sondern es geht auch hier ums liebe Geld - und natürlich wieder einmal um jenes anderer Leute: Der schwer defizitäre Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) will und muss um jeden einzelnen Privatpatienten kämpfen. Die Wiener Sozialisten bekennen sich hier zur Privatmedizin - aber eben nur in den gemeindeeigenen roten Spitälern. Bei diesem Verhalten wird die linke Doppelmoral plastisch erkennbar: Private sind böse, wenn sie in privaten Spitälern private Medizin samt Sonderleistungen anbieten, aber die öffentliche rote Wiener Hand will bei den Privatpatienten fest abkassieren.  Die Verantwortlichen schreien "Pfui, Zweiklassen-Medizin!" - und halten gleichzeitig die Hand auf.

 

Das rote Wien will die Privatpatienten

Die durch serielle Managementfehler medial und politisch angeschlagene Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, nach dem Bürgermeister oberste Chefin des KAV und laut eigenen Aussagen auch privat krankenversichert, will den Sonderklasse-Anteil in den Gemeindespitälern verdoppeln. Das hat sie mehrfach in verschiedenen Medien erklärt. Da ist natürlich ein Projekt wie jenes der Döblinger Privatklinik alles andere als förderlich, zumal der KAV ohnehin ins Schussfeld der Kritik geraten ist. Der Rechnungshof hat den 30.000-Mitarbeiter-Betrieb kürzlich geprüft und die erwähnten schweren Mängel im Management festgestellt.

  

Ideologie gegen den Freien Markt

Doch zurück zum Grundsätzlichen. Was ist schlecht an der Privatmedizin und warum soll man dagegen sein? Aus pragmatischer Sicht gibt es keinen Grund, dagegen zu sein. Freie Menschen kaufen sich, was sie brauchen, auch Gesundheitsleistungen. Gegen die Privatmedizin ist man nur aus ideologischen Gründen. Etwa weil man grundsätzlich nur eine öffentliche Gesundheitsversorgung will.

 

Skandinavien ist anders

Das halten die in sozialen Fragen aus Mentalitätsgründen oft über das Ziel hinaus schiessenden Skandinavier so, dort ist die Privatmedizin eher eine Randerscheinung für die wenigen, die das möchten. (Die öffentlich angestellten Ärzte verdienen dort übrigens deutlich mehr.)  Oder man ist gegen Privatmedizin, weil man der Meinung ist, eine fortschreitende Privatisierung würde sukzessive die ärmeren Menschen von der Krankenversorgung ausschließen und man will das nicht gutheißen (Stichwort Amerikanisierung). 

 

In Österreich keine Probleme

Diese Argumente sind aber alle eher seicht fundiert. Gerade in Österreich ist durch das medizinisch sehr gute öffentliche System sichergestellt, dass niemand unter die Räder kommt. Jeder erhält über die solidarische Finanzierung durch Beiträge und Steuern das, was er benötigt. Warum werden also Menschen, die ohnehin ihren Beitrag für andere leisten, durch die Kritik an der Privatmedizin in ein schiefes Licht gerückt? Und warum soll es privaten Betreibern nicht gestattet sein, eine Notfall-Ambulanz zu errichten? Würde jemand auf die Idee kommen, einer Fluglinie die Business-Class zu verbieten? 

 

Der Klassenkampf schadet den Patienten

Es wäre im Sinne der Offenheit und Ehrlichkeit, wenn sich alle Verantwortlichen im System zur Privatmedizin bekennen und diese Polit-Heucheleien über die angeblich so ungerechte "Zweiklassenmedizin" endlich aufgeben. Niemand wird in Österreich medizinisch schlechter behandelt, weil er keine Zusatzversicherung hat. Und den rotgrünen Kämpfern gegen die real nicht existierende Ungerechtigkeit sei ins Stammbuch geschrieben: Die Zeiten des Klassenkampfes sind vorbei und sie sollten nicht in einer die Patienten verunsichernden Art und Weise auf dem Rücken der Kranken neu ausgetragen werden.

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Kommentare: 4
  • #1

    Walter (Donnerstag, 22 Dezember 2016 08:39)

    Die Roten und die Gruenlinge moechten halt keine Konkurrenz wenn diese so aufgebaut ist das sie da kein extra Geld abschoepfen und auch dort keine Partei Guenstlinge platzieren koennen. Reine Gewohnheit . Nothing to see here - move on.

  • #2

    Attila (Donnerstag, 22 Dezember 2016 09:42)

    Ohne den Beitrag weiter zu Kommentieren: Ich kenne Menschen, die OHNE Private Krankenversicherung NICHT mehr am Leben wären.

    Wir brauchen uns gar nicht vor der Mehr Klassen Medizin fürchten, die ist nämlich bereits Realität!

  • #3

    walter sagl (Sonntag, 25 Dezember 2016 11:20)

    Sehr gut ihre Analyse..........
    Ich habe eine Frage an Sie::

    WENN ICH DEM GESUNDHEITS_MINISTERIUM das unten folgende kritische
    FEEDBACK gebe, glauben sie, daß ich dann "REGISTRIERT" bin und weiters
    im öffentl.Gesundheitssysten verdeckt oder offen als Patient benachteiligt werde
    ICH TRAUE DENEN mittlerwele ALLES ZU???
    ERSUCHE UM ANTWORT BITTE!

    beste Grüße
    Walter Sagl

    Patientenanwältin Sigrid Pilz hält die Notfallambulanz der Privatklinik Döbling für das „falsche Signal…??????????

    WEM IST DIE“ PATIENTEN-ANWÄLTIN“
    SIGRID PILZ
    EIGENTLICH VERPFILCHTET…???
    Interner Loyalitäts-KONFLIKT?


    FEEDBACK SELBSTDENKENDER…
    Was habt ihr sonst geglaubt.......
    Diese Entwicklung wird seit langem von den Basis und " Mittelbauärzten" prophezeit. Und das ist die Mehrheit der Experten für Gesundheitsversorgung !!! Die Politik aber -und vorallem auch Frau Pilz als Propagandistin der irreal durchgepeitschten und der Bevölkerung als Reform verkauften Maßnahmen im quasi ' solidarischem' Gesundheitssystem ' negieren blind diese logischen Konsequenzen resultierend aus ihrem Missmanagement. Aber : Ein Gangbett ist ein Gangbett und kein Gangbett ist kein Gangbett ! und Politiker liegen immer und sofort im Einzelelzimmer - selbstredend...- auch ohne Zusatzversicherung! Oder Frau Pilz?!?
    sunlight
    21.12.2016 11:09
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    Wieso nicht?
    bevor ich mich diese mitlerweile lausigen öffentlichen Spitäler antue leiste ich mir den Luxus.
    Mitlerweile mache ich das meiste privat - die öffentliche Gesundheitsvorsorge ist eine Frechheit.
    ZEP777
    21.12.2016 10:23
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    Mehr um öffentliche Spitäler kümmern
    Dass Sigrid Pilz aus ideologischen Gründen gegen jegliche private medizinische Versorgung ist, weiß man längst. Als Patientenanwältin sollte sie sich jedoch weniger um die Politik, sondern um eine bessere Versorgung der Patienten in öffentlichen Spitälern bemühen, statt private Initiativen ständig anzupatzen und zu behindern.
    Kerberos
    21.12.2016 09:16
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    Ein Freund...
    ...ist Ende Juni beim Gehen "umgeknöchelt" - also im Fußgelenk umgekippt.
    Doc und Spital haben ihm erklärt, dass das unbedingt operiert werden muss.
    OP-Termin in einem Öffentlichen Spital hat er für Ende Mai nächsten Jahres avisiert bekommen –
    also 11 Monate nach dem Unfall. (Privat kann er sich das nicht leisten)
    Was soll man da noch operieren? Ist da nicht längst alles (falsch) zusammengewachsen?
    Fördert das Vertrauen ins Öffentliche Gesundheitswesen in Wien ungemein………………….
    Leopold Fried
    21.12.2016 08:21
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    Seltsame Kritik
    Die Kritik an der privaten Notaufnahme scheint mir an den Haaren herbeigezogen.
    In der Praxis bedeutet das, daß man als Versicherter ohne Termin mit einem akuten Problem hingehen kann und nicht auf übernächste Woche vertröstet wird.
    Notfall bedeutet nicht automatisch, daß man in einem lebensbedrohlichen Zustand ist, sondern nur, daß eine gewisse Eile geboten ist. Ein überknöchelter Fuß wäre etwa ein Fall, wo ich dorthin gehen (oder humpeln) würde.
    Mr_Incredible
    21.12.2016 08:15
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    Ein wesentliches
    Element der Zusatzversicherung ist die freie Arzt- und Krankenhauswahl.
    Da sollte sich Frau Pilz weniger sorgen machen. Die meisten Patienten können schon einschätzen wohin sie gehen. Nicht jeder Notfall ist ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt.
    95 % der Fälle werden behandelbar sein. Mehr sind es in den meisten öffentlichen Ambulanzen auch nicht. Und so kommen auch in öffentlichen Ambulanzen Transfers vor.
    Wo die Ärztekammer die Kartellrechtsthematik sieht, bleibt mir verborgen. Mit einer Ambulanz in einer 2 Millionenstadt ist keine marktbeherrschende Stellung zu sehen.
    Es sollte doch jedem Menschen -der dafür bezahlen will- freigestellt sein so ein Angebot anzunehmen. Er muss ja über seine SV Beiträge und Steuern sowieso den öffentlichen Bereich mitfinanzieren egal ob er diesen nutzt oder nicht.
    Meergob
    21.12.2016 08:14
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  • #4

    Evan Hafer (Freitag, 03 Februar 2017 20:52)


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