Die falsche Predigt zur falschen Zeit

 

Als katholischer Laie möchte ich einem katholischen Bischof nicht sagen, wie und was er zu predigen hat. Das wäre anmaßend und unpassend. Wenn aber ein hoher geistlicher Würdenträger bei vielen Leuten das Gefühl erweckt, dass er inhaltlich mit einer Aussage ziemlich falsch liegt, dann sollte man ihm das auch als Laie ohne Scheu durchaus mitteilen dürfen. 

 

Die inhaltlich falsche Predigt

Der Anlassfall ist die Weihnachtspredigt des burgenländischen Diözesanbischofs Ägidius Zsifkovics. Er meinte in dieser seiner Predigt, dass Jesus 2016 im Flüchtlingsboot unterwegs sei. Diese Metapher ist in mehrfacher Hinsicht problematisch.

 

Zunächst erfolgt mit so einem biblischen Vergleich förmlich eine pauschale Heiligsprechung von abertausenden Leuten, die primär als illegale Migranten ihre Reise übers Meer Richtung Europa antreten. Von keinem einzigen, der sich in Libyen oder sonstwo in ein Schlepperboot  setzt, kann man nämlich a priori mit Sicherheit sagen, welche Motive ihn antreiben und warum er nach Europa gelangen will.

 

Mit Sicherheit wissen wir aber, dass diese Motive nicht alle aus irgend einer bestimmten Not entstanden sind. Da gibt es reihenweise Glücksritter, Desperados, Kriminelle, Attentäter, Schläfer, Fanatiker etc. unter den Migranten. Für soviel Differenzierung muss Platz sein, auch und gerade, wenn man als Geistlicher in der Kirche über die Migration spricht.

 

Jesus tausendfach im Boot?

Allen asylsuchenden Migranten ist gemeinsam, dass sie zuerst ein Prüfungsverfahren durchlaufen müssen, in dem behördlich festgestellt wird, ob überhaupt ein Grund vorliegt, als Flüchtling anerkannt zu werden. Und Flüchtlinge, das sind eben längst nicht alle. Auch wenn die offizielle deutschsprachige Diktion fälschlicherweise noch immer pauschal vom "Flüchtling" und nicht vom "Migranten" spricht. Die aktuellen und für jeden Interessierten einsehbaren Daten sprechen hier eine deutliche und andere Sprache: Je nach Herkunftsland beträgt die Asyl-Ablehnungsquote bis zu 99,8% (z.B. Algerien und Marokko). Leute aus diesen Ländern sind also pauschal guten Gewissens nicht als Flüchtlinge zu bezeichnen. Allein schon aus diesen Gründen klingt es ziemlich unglaubwürdig, wenn man ein Bild bemüht, in dem ausschliesslich und abertausendfach Jesus im Flüchtlingsboot sitzen soll.

 

Es ist auch nicht bekannt, dass der Vatikan neuerdings ein Verfahren durchführen würde, in welchem eine vermutete wesensmäßige Ähnlichkeit der Migranten mit Jesus zum positiv erledigten theologischen Prüfungsgegenstand gemacht worden sei und die Metapher des Bischofs daher von dort aus eine Berechtigung gewänne.

 

Ohne Wahrheit keine Gerechtigkeit

Aus dem Vatikan ist dafür ein fundamentales Papst-Zitat überliefert, das gerade in der aktuellen Migrationskrise so wichtig geworden ist wie nie zuvor: "Ohne Wahrheit gibt es keine Gerechtigkeit" - diese essenziellen Worte stammen vom leider in den Ruhestand getretenen Papst Benedikt XVI. Er sprach unter anderem in seiner legendären Regensburger Rede, in der er 2006 deutlich Stellung zum Islam bezog, über die Wichtigkeit des vernunft- und wahrheitsgesteuerten Zugangs zum Leben und seinen Werten. Ein Kern seiner Botschaft ist: Man kann keine gerechten Taten setzen, wenn man die Wahrheit auch nur schönreden, verschleiern oder ihr gar nicht wirklich gerecht(!) werden will.

 

Wenn nun - aus welchen gutgemeinten Gründen auch immer - falsche und irreführenden Metaphern wie das hier besprochene Bild in Bischofs-Predigten (noch dazu anlässlich eines christlichen Hochfestes) verbreitet werden, dann läuft etwas ganz grundlegend schief in der Führungsriege der katholischen Kirche.

 

So wird sie sich in Zukunft nicht präsentieren können, ohne mehrheitlich nur noch Kopfschütteln zu ernten. Und besonders in der Causa Migration wird es ohne Wahrheit keine Gerechtigkeit geben, weder für die wirklichen Flüchtlinge noch für die Helfer noch für die Übeltäter. Daran sollten immer alle denken.

 

Der Kardinal als Hoffnungsträger

Von einem anderen Bischof, immerhin dem ranghöchsten unseres Landes, geht seit kurzem aber wieder ein Hoffnungsschimmer aus: Unser Erzbischof Kardinal Schönborn sagte in einem Interview vor Weihnachten, dass bei ihm ein Umdenken eingesetzt hätte und er die "Hilfe vor Ort" (also im Nahen Osten) nun für wichtiger hält als die Merkel`sche Einadungs-Politik der offenen Grenzen.

 

Die Interpretation der Schönborn`schen Worte führt unweigerlich zu einer Erkenntnis, die wir alle endlich akzeptieren und aussprechen müssen: Es ist zerstörerisch für unseren Kontinent und objektiv betrachtet auch gar nicht machbar, weiterhin riesige Menschenmassen aus dem Orient und aus Afrika in Europa aufzunehmen. Im Gegenteil, wir müssen umgehend mit Remigrationsmaßnahmen in großem Stil beginnen.

 

Einheitliches Auftreten

Die Predigt des burgenländischen Bischofs passt da nicht recht dazu und sie geht am Grundgefühl des größten Teils der Bevölkerung vorbei. Als katholischer Laie wünscht man sich jetzt, dass die Bischöfe ein einheitliches Auftreten an den Tag legen, ihre Botschaften besser abstimmen und die Katholiken und Bürger nicht mit widersprüchlichen Aussagen noch mehr verunsichern. Allzu viele sind schon zutiefst enttäuscht vom Umgang der katholischen Kirche mit der zunehmend als Bedrohung empfundenen Migrationskrise.

 

Die Kirche könnte Leuchtturm sein

Gerade die Kirche könnte in der gegenwärtigen europäischen Bedrängnis, die ja auch und vor allem eine religiös bedingte ist, wie ein Leuchtturm strahlen. Dafür darf sie weder liebedienerisch sein noch muss sie fundamentalistische Töne anschlagen, sondern sie sollte einfach nur das sein, was sie ist: Nämlich die christliche römisch-katholische Kirche, die über 2000 Jahre lang maßgeblich und grundlegend an der Entwicklung der europäischen Kultur mitwirkte. 

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Kommentare: 6
  • #1

    Walter (Dienstag, 27 Dezember 2016 08:36)

    Erwarte nichts - dann kannst du nicht enttaeuscht werden. Wenn man etliche Jahre auf dem Buckel hat und sich etwas Erinnerungsvermoegen bewahrt hat
    kann man sich auf Winkelzuege der katholischen Kirche gut erinnern. Wie die generelle Oesterreichische Politik wird auch der Eisberg Kirche immer unglaubwuerdiger.

  • #2

    michael collins (Dienstag, 27 Dezember 2016 09:10)

    1.Doch, geehrter Herr Dr. Franz, als katholischer Laie haben Sie die Pflicht, Irregehende zu belehren. Gibt es nicht eine Stelle in der Heiligen Schrift, dass, wenn der Bruder (oder die Schwester) irrt, sie auf den rechten, richtigen Weg zu bringen?

    2. zum burgenländischen Bischof: ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er seine Predigt erst zur Kenntnisnahme und Genehmigung dem ORF vorgelegt hat. Was tun manche nicht alles, um ein bisschen Aufmerksamkeit und Wohlwollen der Linken zu erhalten. Das müssen Sie doch verstehen. Tut mir leid, bei solchen Hirten bleibt mir nur noch Zynismus.

    3. Jesus mag ja im Boot gesessen haben, die Christen hat man vorsorglich ins Meer geschmissen. Verständlich, da hat man im wahrsten und übertragenen Sinn mehr Platz. Zynismus siehe oben.

    4. Tut mir leid, aber Schönborn traue ich genauso, wie ich einem Mohammedaner Nächstenliebe zutraue.

    Anscheinend kennt Schönborn weder seine Bibel noch den Koran.

    5. Was die Hilfe vor Ort betrifft, weiss man nicht, wie gnadenlos die Entwicklungshilfe, die ich seit der Entkolonialisierung beobachte, gescheitert ist? Als Einziges dabei rausgekommen ist, dass sich Afrikaner gnadenlos vermehren, ohne Hirn und Vernunft. Schauen Sie sich einmal den Durchschnitts IQ der Bevölkerung afrikanischer Länder an. Nur ein Beispiel: die so hochgejauchzte Hilfe von Karl-Heinz Böhm hat nur eines bewirkt, Äthiopiens Bevölkerung ist explodiert und sie sind jetzt noch viel ärmer als vor der Hilfe.

    Geld und medizinische Hilfe bewirken keine Verbesserung, nur noch mehr Elend und gnadenlose Kriege. Lesen Sie bitte, welche Grausamkeiten Kindersoldaten begehen. Es wird Ihnen speiübel dabei.

    Als Geschichtsinteressierte erlaube ich mir immer den Scherz, der Cro-Magnonmensch wird schon gewusst haben, weshalb er vor vielen tausend Jahren die Flucht aus Afrika angetreten ist, er hat mit den dort Gebliebenen nichts anfangen können.

    6. diese katholische Kirche ein Leuchtturm? Mit einem Marxisten-Befreiungsbewegten Heuchler als unheiligem Vater? Beim Konklave war garantiert kein Heiliger Geist anwesend.

    Sie als Arzt haben es ebenso wie ich als Pflegeperson gelernt, Gesichter zu lesen. Welch ein Unterschied zu Benedikt. Abgesehen davon, dass Benedikt dem jetzigen intellektuell Lichtjahre überlegen ist.

    Ich zitiere Kaiser Heinrich IV gegen den damaligen Papst Gregor VII: Steig herab ! Heiliger Satan. Vielleicht tue ich dem Franziscus auch Unrecht, denn der Satan ist wahrlich mit mehr Intelligenz ausgestattet.

    Der Brief Heinrichs ist heute aktueller denn je:

    http://www.eichfelder.de/worms/w_hist/09_salier/investitur/henricus.html

    PS: ich bin weder Agnostiker noch Atheist, ich bin auch katholisch.

  • #3

    Josef Heber (Dienstag, 27 Dezember 2016 09:20)

    Zur (Fehl-) Interpretation der (Wirtschafts) Flüchtilanten als ein Heer von Jesussen durch den " Hochwürdigsten Herrn" Bischof: Einspruch Euer Ehren! Hier reden Sie hochwürdigsten Unsinn! Also: Bischofsernennungen sind Funktionszuweisungen, keine Intelligenz- oder Erkenntniszuweisungen. Die unselige, weil völlig irrige Analogisierung von Jesus mit Flüchti... Invasoren hat übrigens schon Papst Franziskus vorgenommen. Wo Kirchenmänner intellektuell und moralisch vom Weg klar denkenden Geistes abkommen, darf es, um der Wahrheit Willen, keine Gefolgschaft geben. Aus falscher Achtung vor dem zugewiesenen Amt jedenfalls nie und nimmer.

  • #4

    Mitleser (Dienstag, 27 Dezember 2016 11:32)

    Die instrumentalisierung von Jesus in diesem Zusammenhang ist Gotteslästerung.
    Man müßte vielen Kirchenvertretern unter die Soutane schauen,ob da Füße drunter sind oder nicht doch Hufe.

  • #5

    helmut-1 (Dienstag, 27 Dezember 2016 20:12)

    Muss hier ruhig sein und mich zurückhalten.
    Vielleicht kann man das aber aus so manchen meiner Kommentare herauslesen: Mein ganzes Leben hatte ich so meine persönlichen Probleme mit den Herrschaften, die entweder in schwarzer oder auch in weißer Berufskleidung ihren Job ausübten. Was sich voraussichtlich auch bis zu meinem biologischen Abgang nicht mehr ändern wird.

    Der Grund: Relativ früh bin ich draufgekommen, dass sich bei diesem Klientel zuviele Scharlatane drunter befinden.

    Was nicht heißt, dass es darunter nicht auch hochanständige und erfahrene Vertreter gibt, die ihrem Berufsstand alle Ehre machen. Aber das rauszufinden, kostet Zeit, Nerven und ... manchmal sogar das Leben.

  • #6

    Elke Stein (Freitag, 30 Dezember 2016 10:49)

    Kann mir auch nicht vorstellen, dass Jesus Christen aus dem Boot geworfen hätte, wie geschehen.