Wie soll Europa zukünftig aussehen?

 

Die mythologische Namensgeberin unseres  Kontinents war die Prinzessin Europa, eine phönizische Königstochter. Sie wurde der Legende nach vom obersten Griechengott Zeus, der als weisser Stier zu ihr kam, nach Kreta ent- und dort verführt. Der Kern des antiken Reichs Phönizien entspricht geografisch in etwa dem heutigen Syrien. Die Ironie der Geschichte ist da nicht weit: Aus Syrien kommen derzeit gerade wieder viele Menschen auf unseren Kontinent, um hier neue Europäer zu werden. Und dieses Faktum ist auch wieder mit einer Art Verführung verbunden: Die Einladungspolitik ist zweifellos eine solche.

 

Doch Ironie beiseite. Europa und die EU sind in der Krise und wir alle sind der Ansicht, dass die gegenwärtige Lage der Union verbessert werden muss. Was aber macht die Krise der EU aus? Und vor allem: Wie soll es weitergehen?

 

Die Ursachen

Die Gründe der problematischen Situation sind nicht in der aktuellen Migrationsmisere zu suchen, diese ist nur ein - wenn auch dramatisches - Symptom. Die Krise der EU hat einerseits lang schon bestehende kulturelle, ökonomische und Mentalitäts-Unterschiede der Nationen als Ursache und andererseits gravierende politische Fehlentwicklungen in Brüssel, vor allem in den letzten 20 Jahren.

 

Die kulturellen Unterschiede zwischen den europäischen Ländern beruhen auf den verschiedenen Sprachen, auf den markanten geschichtlichen Brüchen wie der Reformation und den vielen großen Kriegen, den Hegemoniebestrebungen der Großmächte und derer, die es gern sein wollten und noch immer möchten. Nicht  zuletzt spielt auch eine Rolle, wie stark die europäischen Staaten als Seefahrernationen waren. Von den Seefahrern ging die Globalisierung aus und die wirkt ja immer in beide Richtungen, wie man an den großen Migrationsbewegungen sah und sieht (und damit ist nicht die jetzige gemeint).

 

Das Problem der ethnischen Strukturen

Dass in Frankreich und England Millionen von Orientalen und Afrikanern zuhause sind und dort deswegen große Probleme im Zusammenleben entstanden sind, hat allein seinen Grund in der kolonialen Globalisierungs-Geschichte und deren Rückwirkung auf die ehemaligen Kolonialmächte, die nach den Befreiungskriegen aus Wiedergutmachungsgründen der freien Migration Tür und Tor öffneten.

 

Österreich als Präzedenzfall

Österreich unter den Habsburgern nahm über lange Zeit aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur eine europäische Sonderstellung ein und kann rückblickend als anschauliches Versuchslabor  für die EU gelten. Im ehemaligen Vielvölkerstaat mit über 50 Millionen Einwohnern und 10 verschiedenen anerkannten Sprachen konnte ein Ausgleich unter den Nationen nur mit Ungarn geschafft werden, die anderen nationalen und ethnischen Bestrebungen scheiterten. Sie führten letztlich zum Ersten Weltkrieg. Das noch heute Traurige daran: Die EU hat zu wenige und nur die falschen Lehren aus diesen negativen Entwicklungen gezogen. Das Ansinnen, seine je eigene Nation zu fördern und zu stärken, wird noch immer von Brüssel verdammt. Das ist genau der falsche Schluss. Das Gegenteil ist richtig.

 

Deutschland am Irrweg

Und dann ist da noch Deutschland. Immer wieder Deutschland. Waren es früher politische, völkische und geografische Fantasien, die Deutschland antrieben, so ist es heute die "Menschlichkeit", welche Deutschland neuerlich als Weltmacht festigen soll. Dieses Ansinnen wird aber genau so zerstörerisch enden wie alle anderen deutschen hegemonialen Bemühungen nach Karl dem Großen. Diesmal allerdings dürfte der Versuch zur  traurigen Farce verkommen. Wenn die Deutschen nicht noch schnell das Heft herum reissen, wird die deutsche Menschlichkeits-Politik in einer ethnischen und kulturellen Transformation ohne Chance auf Rekonvaleszenz enden.

 

Zurück zur EU

Der Sinn der EU war ursprünglich, über ein Geflecht aus Handelsbeziehungen den Frieden auf dem Kontinent nachhaltig zu sichern. Das war sinnvoll und nutzbringend, das Projekt fand seinen Höhepunkt im europäischen Wirtschaftsraum EWR. Doch dann traten die Spät-Trotzkisten als Agenten der sozialistischen Internationale immer zahlreicher auf den Plan und verbündeten sich mit dem Finanzkapital, um aus den Bürgern der einzelnen Nationen den gleichberechtigten und gleichgestellten Einheitsmenschen und Einheitskonsumenten zu erschaffen.  

 

Opfer des Kulturmarxismus

Der nach dem Zweiten Weltkrieg beginnende und vor allem nach 1968 und dann noch stärker nach 1989 förmlich grassierende Kulturmarxismus glaubte, das Kapital über die Hintertür der Verbrüderung usurpieren und besiegen zu können. Die schlauen Kapitalisten rieben sich die Hände und machten bereitwillig mit, weil sie wussten, dass der Mensch letztlich immer konsumistisch denken wird. 

 

Was alles an Üblem geschah

Die zunächst von allen begrüßte , aber jetzt fragwürdig gewordene Aufhebung der innereuropäischen Grenzen, die schleichende Abwertung der Nationen, die Zentralisierung jeder wichtigen Agenda in Brüssel, die Einführung des Euro für (fast) alle, die Machtübernahme durch die Zentralbank als Geldausgabe-Maschine, die Abrüstung der Armeen, die Schwächung der nationalen Parlamente und die mangelnde Sicherung der Außengrenze machen nun allen europäischen Staaten zu schaffen und gefährden sie in ihrem Bestand.

 

Wie aber könnte ein funktionierendes Europa aussehen?

Die kulturellen Identitäten und die je eigene Geschichte machen im Wesentlichen die Nationen aus. Und die müssen wir behalten. Es ist daher unumgänglich, die einzelnen europäischen Länder wieder zu stärken. Das Schlagwort vom "Europa der Vaterländer" ist den Vertretern der Internationale natürlich gar nicht recht, aber die Restitution der Nationen und die Ermächtigung der einzelnen Staaten ist der einzige Weg zur Rettung der EU. So paradox es klingt: Weniger Europa ist mehr Europa. Die Fehler, die im Habsburgerreich in Form der Nichtachtung der Nationalitäten gemacht wurden, dürfen sich nicht wiederholen. 

 

Downsizing ist der Schlüssel

Das inhaltliche "Gesundschrumpfen" der Brüsseler Agenda muss darin bestehen, die EU auf ihre vier Grundfreiheiten zurück zu führen: Freier Warenverkehr, freier Personenverkehr, freier Kapitalverkehr, freie Dienstleistungsverkehr. Alles andere ist Sache der einzelnen Staaten und deren Parlamente. Man muss dabei den Nationen auch das unkompliziert auszuübende Recht zugestehen, im Bedarfsfall die Grenzen selber zu sichern und die nationalen Interessen über jene von Brüssel zu stellen.

 

Weg vom Euro

Wirtschaftlich gesehen ist ein harter, aber notwendiger Eingriff vorzunehmen: Es muss der Euro abgeschafft und die alten Währungen wieder eingeführt werden. Die Vorteile überwiegen mittelfristig die kurzen Schmerzen der Umstellung. Die Argumentationen von Ökonomie-Experten sind einfach überzeugender als die der Pro-Euro-Kämpfer.

 

Das Militär stärken

Immer wieder ist auch von einer gemeinsamen EU-Armee die Rede. Ja, die soll entstehen - aber auf der Basis eines Berufsheeres und eines Vertrages, der ähnlich konfiguriert ist wie die NATO. Einsatzbefehle für diese Armee können nur einstimmig erfolgen, eine Beistandspflicht muss es aber natürlich geben.  

 

Brüssel: Abschaffen und neu aufstellen

In der derzeitigen europäischen Zentrale müssen fundamentale Änderungen eingeleitet werden. Alle EU-Konstrukte, die ja zu einem wesentlichen Teil undemokratisch zusammengesetzt sind, muss man abschaffen und durch national gewählte politische Akteure ersetzen. Das ginge recht einfach: Als gemeinsames und verantwortliches Gremium der EU-Staaten fungieren die verschiedenen Regierungschefs der Mitgliedsstaaten. Sie treffen sich einmal im Quartal in Brüssel und legen gemeinsame grundsätzliche Linien fest. Die verschiedenen Ressort-Minister (Finanz, Verteidigung etc.) haben ihre Meetings dort monatlich, um sich in ihren Bereichen eng abzustimmen. In Brüssel selbst bleiben die Beamten aus den verschiedenen Staaten stationiert,  um den dauernden und notwendigen diplomatischen Kontakt zu pflegen. Den EU-Rat, die Kommission und das EU-Parlament kann man getrost auflösen. Diese Konstrukte sind Potemkinsche Dörfer, sie braucht eigentlich niemand.

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Kommentare: 12
  • #1

    Diederich Heßling (Samstag, 31 Dezember 2016 10:02)

    NATO, EU und € sofort abschaffen bzw. die Nationalstaaten austreten. Bei Abstimmung des Volkswillens wären 90% in Europa dafür, das alles abzuschaffen. Dann normale EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) wie in den 60er Jahren neu schaffen. Normale Handelsverträge mit Rußland, USA und China Etc. neu verhandeln.
    Alle politischen Parteien müssen ohne Unterschied als staatszersetzend verboten werden!

  • #2

    hubi stendahl (Samstag, 31 Dezember 2016 10:25)

    Die im Artikel beschriebenen Maßnahmen würden wohl nur das Schlimmste verhindern. Ein zukunftstragendes Konstrukt ist das noch nicht. Zu lange, haben die Kulturmarxisten gewütet und eine Generation von hilflosen Konsumzombies ohne jede Eigenverantwortung produziert, sodass eine echte Erneuerung so kaum stattfinden kann. Anstelle der zentralisierten finanzfaschistischen EU ständen Ersatzkonstruktionen, die sich EU weit über die Köpfe der Bevölkerungen hinweg, zu ihrem Nachteil, abstimmten.

    Nein. Ein Schritt in die Zukunft wäre für alle Europäer eine bindende dezentralisierte Staatsreform der Staaten Europas, die sich an der UN Charta festmachen könnte und das derzeit in privaten Händen liegende Geldsystem reformiert und in eine vom Volk direkt gewählte Monetative übergibt. Ideal wäre ein zinsloses System mit Volldeckung, um zu verhindern, dass die Macht früher oder später nicht wieder in die Hände einzelner Dunkelmächte gerät.

    So etwas würde allerdings angesichts der anerzogenen Interessenlosigkeit der aktuellen Generation <40, nochmals eine Generation dauern. Aber es wäre ein Lichtblick unter dem Aspekt der enormen Probleme, die uns wegen der Zerstörung der Umwelt und der US Hegemonie Kriege (Völkerwanderung) noch ins Haus stehen.

  • #3

    Hans Kolpak (Samstag, 31 Dezember 2016 12:16)

    Leopold Kohr
    ... zitiert aus http://www.dzig.de/Leopold_Kohr_-_Small_is_Beautiful

    "1992 schrieb der Bierbrauer Freddy Heineken, angeregt durch die Philosophie Leopold Kohrs, einen Artikel über die Zukunft Europas mit dem Titel "Eurotopia - Ein Europa der 75 Regionen, nicht der Staaten". Danach gab er bei Prof. Wesseling den Entwurf einer entsprechenden Landkarte in Auftrag, die Leopold Kohrs Idee der Aufteilung der Nationen entwurfartig widerspiegelte."

    Manfred W. K. Fischer: "Bereits im September 1941 erschien im New Yorker Magazin "The Commonweal" ein Artikel Kohrs mit dem Titel "Disunion Now". Darin sprach er sich erstmals gegen den nationalen Größenwahn und für ein Europa der Kantone aus. Die nationalstaatlichen Einigungsprozesse der Vergangenheit hätten nur imperiale Großmächte hervorgebracht, die sich gegenseitig in den Haaren lägen, so Kohr damals. Anfang der 1950er Jahre vollendete Kohr dann sein Hauptwerk "The Breakdown of Nations" (Das Ende der Großen). Erst 1957 wurde das Buch in London veröffentlicht. Ein Indiz dafür, dass Kohr mit seinen Ideen seiner Zeit weit voraus gewesen ist.

    Nach Kohrs Ansicht lag/liegt das Wohl des Menschen nicht im permanenten wirtschaftlichen Wachstum, sondern in der Rückkehr zum "menschlichen Maß". Er behauptete, dass hinter allen Formen des sozialen Elends eine einzige Ursache stünde: etwas (Staat, Wirtschaftseinheit, Betrieb, Institution) sei zu groß geworden. Um dies zu untermauern, wies er auf die Analogie der Saurier hin, die ebenfalls an ihrer Größe zugrunde gegangen seien. Jede Vereinigung zu einer größtmöglichen Einheit sei die Vorstufe zum Verfall, so Kohr weiter. Als Beispiel führte er bereits damals einen Vielvölkerstaat wie die UdSSR an – heute längst in kleinere Einheiten zerfallen. Ein Staat sollte eine Bevölkerungsgröße von 12 bis 15 Millionen Menschen nicht übersteigen, denn dann würde er seine reibungslose Funktionsfähigkeit verlieren. Der Kontakt der Staatsspitze zur Bevölkerung wäre nicht mehr optimal gewährleistet."

    Leopold-Kohr-Akademie
    Kulturpublizist Dr. Anton Thuswaldner: "Für Leopold Kohr hatten jedes Land und jede Region ein unabdingbares Recht auf Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Er wollte die kleinen Einheiten und deren Bewohner befreit wissen vom Zugriff großer Mächte und Konzerne. Das, wofür er politisch kämpfte, galt in der Literatur lange schon als Selbstverständlichkeit."

    Leopold Kohr, Das Ende der Großen, Zurück zum menschlichen Maß, Salzburg/Wien 2002 (Otto Müller Verlag); 343 Seiten; ISBN 3-7013-1055-6 Neuausgabe der deutschen Fassung von „The Breakdown of Nations“ (London 1957)

    Bereits vor fünfzig Jahren sagte Leopold Kohr das Ende der großen Machtblöcke voraus und empfahl die Rückkehr zum menschlichen Maß. Dieses Plädoyer für die „richtige Größe“ entstand in einer Zeit, in der Wachstum und internationale Zusammenschlüsse dominierten, und ist heute – im Zeitalter der Globalisierung – aktueller denn je. Der Slogan „small is beautiful“, den Kohrs Schüler und Freund Fritz Schumacher in den 70er Jahren berühmt machte, hatte Kohr schon früher ausführlich begründet: Kleine Staaten und und soziale Einheiten seien effizienter und friedlicher als große. In brillanter Analyse zerlegt Kohr die Ideologien des Größenwahns in der Politik und in der Wirtschaft. Er zeigt anhand zahlreicher Beispiele aus Geschichte und Gegenwart, warum große Einheiten zwangsweise scheitern müssen und nur die Einhaltung des richtigen Maßes die Menschheit vor dem Sturz in den Abgrund retten kann. Die Leopold-Kohr-Akademie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die bedeutenden Werke Kohrs in einer neuen Reihe herauszugeben, derer erster und wohl wichtigster Band hiermit vorliegt.

  • #4

    melanie G. (Samstag, 31 Dezember 2016 16:21)

    Volle Zustimmung. Hier wurde alles gesagt, was richtig umd wichtig ist.
    Das Ruder muß schnell herumgerissen werden, viel Zeit bleibt nicht mehr..

  • #5

    Georg H. (Samstag, 31 Dezember 2016 20:11)

    Mal was ganz anderes.
    Ich denke Europa in welcher Form auch immer, bleibt ein Turm zu Babel. Jedes Dokument in 25 Sprachen, damit machen wir (EU) uns seit Jahrzehnten zur Lachnummer.
    Ich schreibe seit Jahren an EU verantwortliche (in den paar Sprachen, die ich halt beherrsche) dass jetzt noch die Chance besteht, einige tausend Arbeitslose aus dem Süden Europas zu Esperanto Lehrern auszubilden. Anschliessend erklärt man Esperanto zu Pflichtfach in allen Grundschulen. in 25 Jahren können alle Europäer miteinander reden. Dann klappt auch der Rest. Ohne gemeinsame Sprache, hat kaum jemals eine grosse Einheit funktioniert.
    Antwort habe ich noch nie bekommen.
    In den Grossreichen Sowjetunion, Römisches Reich,... war es immer die Sprache des Hegemons, der fehlt in der EU. Also kommt als lingua franca nur eine Kunstsprache in Frage (EU ist ja schliesslich auch ein "Kunstland")
    In Wien sagt man: "durch's reden kommen die Leut' z'amm"

  • #6

    Ich spreche Deutsch! (Sonntag, 01 Januar 2017 10:44)

    Glänzender Einfall....aber Moment mal, was machen Sie mit den Menschen die schon aus der Grundschule heraus sind aber die Frechheit besitzen in 25 Jahren noch zu leben?

    Kleiner Exkurs: Die Exikutiven Möglichkeiten der EU sind vorsichtig formuliert enden wollend.

    Zweiter Exkurs: noch mal, warum muss es eine Kunstsprache sein? Warum wählen Sie für Ihren Vorschlag nicht relativ verbreitete Sprachen wie...Englisch...MIST ist ja schon Pflichtfach und ich tippe hier immer noch auf Deutsch...wie Sie übrigens auch.
    Oder Französisch.....Seufz ..... auch schon Pflichtfach ab der Oberstufe...Hmm?

  • #7

    helmut-1 (Montag, 02 Januar 2017 18:18)

    Das mit der Sprache ist schon ein Problem. Mir fehlen da aber die fachlichen Kenntnisse, das angemessen zu beurteilen.

    Klar wäre Esperanto eine diplomatische Lösung. Schließlich würde es dann das Unterstellen einer Wertigkeit der einzelnen Landessprachen verhindern.
    Was meine ich damit:
    Sagen wir mal, wir würden uns auf die drei führenden Sprachen in Europa einigen, - englisch, französisch, deutsch. In diesen drei Sprachen würden dann die EU-Dokumente an die Mitgliedsländer versandt werden. Was die dann damit machen, ist denen ihre Sache. Die sollen es dann in ihre spezifischen Sprachen übersetzen. Schließlich haben die in Belgien auch noch das Problem mit der Flämischen Sprache, sowie in anderen Ländern auch ähnliche Probleme. Dazu kommt die Frage, wie sich dann die Spanier fühlen, die Portugiesen, die Slawischen Sprachen, etc.

    Hier eine Lösung zu finden, die für jeden akzeptabel ist, - das ist schwer.

    Die andere Sache: Das, was Herr Dr. Franz vorgeschlagen hat, finde ich richtig. Allerdings hat er nicht von der Marschrichtung gesprochen, die danach kommen muss.
    Das wären die Angleichungen an die Sozialsysteme, an die Lohngesetze, an die Rentensysteme, StVO- Regelungen, usw. usw. Am Schluß, und genau erst dann, könnte eine gemeinsame Währung stehen.

    Aber der Hinweis auf die Kohr-Akademie ist schon interessant.

  • #8

    Georg H. (Montag, 02 Januar 2017 22:00)

    @#6
    Lieber "Ich spreche Deutsch!"

    Die der Grundschule bereits Entwachsenen sind aus meiner Sicht verloren, was eine gemeinsame Sprache betrifft. Die erreicht man nicht mehr. Die EU ist ein langfristiges Projekt. Durch die kurzen Legislaturperioden haben wir vergessen wie man langfristige Ziele verfolgt.
    Für die älteren Europäer, die nicht mehr Esperanto (die leichteste Sprache der Welt) lernen wollen/können gibt es die Möglichkeit ihre Landessprache per Software in/aus Esperanto zu übersetzen. Das geht eben nur mit einer Kunstsprache, weil sie keine Ausnahmen und gewachsene Redewendungen hat.
    Der eigentliche Grund für eine Kunstsprache ist ein anderer und liegt auf der Hand! Welche Nation in Europa hat den Stellenwert, dass alle anderen ihre Sprache erlernen und verwenden sollten? Natürlich keine, es fehlt, wie gesagt der Hegemon. Dazu kommen historische Animosiäten: Die Franzosen werden nie Englisch akzeptieren, Polen nie Deutsch sprechen und so weiter.
    Die Finnen haben im Rahmen ihres EU-Vorsitzes 1999 Latein als offizielle EU Amtssprache vorgeschlagen. Das fand aber keinen Anklang bei den übrigen Mitgliedsstaaten. Latein ist auch ungünstig, weil es viel zu kompliziert ist. Selbst im Römischen Reich hat kaum jemand Latein gesprochen, sondern "Roman" eine grob vereinfachte Form, etwa wie "Pidgin"English https://de.wikipedia.org/wiki/Pidgin-Sprachen
    Nur braucht es für eine "pidgin-Sprache" einen Hegemon, also English im British Empire und so weiter. Wenn wir Englisch als lingua franca anstreben akzeptieren wir freiwillig die USA als Hegemon.
    Daher Esperanto
    https://de.wikipedia.org/wiki/Esperanto

  • #9

    helmut-1 (Montag, 02 Januar 2017 22:13)

    Georg H:
    Sind natürlich Argumente, über die man nachdenken sollte. Irgendwie schlüssig.

  • #10

    enrico (Mittwoch, 04 Januar 2017 13:47)

    Interlingua, Instrumento moderne de communication international:

    Europa hat bereits eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Lingua Academica! Leider ohne Grammatik.

    Diese Erkenntnis steckt hinter dem Sprachen-Projekt “Inrerlingua” (IALA). Interlingua ist keine künstliche Sprache wie Esperanto und vielmehr ein neu rekonstruiertes Latein mit eine sehr reduzierten aber dennoch völlig ausreichenden Grammatik. Im Gegensatz zu Esperanto gibt es nur wenige Menschen, die Interlingua kennen, aber es gibt viele Menschen die Interlingua “a prime vista” verstehen ohne jemals es gelernt zu haben. Bei Esperanto ist es gerade umgekehrt: Viele kennen es, aber verstehen können sie es nicht auf den ersten Blick.

    Latein ist natürlich eine noble Sache, aber als Kommunikationssprache Europas vollkommen untauglich geworden. Solange die Bürger Europas nicht miteinander kommunizieren können ist es kein gemeinsames Europa der Bürger. Eher der Konzerne. Jeder, der einmal dazu gezwungen war, als Nicht-Muttersprachler Verträge auf Englisch zu verfassen, weiß, dass das Englische als gemeinsame Sprache in Europa nicht die Lösung sein kann. Beim Französischen wird das nicht anders sein. Wir benötigen eine kulturell neutrale Sprache und da bietet sich Interlingua sehr gut an.

    Um einmal Interlingua zu lesen und zu hören hier ein link:
    http://www.interlingua.com/radio

    http://www.interlingua.com/

    (es lohnt sich da mal rein zu schauen)

    Um die Grammatik von Interlingua lernen und beherrschen zu können, genügt ein Wochenende. Für die meisten Vokabeln sind uns bereits vertraut, so dass das Lernen des Wortschatzes auch nicht so schwer ist. Man benötigt etwa zwei bis drei Monate um sich den Grundwortschatz anzueignen und schon kann man Interlingua anwenden.

    Ein weiterer großer Vorteil von Interlingua, ist dass die Kenntnis von Interlingua sehr hilfreich ist romanische Sprachen zu lernen. Auch das ist bei Esperanto nicht so der Fall. Umgekehrt ist es aber auch für Muttersprachler der romanischen Sprachen eine Hilfe und gute Vorbereitung nicht-romanische Sprachen, wie das Englische zu lernen, da die Grammatik von Interlingua mehr oder weniger nicht-romanisch ist. So gibt es z.B. nur ein Präteritum und nicht so wie im Spanischen Imperfecto und Preterito indefinido.

    Es geht nicht darum, dass nun alle Europäer ihr Bier auf Interlingua bestellen müssen. Interlingua wäre nur eine Lingua Academica / Lingua Juristica, so, wie damals das Lateinische in Österreich-Ungarn angewandt wurde.

  • #11

    enrico (Mittwoch, 04 Januar 2017 15:59)

    Kleine Ergänzung:
    Wenn es nach mir ginge (tut es aber leider nicht) wäre mir eine “Europäische Eidgenossenschaft” am liebsten. Ein Europa der weitestgehend selbstständigen Kantone, in Grenzen wie die Regionen des Vorschlags von Alfred Heineken, allerdings ohne England:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Heinekenwesseling.jpg

    Und mit einer Verfassung aufgebaut auf die der Schweiz.
    Alle Gesetze die über die Kantone hinausgehen, hätten dann eine Urfassung in der gemeinsamen Sprache “Lingua Academica de Europa” welche auf Interlingua aufbaut ist und somit unser gemeinsames sprachliches Erbe wiederbelebt.

    Eine Confederation Europee, mit folgender Flagge:
    Wie die Flagge der Schweiz, nur mit blauem Hintergrund und goldenem, symmetrischem (!) Kreuz.
    Mit den gleichen Maßen ebenfalls quadratisch. (Das symmetrische Kreuz, wie das Schweizer-Kreuz ist kein explizit christliches Symbol und ist ein heraldisches Erbe des Heilgen Römischen Reiches Deutscher Nation.)
    Also nicht mehr mit den zwölf Sternen (Maria-Kranz), welche ja die zwölf Stämme Israels repräsentieren. Und: Bei einem Kreuz sieht man zumindest, dass es sich nicht um einen Halbmond handelt.

    Salutationes amical, enrico

  • #12

    Interlingua (Montag, 09 Januar 2017 21:04)

    Nur eine kurze Anmerkung und der Verweis auf den Wikipedia-Artikel über Interlingua: https://de.wikipedia.org/wiki/Interlingua

    Interlingua, oder das moderne Latein, kann zur Europäischen Identität beitragen!