Die Abtreibungs-Zyniker

 

Nach dem § 96 des österreichischen Strafgesetzbuches (StGB) ist der Schwangerschaftsabbruch mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen, wenn er gewerbsmäßig durchgeführt wird. Nach dem Folgeparagraphen § 97 des StGB bleibt der Abbruch jedoch straffrei, wenn er innerhalb der ersten drei Monate nach dem Beginn der Schwangerschaft von einem Arzt durchgeführt wird. Diese Gesetzeskonstruktion nennt sich Fristenregelung und existiert in dieser Form seit 1975.

 

Ein wilder Kampf

Der zugehörigen parlamentarischen Abstimmung und der Gesetzeswerdung gingen in der Zeit davor heftige Konflikte und lange Debatten voraus. Der damalige Bundeskanzler Kreisky versprach ein Paket an begleitenden Maßnahmen für werdende Mütter, um die Situation zu entschärfen. Diese Maßnahmen sind allerdings bis heute nicht umgesetzt worden. Im Wesentlichen geht es bei diesem Paket um flächendeckende Familienberatung, finanzielle Hilfe für junge Mütter und Erleichterung der Freigabe zur Adoption.

 

Abtreibung als Menschenrecht?

Diese Maßnahmen fehlen, dafür wird seither von verschiedenen Lobbies versucht, die Abtreibung zu verharmlosen und als relativ simplen medizinischen Eingriff darzustellen, zu dem alle Frauen problemlos und günstig Zugang haben sollen. Es gibt sogar EU-weite Bestrebungen, ein "Recht auf Abtreibung" als Menschenrecht zu installieren. Entsprechende und parlamentarisch abgestimmte offizielle Stellungnahmen von EU-Politikern sind im Noichl - und im Tarabela-Report nachzulesen. 

 

Wir haben keine Zahlen

Fast alle EU-Staaten haben anonymisierte offizielle Statistiken zum Schwangerschaftsabbruch, Österreich hat diese nicht. Bei uns gibt es nur Schätzungen, die sich auf 30.000 bis 60.000 Abtreibungen pro Jahr belaufen. (Im Vergleich: Deutschland hat ca. 100.000 statistisch erfasste Abbrüche pro Jahr. Österreich ist also vermutlich der Europameister im Abtreibungsgeschäft, denn hochgerechnet auf die deutschen Zahlen dürften wir nur ca. 10.000 Fälle pro Jahr haben)

 

Die Verdrängung ist österreichisch

Bei uns ist man seitens der Regierung der Meinung, eine valide Statistik würde "Frauen unter Druck setzen und eine Diskriminierung darstellen". (Zitat Minister Stöger, SPÖ). Anders gesagt: In Österreich lebt es sich mit der Verdrängung am besten und man will von den dunklen Seiten immer möglichst wenig wissen. Nicht umsonst war Sigmund Freud ein Landsmann.

 

Ein Museum und seine Aktionen

Wir haben also keine Statistiken und kein Maßnahmenpaket, um ungewollt Schwangeren zu helfen. Dafür haben wir aber ein Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, das immer wieder Aktivitäten setzt, um die angebliche Harmlosigkeit der Abtreibung öffentlich zu transportieren. Die Aktionen des Museums sollen mithelfen, die "Stigmatisierung und Kriminalisierung von Frauen" zu entkräften. Betrieben wird dieses Museum von einem Arzt, der hauptberuflich von Abtreibungen lebt.

 

Ein merkwürdiger Wettbewerb

Soeben ist dort wieder eine schon fleißig über das Internet publizierte Werbeaktion angelaufen: Das nämliche Museum hat einen Fotowettbewerb mit dem Titel "Pressefoto Schwangerschaftsabbruch" ausgeschrieben und für das beste Foto einen Preis von 700.- Euro ausgesetzt. Zweck der Initiative ist es wie immer bei diesen Aktionen, in "sachlicher Weise zur Entstigmatisierung der Abtreibung beizutragen" (Originalzitat). Wer glaubt, dass es sich dabei um eine Werbeaktion für einen Arzt handelt, dessen Geschäft die Abtreibung ist, irrt sich natürlich gewaltig. Man will ja nur helfen.

 

Der Zynismus regiert

Der offizielle Umgang mit der Abtreibung ist bedrückend. Wir erleben hier ein ungeheuer zynisches und lebensverachtendes Setting, das von der linksideologisch ausgerichteten Politik nicht nur geduldet, sondern auch gewünscht wird. Euphemistisch wird jegliche Apologie der Abtreibung über die "Rechte der Frau auf ihre reproduktive Gesundheit" transportiert - als ob eine Schwangerschaft eine Unterleibserkrankung wäre, deren terminale Behandlung im Bedarfsfalle ganz normal ist. Folgerichtig ist der Schwangerschaftsabbruch natürlich auch ein Teil der Frauen-HEIL-Kunde.

 

Der Embryo interessiert niemanden

Die Rechte und der Status des völlig wehrlosen embryonalen Menschenwesens interessieren dabei niemand. Gerade diejenigen, die ständig von der Menschenwürde und der Humanität fabulieren, sind die offenen Vertreter einer dem werdenden Leben gegenüber grundsätzlich verächtlichen, zumindest aber ignoranten Haltung.

 

Nur ein Zellhaufen?

Leben wird in seiner Anfangsphase von diesen Leuten als Zellhaufen oder Schleimbatzen gesehen, an den man eigentlich nicht viel Gedanken verschwenden sollte, wenn die Schwangerschaft ungelegen kommt. Ein werdendes Leben, das einem nicht passt, kann man daher getrost wegmachen und das Nachdenken oder eine lebensbejahende Beratung suchen schadet da nur. 

 

Abtreibung als Verhütung

Diese Botschaften sind fatal und entspringen einer Geisteshaltung, die dem Leben an sich mit willkürlichen und an den Haaren herbeigezerrten Argumenten begegnet. Die Abtreibung ist auf diese Weise schon zu einer Art von notfallmäßiger Verhütung geworden, die man halt in Kauf nimmt, wenn "etwas passiert ist". An der Grundtatsache, dass menschliches Leben mit der Befruchtung beginnt, ändert das aber nichts.

 

Weg von der Relativierung, her mit dem Paket

Wir brauchen weder eine Verharmlosung des Abbruches noch eine Rückkehr in die Zeiten vor 1974. Die Fristenregelung ist bestehendes Gesetz und soll das bleiben. Was aber dringend not tut, ist die Umsetzung des seit 40 Jahre ausständigen "Maßnahmenpakets". Und vor allem ist es angebracht, den nicht zu relativierenden Wert des Lebens per se immer wieder anzusprechen und vor den diversen postfeministischen und geschäftsorientierten Interessen, die oft in Form eines kruden Aktionismus daherkommen, nicht zu verstummen. Das zu thematisieren sollte die Aufgabe einer ethisch gefestigten Politik sein.

 

 

 

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Wilhelm Scheidl (Donnerstag, 16 Februar 2017 11:12)

    Die Politik hat auch in dieser Frage total versagt. Das ist nicht verwunderlich, da man sich mit einer wertkonservativen Haltung kaum Wählerstimmen kaufen kann.

    Vom politischen Establishment sind keine Änderungen zu erwarten. Hier sind Demagogen am Werk. Aber wo bleibt der Aufschrei der Moralapostel, der Kirchenvertreter, der NGOs? Sie hüllen sich in Schweigen oder sind sehr leise geworden.

    "Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert.
    Ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt." (Martin Morlock, 1977). So könnte man unsere Politik auch umschreiben.

    Der bekennende und praktizierende Christ Roland Baader (1940 - 2012) dazu:
    "Unsere Leben beginnen an dem Tag zu enden, an dem wir über Dinge schweigen, die wichtig sind.
    Unsere Generation wird eines Tages nicht nur die ätzenden Worte und schlimmen Taten der schlechten Menschen zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der guten."

  • #2

    Hartmut Pilch (Donnerstag, 16 Februar 2017 11:20)

    Wer mit unveräußerlichen Menschenrechten und den darauf aufgebauten neueren Glaubenssätzen argumentiert, kann nur gegen Abtreibung sein und den Weltstaat dafür in Anspruch nehmen, dass er für das Glück der Embryonen gerade zu stehen und ihnen ein chancengleiches Leben zu gewährleisten habe. Hier widersprechen sich die bunten IdeologInnen selber. Andererseits lehne ich ihre Prämissen ohnehin ab. Es ist schon ein Dilemma, dass mit der Erlaubnis zur Abtreibung die Gültigkeit des Tötungsverbotes und -tabus geschwächt wird. Andererseits machen wir die Welt nicht besser, wenn wir in die Belange der werdenden Mütter regulierend eingreifen. Sie sollen selber schauen, ob sie eine familienartige Umgebung für ihren Nachwuchs oder vielleicht Adoptiveltern finden können oder das werdende Kind lieber töten, was auch für die werdende Mutter Strafe genug ist. Es bringt nichts, wenn wir sie dazu drängen, den Staat zu heiraten.

  • #3

    Josef Aufreiter (Donnerstag, 16 Februar 2017 18:40)

    Ein Recht, ob es nun das Recht auf Eigentum, auf Ehre oder das allem zugrunde liegende Recht auf Leben ist, bedarf in dieser gefallenen Welt einer Strafsanktion, um geschützt zu sein. Ein bloßes Verbot, wie wir es derzeit mit unserer "Fristenlösung" haben, schützt das Leben nicht. Das geforderte "Maßnahmenpaket" allein wird dem Töten der ungeborenen Kinder kein Ende setzen.

  • #4

    Lilith (Sonntag, 19 Februar 2017 17:55)

    Es liegt allein in der Verantwortung der Frauen ob sie ein Kind gebären, oder eine Abtreibung wollen.
    In großer Mehrheit sind es die Frauen welche die Verantwortung für ein geborenes Kind tragen und für eine Abtreibung ganz allein.
    Männerinteressen sind hier fehl am Platz.
    Zitat: Hunger und Armut haben längst katastrophale Ausmaße erreicht.
    Im Jahr 1983 starben auf der Welt elf Millionen Babys vor Vollendung ihres ersten Lebensjahres".Zitat Ende. Daran wird sich wenig geändert haben.
    Geborenes Leben schützen. Da gibt es noch viel zu tun.

  • #5

    mike (Montag, 20 Februar 2017 15:06)

    http://citizengo.org/de/lf/41005-solidaritaet-mit-thomas-boerner-und-markus-froehling-gegen-die-kultur-des-todes-den-capio

    spricht Bände dass es so weit gekommen ist...