Das Geld anderer Leute

 

Die österreichischen Gebietskrankenkassen brüsteten sich dieser Tage mit einem sogenannten Gebarungsüberschuss von insgesamt 81 Millionen Euro. Die Kassen sind im Plus, so tönte es danach unreflektiert (oder gezielt halb-informativ?) in den Medien. Auf den ersten Blick möchte man natürlich meinen, dass so ein Überschuss erfreulich ist. Aber: Das ist er nicht. Zum Freuen wäre er nämlich nur, wenn die Kassen profitorientierte Unternehmen wären und jemand einen direkten Nutzen von dem gefeierten Überschuss hätte - nämlich in Form eines Gewinns.

 

Kein Grund zum Feiern

So aber ist der Überschuss nicht nur kein Grund zum Feiern, sondern vor allem ein Grund für gesundes Misstrauen. Und damit ein Grund, genau nachzufragen, wie der Überschuss denn eigentlich zustande gekommen ist. Das Geld der Kassen kommt ja von den Bürgern und wird von den Krankenversicherungen nicht durch irgendwelche großartigen Wirtschaftsleistungen generiert. Und dieses Geld soll ausschließlich der Gesundheitsversorgung dienen - wozu also Überschüsse? Wer bekommt die und warum werden die nicht sofort für die Kranken verwendet? 

 

Das Bismarck-System braucht Arbeitsverhältnisse

Kurz zum Grundsätzlichen: Die hiesigen Krankenversicherungen sind sogenannte Bismarck-Systeme. Darunter versteht man beitragsfinanzierte Berufsgruppenversicherungen, die immer von der Zahl der Berufstätigen und also in Arbeit befindlichen Leute abhängig sind. Wer arbeitet, muss einzahlen, so will es das Gesetz. In Zeiten mit hoher Arbeitslosigkeit (und die haben wir seit langem) und einer damit verbundenen Zunahme der nichtarbeitenden Bevölkerung sinken die Beitragsvolumina naturgemäß ab. 

 

Deckelungen helfen sparen - zulasten der Patienten

Woher kommt also das viele Geld? Werden uns mit dem Gerede vom Überschuss vielleicht gar klassische FakeNews angedreht? Nach Adam Riese kann Geld ja nur übrig bleiben, wenn man entweder fleißig spart und/oder weniger ausgibt als man einnimmt. Und genau da liegt die Crux: Die Kassen haben die gesetzlich festgelegte Aufgabe, zu sparen und die Ausgaben zu drosseln.

 

Die Sparwut regiert

Diesen Auftrag erfüllen sie über Gebühr. Was längst nicht alle Bürger und nicht alle Kranken wissen: Medizinische Leistungen sind deswegen schon lange rationiert und gedeckelt. Nicht (nur) der Arzt entscheidet, was der Patient bekommt, sondern immer mehr der Geldverwalter namens Kasse.

 

Einsparungen auf Kosten der Ärzte

Eine große Zahl von Kassenleistungen, die beim Arzt erbracht werden, fallen bereits unter diese Deckelung und dürfen nur bis zu einer gewissen Anzahl erbracht werden. Die meisten Ärzte mit Kassenvertrag erbringen daher zwangsläufig und ständig viele Leistungen gratis, weil man ja nicht um jede einzelne zusätzlich notwendige Untersuchung mit den Kassen feilschen und diverse Sonderbewilligungen einholen kann.

 

Absurde Situationen

Ein Beispiel reicht, um die Absurdität und den Zynismus der Situation aufzuzeigen: Frauenärzten wird nur in 5% der Fälle das sogenannte Beratungsgespräch für Jugendliche und junge Frauen bis zum 18. Lebensjahr honoriert.  Sie erhalten dafür pro Fall knapp 13.- Euro brutto. Gerade in Bereichen, die besonders sensibel sind, spart die Kasse also auf Teufel komm raus. 

 

Chefärzte rationieren und lehnen ab

Die Kassen können auch durch die Chefarzt-Pflicht teure Medikamente oder spezielle Untersuchungen einfach ablehnen, selbst wenn sie indiziert und notwendig sind. Sobald es eine Alternative gibt, die günstiger ist, kann das Medikament X vom Chefarzt abgelehnt werden, obwohl nach Meinung des Behandlers das Medikament Y dem Patienten mehr helfen könnte.

 

Keine offiziellen Zahlen

Wie oft pharmazeutische Produkte oder medizinische Leistungen nicht bezahlt werden, ist weder den Beitragszahlern noch den Ärzten genau bekannt. Das ist ein schweres Manko im System. Es wäre eine Mindestanforderung an die Fairness dem Pflichtbeitragszahler gegenüber, dass die Kassen diese Zahlen veröffentlichen müssen und nicht nur von Überschüssen schwärmen dürfen, die sie zu einem Großteil über Deckelungen und Ablehnungen erzielen.

 

Wahlärzte ersparen dem System Millionen

Überdies werden immer mehr ärztliche Leistungen im Wahlarztbereich erbracht und die Rückerstattungsmoral bei den Kassen ist hier nicht die allerbeste. Obwohl sich die Versicherungen durch die Verweigerung von Erstattungen (oder auch durch resignativ nicht eingereichte Honorarnoten)  jedes Jahr Millionen ersparen, gibt es hierzu keine öffentlichen Daten. Fix ist nur, dass auch die Wahlarzt-Patienten ihre Pflichtbeiträge an die Kassen abliefern müssen und danach die Kassen so tun, als wäre es ihr eigenes, selbst erwirtschaftetes Geld.

 

Alles offenlegen!

Zu fordern ist, dass die genannten, in der Öffentlichkeit gänzlich unbekannten Zahlen genauso veröffentlicht werden müssen wie die Überschüsse. Das steht den Bürgern ganz einfach zu - denn es ist ihr Geld und ihre Gesundheit, um die es hier geht. 

 

 

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Wilhelm Scheidl (Samstag, 18 Februar 2017 12:25)

    Überall dort, wo es keinen freien Wettbewerb gibt, wo also ein Monopolist tätig ist und über Zwangsbeiträge finanziert lässt, dazu zählen auch alle Arten von Steuern, sind diese Mißstände schon im System angelegt. Das sehen wir nicht nur bei den Krankenkassen sondern auch etwa bei den Pensionen und im Bildungsbereich.

    Die meisten Leute haben keine Vorstellung darüber, wie viel sie sich ersparen würden, wenn sich der Staat aus all diesen Bereichen zurückzöge. Der ganze Verwaltungsapparat ist zum Bersten aufgebläht. Das nennt man dann Arbeitsplatzbeschaffung, in Wahrheit ist das eine hochgradige Verschwendungspolitik, die von den immer weniger werdenden Leistungsträgern bezahlt werden muss. Das aufzuzeigen wäre die eigentliche Aufgabe der Oppositionspolitik, die, aus mir unverständlichen Gründen, ebenfalls an Aufklärung kein Interesse hat.

    Es wäre zumindest einen Versuch wert, es einmal mit der Wahrheit zu probieren, anstatt immer nur auf Wählerstimmen zu schielen. Das Alleinstellungsmerkmal wäre uns sicher.

    Sollten sich jemals Leute zusammenfinden, die die so wichtige Aufklärungsarbeit in den Mittelpunkt ihrer Agenda stellen wollen, bin ich gerne bereit mitzuwirken.

  • #2

    FD Günther Koller (Samstag, 18 Februar 2017 20:37)

    Es gibt 19 Zwangs-Krankenversicherer.
    Sie alle kassieren nahezu idente Versicherungsbeiträge, leisten jedoch unterschiedlich.
    Den Gebietskrankenkassen wird dabei die Last der Versicherung von Arbeitslosen auferlegt - also beitragsfreie Leistungspflicht.

    Der schnellste und effektivste Weg aus dem Dilemma wäre der Umstieg zur Versicherungspflicht. Was bedeutet, dass jeder Versicherte die Wahl bekommt, seinen Versicherer aus einen der 19 bestehenden Krankenversicherer frei wählen kann.
    Die Leistungen der Versicherer müssen den Mindeststandard wie bestehend weiterhin gesetzlich verankert sein - ähhnlich der KFZ-Haftpflichtversicherung.
    Die schwächeren Versicherungen werden in die Situation kommen,mit anderen zu fusionieren, oder schliessen.
    Ist dann einmal die Anzahl von 10-15 Anbietern erreicht, können weitere Lizenzen für private Versicherer vergeben werden.
    Diese Art Wettbewerb wird langfristzig und nachhaltig die Versicherungsprämien senken lassen, oder das Angebot verbessern. Denn Wettbewerb erreiht dies immer. Ist ja bei den KFZ-Versicherern auch so, dass bei fallenden Prämien die Leistung steigt. #nicht?
    #denkdichfrei #FREIE

    @Wilhelm Scheidl: Ihr Anliegen ist unsere Agenda und können jede Unterstützung annehmen.

  • #3

    jo br (Sonntag, 19 Februar 2017 10:49)

    .... es müssen nicht gerade 19 versicherer sein. das problem liegt woanders: die beitragsbemessungsgrenze zur sozialversicherung ermöglicht es, dass die höheren einkommensbezieher sich ausklinken von den ganzen lasten; sie zahlen nur einen teil davon. richtigerweise darf es nur eine pflichtkasse (mit mehreren anbietern!!) geben, in der alle bürger ausnahmslos und ohne beitragsbeschränkung inclusive vom leistungslosen geldeinkommen, einen prozentanteil, einzahlen müssen. alleine die höchsteinkommensbezieher würden dann dafür sorgen, dass die gelder richtig verwendet werden. aktuelles system ist eine gesellschaftsspaltung, wo die reicheren profitieren und die unteren entweder nicht merken, oder zumindest sich nicht wehren. aktuelles system ist ein ausbeutesystem, gegen die untere masse

  • #4

    asisi1 (Sonntag, 19 Februar 2017 11:09)

    ich war in Deutschland 40 jahre selbstständiger masseur. was hier in diesen jahren mit den Krankenversicherungen, Ärzteschaft, pharmalobby und in Verbrüderung mit den Politikern geschehen ist, ist betrug in höchster Potenz. dagegen ist die mafia ein kindergarten.
    der betrug fand auf allen ebenen statt. auch wurden die einfachen, natürlichen Behandlungsmethoden , zum wohle der pharma , abgeschafft. die menschen wurden immer mehr mit pillen vergiftet. dazu kommen vollkommen unsinnig Behandlungen durch die Ärzteschaft.75% der Operationen sind vollkommen überflüssig, dadurch wird aber eine menge geld, auch an den Folgekosten, verdient. der mensch wird von diesem system krank gemacht und krank gehalten.

  • #5

    Wilhelm Scheidl (Sonntag, 19 Februar 2017 12:00)

    Danke asisi1 für Ihre gute Zusammenfassung. Damit haben sie das Wichtigste festgehalten.

    Die Höhe und Größe des volkswirtschaftlichen Schadens, den die Politik angerichtet hat, ist unglaublich. Denn die Pharma-Industrie und Lobbyisten kommen nur dann zum Erfolg, wenn die Politik mitspielt. Daher muss dort angesetzt werden. Die Kernfrage ist: Welche Aufgaben hat ein Staat und damit die Politik zu erfüllen und welche Bereiche können dem freien Markt überlassen werden.

  • #6

    Martin H. (Dienstag, 21 Februar 2017 12:36)

    Die Leistungen werden immer weniger, aber die Beiträge steigen. Wenn dieses Sozialsystem nicht haltbar ist, dann weg damit. Ich zahl mir meine Aufwendungen selbst.