Ärzte als Lakaien

 

Der ideologische und zeitgeistig verbrämte Trend ist unübersehbar: Ärzte sollen nicht mehr Ärzte, sondern nur noch Mediziner sein. Als medizinische Dienstleister sollen sie die Service-Agenda, die ihnen von selbsternannten Gesundheitsexperten und diversen nichtärztlichen Gesundheitspolitikern aufgetragen wird, brav und willig erfüllen. 

 

Kein Ort der Vertraulichkeit mehr

Der Arzt als die Person des Vertrauens, die Ordination als ein Ort der absoluten Vertraulichkeit und das Spital als eine grundsätzlich wohlwollende Institution, die man ohne Angst vor technokratischer Vergewaltigung und trotz Krankheit in optimistischer Stimmung aufsuchen kann, werden bald nur noch nostalgischen Wert haben. Ein Paradigmenwechsel bahnt sich an.

 

Die Rede von der Zuwendung wird zur Farce

Es geht längst nicht mehr darum, im Falle des Falles einen möglichst erfahrenen, zuhörenden und empathischen Arzt zu haben, der sich um das Individuum kümmert und seine Autorität als medizinisch verantwortlicher Ratgeber einbringt. Das ist altmodisch und wird von den zahlenfixierten Ökonomen und politisch gelenkten Managern nur noch müde belächelt.

 

Die Fabel vom Leitbild

Man fabuliert zwar in den politischen wie betrieblichen Führungsetagen von diversen, am Humanismus orientierten Leitbildern und man erzählt uns ständig die Story von der Menschlichkeit in der Medizin und der guten Versorgung, aber die medizinische Realität besteht nur mehr aus Ziffern und Leistungskennzahlen, aus Ökonomie-Standards und Rationierungen.

 

Das Gespräch wird kaum bezahlt

Die vielzitierte "Zuwendung" und die Zeit für das persönliche Gespräch sind im öffentlichen System übrigens die vergleichsweise am schlechtesten honorierten medizinischen Leistungen. Das ist bezeichnend für die technokratische und bürokratische Umwälzung in der Medizin.

 

Der Zynismus regiert

Der Zynismus hat sich an die Oberfläche gewühlt und zeigt dort seine hässliche Fratze. Ein einziges Beispiel reicht: Im aktuellen Regierungsprogramm wurde 2013 festgehalten, dass ein wichtiges Ziel der Gesundheitspolitik die Stärkung des Hausarztes sei. In der Realität passiert das genaue Gegenteil: Seine Demontage. Überall, wo man hinschaut, soll das Bild des klassischen Arztes zerstört werden.

 

Die Euphemismen werden grotesk

Man ergeht sich bei diesem destruktiven Wirken natürlich in wohlklingenden Euphemismen und spricht von der Errichtung von Versorgungszentren (PHC), die nun im neuen Gesetzesentwurf Erstversorgungszentren heissen (EVZ). Man redet von Teamwork zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und von Zusammenarbeit "auf Augenhöhe" - in Wirklichkeit geht es aber nur um Nivellierung und die Einbettung des Arztes in medizinisch-pflegerische, politisch steuerbare Dienstleistungsbetriebe. Der freie Arzt ist linken Ideologen ein Gräuel, er muss daher abgeschafft werden.

 

Die Ärzte wandern ab

Vergessen wird bei all diesen Anti-Ärzte-Kampagnen, dass das Frustrationspotenzial der österreichischen Ärzte schon enorm hoch ist und der Weg ins Ausland von vielen bereits beschritten wird. Anders gesagt: Die Ärzte emigrieren und suchen sich Länder mit ärztefreundlichem Klima. Über 3000 Österreicher arbeiten schon in deutschen Kliniken. Allein diese Zahl müsste die nur in Lobby-Interessen und Kostendämpfungs-Fantasien denkenden Verantwortlichen in Sozialversicherung und Gesundheitsministerium wachrütteln. Nur: es geschieht seitens der Regierung absolut nichts, die immer größer werdende Misere zu beheben.

 

Wer die Ärzte nicht respektiert...

Das ist weder im Sinne der Ärzte noch im Interesse der österreichischen Patienten. Wer die Ärzteschaft nicht respektiert, hat letztlich auch keine Achtung vor den Kranken. Wenn der Arzt nur noch als disponibler Kostenfaktor und reiner Dienstleister gesehen wird - wie viel ist dem monströs gewordenen System dann der Patient noch wert?

 

Wo bleiben Respekt, Anstand und Achtung?

Dabei wäre es prinzipiell ganz einfach: Keine Berufsgruppe hat es gerne, wenn sie auf Dauer von der Politik übergangen und von ihr teilweise sogar verhöhnt wird. Es geht auch in der Politik letztlich immer um Respekt, Anstand und Achtung. Und die Ärzte wollen angesichts einer 12-15 Jahre dauernden intensiven und anstrengende Ausbildung mit danach objektiv höchstem Verantwortungsgrad nicht zu medizinischen Laufburschen und Lakaien degradiert werden, die in der Knechtschaft der Politik ihre hohe Expertise ausüben sollen. Auf Zuruf agieren, sich von anderen permanent dreinreden und die Welt erklären lassen, dafür aber am Ende die gesamte Verantwortung für den Patienten tragen müssen - das kann so nicht funktionieren.

 

Raus mit der Partei-Politik

Wir brauchen ein Moratorium: Die Politik muss sich zurückziehen und soll nur die demokratisch entwickelten Rahmenbedingungen festlegen. Die Ärzteschaft hingegen will, kann  und muss die Führung in jeder Gesundheitsreform und in jedem Gesundheitswesen übernehmen. Das ist nur recht und billig, denn es steht den Patienten zu, dass die bestausgebildeten Profis für sie auf ganzer Linie ihre hochqualitative Arbeit machen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Josef Mayerhofer (Montag, 20 Februar 2017 14:30)

    Es ist seit jeher der erklärte Wille der Sozialisten, alles Zentral zu regeln (und damit alles kontrollieren zu können). Bei der Gesamtschule hat man da schon gewisse Fortschritte erzielt. Jetzt geht es den Ärzten - und damit uns - an den Kragen.

    Ich schauere beim Gedanken, meinen Hausarzt aufgeben zu müssen und bei jedem Besuch im PHC oder EVZ einem neuen Gesundheitsandroiden gegenüberzusitzen und immer wieder meine Beschwerden aufs Neue zu erzählen.

  • #2

    Wilhelm Scheidl (Montag, 20 Februar 2017 21:45)

    Es geht in der gesamten Politik nur um Macht. Das wäre dann kein Problem, wenn man diese zum Wohle des Volkes einsetzte. Stattdessen wird Macht dafür verwendet, das eigene Klientel auszuweiten und immer besser zu versorgen. So tickt der reale Mensch eben, von Ausnahmen abgesehen. Die Leistungsträger werden hinters Licht geführt und wie eine Zitrone ausgepresst. Selbiges macht man mit den so wichtigen Hausärzten, die man immer stärker unter Druck bringt und wegrationalisieren möchte. Sie handeln zu individuell. Das gefällt den Sozialisten überhaupt nicht. Alles muss standardisiert und auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.