Nachtrag zum Frauentag

 

Die unterschiedlichen Einkommens- , Lohn- und Verdienstsituationen von Mann und Frau sind ein Dauerthema im "Geschlechterkampf". Die angeblichen und die wirklichen Unterschiede beschäftigen Statistik-Institute, Medien, Parteien, Feminismus-Lobbies und vor allem all jene Leute, die an Gerechtigkeit interessiert sind.  Leider wird aber mit kaum einer anderen ökonomischen Kennziffer soviel Schindluder getrieben wie mit dem sogenannten GenderPayGap.

 

Die Frau Minister versucht den Populismus

So ergriff auch Pamela Rendi-Wagner, die neue Ministerin für Gesundheit und Frauen am ersten Tag ihrer Amtszeit zu diesem Thema das Wort und meinte, die zwischen Mann und Frau herrschende Lohnschere von 20% müsse man bekämpfen. Diese Aussage ist nicht nur populistisch, sondern sie ist auch sachlich falsch. Es gibt bei korrekter Berechnung keinen Unterschied von 20%.

 

Genau berechnen

Der objektivierbare GenderPayGap liegt bei 3,5% (häufig)  bis maximal 11% (selten). Die ständig transportierten 20% und mehr resultieren aus unseriösen Berechnungen, die alle Einkommens- und Verdienstsituationen in einen Topf werfen.

 

Ständige Verwechslungen

Immer wieder passiert bei diesen Mann-Frau-Vergleichen nämlich die Verwechslung von Entlohnung, Verdienst und Einkommen. Dieser "absichtliche" oder echte Irrtum ist fatal: Wenn man nämlich die Dinge ungenau (bis falsch ) bezeichnet, wie soll es dann jemals einen Fortschritt in Richtung „Gerechtigkeit“ geben? Das kann so nicht funktionieren, weil man diese Gerechtigkeit auf dem Treibsand tendenziöser Meinungen aufbauen würde. Man muss sich daher die Fakten zunächst einmal genau ansehen, bevor man mitredet.

  • Entlohnung: bezieht sich auf die geleistete(n) Arbeitseinheit(en)
  • Verdienst: ist das, was die beschäftigte Person aus dem Beschäftigungsverhältnis erzielt
  • Einkommen: ist das, was der beschäftigten Person nach Abzug ihrer Aufwendungen für die Arbeit verbleibt.

Saubere Vergleiche sind nötig

Ein Vergleich der Unterschiede in Hinsicht auf die ersten beiden Begriffe ist nicht auf die Person bezogen, sondern rein auf den Arbeitsplatz. Wenn die Frauen „weniger verdienen“, muss man sich die Verdienste auf den vergleichbaren Arbeitsplätzen ansehen.  Wenn die Frauen weniger Einkommen haben, kann das zunächst einmal auch mit Unterschieden bei den Verdiensten zu erklären sein. Darüber hinaus (und sicher primär) ergeben sich die Einkommensunterschiede aber aus unterschiedlicher Verteilung der  persönlichen Umstände (Beruf, Branche, Region, Arbeitszeit, Arbeitsvertrag...).

 

Aus der genauen Kenntnis dieser Gegebenheiten würde eine wichtige Unterscheidung für die Frauen-Politik folgen:

 

Verdienst

Gleicher Verdienst für gleiche Arbeit muss sein: Im gleichen Beruf, in der gleichen Branche, im gleichen Alter mit denselben Dienstjahren usw.  Das müsste eigentlich via gleichheitsbestimmter Kollektivverträge ohnehin überall der Fall sein, die Sozialpartner können und sollen das bitte durchforsten. Soweit bekannt, existiert aber in Österreich kein Kollektivvertrag mit geschlechtsspezifischen Unterschieden.

 

Einkommen

Gleiches Einkommen für Mann und Frau erfordert gleiche Ausbildung in Schule und Beruf – ein Fernziel, wenn überhaupt machbar. Falls das letzten Endes aus den unterschiedlichen und auch biologisch bedingten Lebensumständen heraus nicht zu 100% funktioniert, muss wohl der Staat einspringen. Den Ausgleich der gegebenen Unterschiede zwischen Mann und Frau den Unternehmern aufzubürden ist absolut unangebracht und würde zu Nachteilen ganz anderer Art führen.

 

Zentrales Thema Mutterschaft

Damit kommen wir unweigerlich zur Mutterschaft. Diese spielt die größte Rolle in der Entstehung von Unterschieden am Arbeitsplatz. Man wird diese genuinen Unterschiede zwischen Vater und Mutter bzw. zwischen Mann und Frau auch nicht mit politischen Maßnahmen wie Väterkarenz, mehr Betreuungsplätzen, Vermehrung von Tagesmüttern etc. ausgleichen können, weil die familiären Interessen einerseits zu vielfältig sind, andererseits aber die Mehrzahl der Mütter berechtigterweise gerne so lang wie möglich bei den Kindern bleibt.

 

Zuhause bleiben ist gut

Verschiedenste Studien aus verschiedensten Ländern sowie die Empirie zeigen, dass in den ersten Lebensjahren eine enge Mutter-Kind-Situation das Beste für den Nachwuchs ist. Es ist also zu befürworten, dass vor allem die Mütter zu Hause bleiben und nicht die Väter. 

 

 

Ausgleichsmöglichkeiten

Um die Nachteile, die dadurch für berufstätige Mütter entstehen, ausgleichen zu können, gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann die Mütter mit höheren Pensionen ausstatten oder über ein Müttergehalt nachdenken. Man kann fordern, dass Kinderlose (Männer wie Frauen) in einen Fonds einzahlen, der durch Karenz- und Mutterschaftszeiten entstehende Einkommensausfälle ausgleicht.

 

Es ist Fairness, keine Strafe

Das wäre nur fair und sinnvoll, weil Kinderlose ja immer von den Kindern anderer Leute profitieren, wenn diese einmal erwachsen und im Berufsleben integriert sind. Solche Maßnahmen mit "Strafsteuer" zu bezeichnen ist daher Unsinn, weil die Kinderlosen ja etwas davon haben und gleichzeitig in der Zeit ihrer Berufstätigkeit mehr Spielraum für ihre Karrierewünsche besitzen. 

 

Populismus ist obsolet

Was jedenfalls ganz und gar nicht sinnvoll ist, sind populistische Forderungen, die mit falschen Zahlen operieren und nur das Ressentiment in der Bevölkerung fördern. Einen GenderPayGap herbeizureden, den es in der kolportierten Form gar nicht gibt, ist unlauter und schadet am Ende den Frauen und ihren Anliegen - weil man auf unwahren Angaben keine wirksamen Strategien entwicklen kann. So gesehen hat die neue Frau Minister ihren Einstand ordentlich vergeigt. Wenn sie klug ist (und das ist sie), stellt sie das bei nächster Gelegenheit klar.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Martin H. (Donnerstag, 09 März 2017 12:47)

    Ein weiterer Artikel, der den GenderPayGap widerlegt, bzw. zurechtrückt. Leider wird er nichts nützen, die Forderungen nach einer positiven Diskriminierung der Männer wird kommen.
    Ein Punkt fehlt dabei, die unterschiedliche Präferenz bei der Berufswahl.