Kommt die Abschaffung der Ärzte?

 

Die Medizin und die Ärzteschaft stehen unter schwerem Beschuss. Zeitgeisteskranke Ideologen und wild entschlossene Vertreter neuer Paradigmen haben ihre Geschütze in Stellung gebracht und wollen den Arzt aus seiner traditionellen Rolle als Vertreter und Könner der Heilkunst herausschiessen. 

 

Der Kampf ist eröffnet

Der martialische Vergleich ist nicht überzogen, denn es geht diesmal ums Ganze und ums Überleben: Die Ärzteschaft soll zur medizinischen Dienstleistungsgilde umfunktioniert und degradiert werden und das herkömmliche genuine Wesen des ärztlichen Handelns soll einer servilen Grundhaltung weichen, die dem Arzt gerade noch die Eigenschaften eines berufsmäßigen und gehorsamen Dienstboten zumisst, der für seine schwere  Arbeit auch noch Danke sagen soll. 

 

Den Berufsstand zerstören

Der Befehl aus dem Hauptquartier der Ärztefeinde lautet: Wo Ärzte waren, sollen Service-Leute werden. Die Freiheit des Berufsstandes, die eine unbedingte Voraussetzung jeder guten Medizin ist, wird unterminiert und die Stoßtrupps der Zerstörungswilligen bringen jeden Tag neue Sprengsätze an den Gebäuden der klassischen medizinischen Weltanschauung und des ärztlichen Ethos an.

 

Den Ärzten die Welt erklären

Hippokrates und sein Eid werden heute als Instrumente der Erpressung missbraucht. Wer nicht spurt und sich nicht unterwirft, der wird nach dem Eid gefragt: "Sie haben doch geschworen, den Menschen zu helfen? Und jetzt wollen Sie nicht mit uns diese schönen neuen, viel besseren Wege der Hilfe gehen? Der Best Point of Service und das Primärversorgungszentrum sind die Allheilmittel, akzeptieren Sie das endlich, wenn Sie wirklich Arzt sein wollen!" 

 

Die Hybris wächst

So oder so ähnlich reden diejenigen, die noch nie einem Patienten in Not begegnet sind, geschweige denn für diesen jemals die Verantwortung getragen haben. Dafür wird ihre Hybris immer größer. Die Nicht-Ärzte schwingen sich auf, und wollen den Ärzten vorschreiben, wie sie zu arbeiten haben. Die Technokraten dieser nur auf ökonomischen Zahlen beruhenden Neuen Medizin sitzen in ihren Tintenburgen und sinnieren den ganzen Tag über den terminalen Fangschuss nach und wie sie diesen am besten dem  Berufsstand "Arzt" beibringen können. Am grünen Tisch werden die sinistren Generalstabspläne gewälzt und die Stoßrichtungen festgelegt. Der Feind ist der freie Arzt und der muss endgültig besiegt werden.

 

Die Ärzte stören nur

Erstaunlicherweise oder besser, folgerichtig ist bei den diversen Planungen im Gesundheits- und Sozialministerium und im Hauptverband fast nie ein Arzt dabei, denn der würde ja nur stören. Realitätsbezogene Inputs im Sinne einer guten Versorgung - wer braucht denn die? Und Planen, das können doch beamtete Nicht-Ärzte viel besser.

 

Experten von außen

Man holt sich zwar gerne Nicht-Ärzte als Experten von außen und zahlt Millionen an verschiedenste Berater - aber die Ärzte und ihre Expertise für das Gesundheitssystem einsetzen? Um Gottes Willen, so weit kommt es noch,  nur ja keine Ärzte. Die sollen draussen in der Behandlungsebene bleiben. Die Versorgungsebene und die Systemebene, die gehören der Politik und der Gesundheitsökonomie.

 

Woanders ginge das niemals

Ähnlich "professionell" wäre es, würden etwa im Justizministerium die Hoch- und Tiefbau-Spezialisten die verschiedenen Anforderungen des Rechtssystems und die Agenda der Richterschaft entwerfen und festlegen. Die Baumeister wissen ja, wie man Gerichte baut. Daher können sie gleich die Rechtsgebäude auch bauen. Nichts gegen Bau-Profis, aber so ein absurdes Szenario wäre in anderen Bereichen undenkbar, das geht nur bei der Gesundheit.

 

Worthülsen prägen den Diskurs

Qualitätssicherung, Ökonomie, Augenhöhe, Effizienz, Zielsteuerung und andere unsägliche Worthülsen dienen den medizinfremden Damen und Herren als Vehikel für die Umsetzung ihrer Schönen Neuen Welt-Phantasien.  Die ELGA wirds schon richten und die Ärzte werden sich dann schon unter die Norm der Primärversorgung unterwerfen, so lautet die innere Hoffnung der Ärzte-Abschaffer. Wenn wir erst einmal alles unter EDV-Kontrolle haben und in jeder Ordination ein Mystery-Shopper sitzt, dann haben wir gesiegt! Man kann diese Gedanken förmlich in den Gesichtern der Ärztefeinde lesen. 

 

Sparen als Dogma

Ein wichtiger Teil des Schlachtplans ist die Sparwut. Man setzt eine paradoxe und geradezu absurde Prämisse namens "Sparen um jeden Preis" ein und delegiert die Umsetzung dieses Auftrags an Heerscharen von Gesundheitsökonomen und selbsternannten Spezialisten, die ständig Kostenrechnungen betreiben, "Effizienzpotenziale heben" und günstige Leistungen einkaufen sollen.

 

Der Arzt als Laufbursche

Was dabei mit den Patienten geschieht, ist den Planern völlig egal, denn "der Patient steht ja ohnehin im Mittelpunkt" (oder so). Und außerdem hat eh nur der Arzt die Verantwortung. Als eine Art medizinischer Laufbursch soll er den Vorgaben der Planer gerecht werden, immer und überall zu günstigsten Konditionen verfügbar und kontrollierbar sein und er soll im neuen Dienstleistungsgewerbe "Medizin" seine Erfahrung und sein Können den Ausbeutern zu den von ihnen diktierten Konditionen überlassen.

 

Der Backlash wird kommen

Doch die Technokraten haben die Rechnung ohne die Patienten gemacht. Und natürlich ohne die Ärzte. Die Abgehobenheit der Sozialversicherer, die völlige Patientenferne der Chef-Planer in den Ministerien wie im Hauptverband und ihre unendliche, oft auch unendlich dumme Arroganz wird ihnen in der Entscheidungsschlacht den Sieg kosten. Am Ende werden die Ärzte gemeinsam mit ihren Patienten den Kampf gewinnen und die Damen und Herren in den Planungsbüros werden den Marsch in die Wüste antreten müssen. Anders gesagt: Abgeschafft werden am Schluss die anderen, nicht die Ärzte. Wir Ärzte sind die Stärkeren, weil wir haben die Verantwortung - und wir Ärzte haben die Patienten.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    michael collins (Freitag, 17 März 2017 08:58)

    Offen gestanden, nach zweimaligem Lesen habe ich nicht verstanden. Was soll denn am Ärztestand geändert werden ?

  • #2

    Walter (Montag, 20 März 2017 06:57)

    Sieht aus wie eine gezielte Verminderung der Zahl der Renten und Pensionsempfaenger.