Abtreibung: Die Zahlen wissen wir nicht

 

Österreich ist das vorletzte Land der EU ohne anonyme Statistik über Abtreibungen. Wir wissen nicht, wie viele Abbrüche jedes Jahr bei uns durchgeführt werden. Wir wissen nicht, in welchen Regionen besonders viel abgetrieben wird und wir wissen kaum etwas über die Motive.

 

Über alles und jedes eine Statistik

Die Medizin ist zu allen möglichen Statistiken und Datenerfassungen verpflichtet: Wir haben Statistiken darüber, wie viele Zahnextraktionen stattfinden oder wie viele Abszesse pro Jahr operiert werden, aber wir wissen nichts darüber, wie oft Schwangerschaften willkürlich medizinisch beendet werden.

 

Land der Abtreibungen?

Wir bewegen uns in Schätzungen, die eine enorme Bandbreite besitzen: Man spricht von 30.000 bis 60.000 Abtreibungen jährlich. Deutschland hat längst eine anonyme Statistik, dort sind es 106.000 Abbrüche pro Jahr. Angesichts der Bevölkerungszahlen wäre also Österreich ein Land mit exzessiv vielen Abtreibungen, selbst wenn nur die gering geschätzte Zahl von 30.000 pro Jahr stimmt (Österreich: knapp 9 Mio Einwohner, Deutschland 80 Mio EW).

 

Frauen bevormunden

Das Hauptargument der sozialistischen und grünen Verhinderer, die gegen eine Statistik sind, lautet: Man würde Frauen damit unter Druck setzen. Das ist ein ein dümmliches, paternalistisches und bevormundendes Argument. Gerade Frauen als potenzielle, werdende oder seiende Mütter haben ein Recht darauf, zu wissen, wie oft es die Abbrüche in Österreich gibt.

 

Statistik ist frauenfeindlich?

Wenn das linke "Frauenschutz"-Argument brauchbar wäre, dann wären ja alle Länder mit entsprechenden Statistiken frauenfeindlich - und das ist völliger Unsinn, weil gerade die sozialdemokratisch dominierten skandinavischen Staaten unter den ersten waren, die solche Statistiken einführten. Und valide Zahlen können per se niemals frauenfeindlich sein.

 

Zahlen sind wichtig

Abgesehen von all den ethisch gravierenden und persönlich schwierigen Fragen, die Abtreibungen immer mit sich bringen, sollten wir uns bemühen, 40 Jahre nach Einführung der Fristenregelung endlich klare Verhältnisse zu schaffen. Das geht nur, wenn wir die nüchternen Zahlen kennen und mehr Wissen über die im dunklen liegenden Daten erlangen. 

 

Unterzeichnen Sie bitte die Petition

Als Abgeordneter des Nationalrats der Republik Österreich habe ich im Parlament eine entsprechende Petition zur anonymen Erfassung der Abtreibungszahlen eingebracht. Sie können hier mitunterzeichnen:

 

https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/PET/PET_00102/index.shtml#tab-Uebersicht

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Kommentare: 3
  • #1

    Georg H. (Sonntag, 19 März 2017 20:16)

    Im Human Development Index HDI der Vereinten Nationen werden die Länder der Erde nach ihrer Entwicklung gereiht. Im Allgemeinen wir der HDI als Mass für Reichtum und Wohlstand verstanden. Österreich belegt da den stolzen Platz 21 von 187. Berechnungsgrundlage dafür ist als einer von 3 Parametern die Lebenserwartung ab Geburt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Index_der_menschlichen_Entwicklung

    Ich schlage hier ein Gedankenexperiment vor: Wie sähe es aus, wenn wir die Lebenserwartung ab Konzeption nähmen?
    In Österreich kommen pro Jahr ca 80000 Kinder zur Welt. Diese Kinder haben eine Lebenserwartung von 81,6 Jahren.
    Wenn man dem die niedrigste der geschätzten Zahlen an Abtreibungen von 30000 gegenüberstellt, und davon ausgeht, dass diese Kinder eine Lebenserwartung von 0 Jahren haben, so wir landen bei einer Lebenserwartung der Österreicher und Österreicherinnen von 59 Jahren!
    Exakt diese Lebenserwartung haben die Menschen in Malawi, Guinea, Burundi und Ruwanda
    Man kann jetzt mal überlegen wie viel wir bei den Gesundheitskosten sparen könnten um ohne Abtreibungen auf die Lebenserwartung von Ruwanda zu kommen, usw....
    Manche mögen es zynisch und abwegig finden solche Überlegungen anzustellen. Ich finde es zynisch und abwegig das nicht zu tun.

  • #2

    josef hueber (Sonntag, 19 März 2017 23:02)

    Jedes Schwein, das geschlachtet wird, ist datenmäßig erfasst. Jeder Embryo hat offensichtlich nur einen Status unterhalb eines Schweines. Oder irre ich mich? Ich lasse mich gerne belehren.

  • #3

    Eric Kamp (Montag, 20 März 2017 13:23)

    Ich bin kein Oesterreicher, kann deswegen nicht ihre Petition zustimmen. Sie haben eine empfindliche Nerf angeruehrt, wozu keiner kaum spricht. Hier in Italien fehlen heute ueber 6 Million Buerger als 30 Jahren her das Abtreibungsgesetz eingefuehrt war. Und die elitaire Hochmut verkauft ihre Notwendigkeit zum Einwanderungspolitik auch mit der 1.2 ungenuegen Landes Geburtenrate...