Ohne Ärzte geht gar nichts

 

 

In den letzten Jahren ist das "Ärzte-Bashing" ein beliebter Sport geworden. Patientenanwälte, Gesundheitsökonomen, diverse Gesundheitspolitiker und die Medien sind immer gerne bereit, die Ärzteschaft oder einzelne Ärzte aufs Korn zu nehmen, zu kritisieren und in die Defensive zu drängen. Erstaunlich dabei ist, dass fast nur Nicht-Ärzte den Ärzten ihre Arbeit erklären wollen und die Ärzte sich oft genug diese Impertinenz gefallen lassen.

 

Ärzte sind zu duldsam

Eigentlich sollten wir selber, als Berufsstand mit der höchsten Verantwortung im System, den Pulsschlag kontrollieren und das Gesundheitssystem so gestalten, wie es für die Patienten und Ärzte am besten ist. Die dauernde externe Einmischung ist absurd: Was wäre, wenn etwa lauter Laien den Richtern ständig ihren Beruf erklären würden? Oder irgendwelche fachfremden Fantasten den Architekten vorgeben möchten, wie Häuser zu bauen sind?

 

Die Medien sind gespalten

Die Medien bekleiden im Umgang mit den Ärzten eine ambivalente Rolle: Einerseits sind überkritische und reisserische Artikel über Kunstfehler immer ein Renner, andererseits bringt man gerne "Best Doctors"-Listen oder berichtet nahezu huldigend über die Spitzenleistungen der Medizin. Koryphäen und Kapazunder werden gefeiert und dicke Gesundheits-Beilagen in den Gazetten befriedigen das Bedürfnis des Publikums nach Medizin.

 

Patienten müssen informiert sein

In allen TV-Sendern gibt es regelmäßig Gesundheitssendungen, die sehr hohe Einschaltziffern haben. Und ebenso regelmäßig stehen z.B im Wiener Rathaus diverse Informations-Großveranstaltungen für interessierte Laien am Plan, die von Radio- oder TV-Moderatoren präsentiert werden und enormen Zuspruch finden. (Diabetes-Tage usw.) Das ist gut so, denn die Patienten sollen informiert werden.

 

Die hauptberuflichen Kritiker

Auf der anderen Seite begegnen uns überkritische Gesundheitsökonomen und verschiedene selbsternannte Experten, die der Ärzteschaft ständig am Zeug flicken und uns ohne Unterlass erklären, wie teuer und ineffizient wir wären. Selbstverständlich wissen diese Leute alles besser, obwohl oder weil sie niemals auch nur einen einzigen Patienten behandelt haben oder auch nur einen Tag Verantwortung für die Patienten getragen haben.

 

Überall Nicht-Ärzte

Im Gesundheitsministerium sitzen nicht-ärztliche Sektionschefs, die Spitäler höchstens als Patienten kennen (und dort natürlich immer First-Class-Behandlung erwarten). Sie geben die Planungsideen vor, die dann gemeinsam mit den Theorie-Spezialisten am grünen Tisch in die sattsam bekannten Pläne und Gesetzesvorschläge gegossen werden, die am Ende bundesweit gelten sollen. Die Vorschläge finden über das Parlament Eingang in die Gesetzgebung. 

 

Im rotgrünen Wien regieren die Zyniker

Im Wiener Rathaus sitzen seit Jahren  Gesundheitsstadträtinnen, die ebenfalls keine medizinische Ausbildung haben (derzeit Sandra Frauenberger, vor ihr die im Unfrieden ausgeschiedene Sonja Wehsely) und die nach politischem Gutdünken im Gesundheitssystem herumfuhrwerken. Frau Wehsely holte sich zwar  den deutschen Arzt Udo Janßen als Generaldirektor. Der zuerst hochgelobte Mann wurde aber vor einigen Tagen vom Bürgermeister und der neuen Stadträtin geschasst, weil man angeblich plötzlich das Vertrauen verloren hat... Dem Abschied ging ein desaströser Rechnungshofbericht über den Wiener KAV (Krankenanstaltenverbund) voraus, der haarsträubende Fakten über das Rote Wien und seine im Niedergang befindliche Gesundheitsversorgung ans Tageslicht brachte.

  

Der Moloch Krankenkassen

Im Hauptverband und in den Gebietskassen sitzen an den höchsten Stellen Nicht-Ärzte, die über die Patienten und Ärzte bestimmen und so tun, als ob das von ihnen verwaltete Geld ihr eigenes wäre und nur sie wüssten, was gute Medizin wäre. Arroganz und Ärztefeindschaft ist bei einigen der dort tätigen Damen und Herren leider ein Markenzeichen - dabei sollten sie den ihre Zwangsbeiträge zahlenden Patienten dienen und ihnen die bestmögliche Versorgung verschaffen. Keine Spur davon - die autarke Selbstverwaltung macht, was sie will und nicht einmal die Gesundheitsministerin oder das Parlament haben die Möglichkeit, dort einzugreifen und die Dinge ins Lot zu bringen. "Mia san mia" ist eines der negativen Kennzeichen der Selbstverwaltung.

 

Die Kammer ist noch immer zu schwach

Und das Beste, wirklich Österreichische daran ist: Die Ärztekammer wehrt sich zwar immer wieder und weiß genau, dass wir als Ärzte letztlich am längeren Ast sitzen, weil wir immer gebraucht werden. Aber am Ende überwiegt stets die Konfliktscheu, das Kammerdenken und das Schielen auf einen Weiterverbleib auf dem Funktionärs-Posten oder auf einen guten Deal mit den anderen Playern.

 

Unterschiedliche Interessen

Auch sind die Ärzte-Interessen zu widerstrebend und völlig unterschiedlich, weil es Angestellte und Niedergelassene gibt, Hausärzte, Fachärzte, Gruppen- und Einzelpraxen etc. etc. Die Kammer kann diese Vielfalt an Interessen in ihrer aktuellen Form gar nicht alle unter einen Hut bringen. Ergo brauchen wir hier dringend eine Neugestaltung, in der die Freiheit des Arztes die oberste Prämisse darstellt. Eine moderne Ärztekammer muss ein "Medical Board" sein, das für die Registrierung und Verwaltung der Ärzte-Agenda zuständig ist und sie bei ihren Berufswünschen unterstützt, aber sie soll nicht der Platz sein, wo Funktionäre ihre Spielchen treiben oder wo die Parteien ihre Interessen deponieren.

 

Wir hätten die Macht

Man kann seitens der Politik auch nicht immer wieder einfach über die Ärzte drüberfahren. Die Ärzte dürfen sich das auch nicht mehr gefallen lassen. Wir Ärzte sind die Experten für die Gesundheit, wir werden absolut und unabdingbar von den Patienten gebraucht. Wir hätten die sinnvolle und für die Patienten verwendbare Macht, die Dinge so zu verändern, wie es für die Patienten und uns am besten wäre.

 

Die Expertise, die beste und höchstverantwortliche Patientenversorgung und das medizinische Können, letztlich eben die gesamte Heilkunst - das ist die Sache der Ärzte und nur der Ärzte. Um das alles im Sinne der optimalen Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung bewahren zu können, müssen wir in alle wesentlichen landes- und bundespolitischen Gremien und wir müssen die Oberhoheit im gesundheitspolitischen Diskurs zurückerobern.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Reinhard Schranz (Freitag, 24 März 2017 13:10)

    Absolut richtig.

  • #2

    Evi Peschorn-Garaguly (Freitag, 24 März 2017 13:43)

    Völlig einer Meinung!

  • #3

    Michaela Niedermeyer (Freitag, 24 März 2017 17:45)

    Perfekt auf den Punkt gebracht!

  • #4

    Hemma Resch (Freitag, 24 März 2017 18:23)

    Sehr richtig!

  • #5

    Wilhelm Scheidl (Samstag, 25 März 2017 20:56)

    Wir brauchen die Ärzte. Aber wir brauchen vor allem die Bauern, denn ohne Lebensmittel bräuchten wir nicht einmal mehr die Ärzte. Nach dem Umbruch wird sich zeigen, wer oder was entbehrlich ist.

    Am wenigsten brauchen wir die Politiker. Und trotzdem sind alle wichtigen Bereiche von der Politik und ihren Helfern durchsetzt. Sie übt per Gesetz Macht aus und hat das Volk fest im Würgegriff. In so einer kranken Welt leben wir. Darüber sollten wir einmal nachdenken, auch wenn das psychisch schwer zu ertragen ist.