Die Maulkorb-Gesellschaft

 

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Wien erzählte mir, sie traue sich auf Facebook unseren Außenminister Sebastian Kurz nicht zu liken, denn das könnte ihr Schwierigkeiten mit Vorgesetzten einbringen. Ein im öffentlichen Spital angestellter Arzt-Kollege berichtete mir, ihm sei nahegelegt worden, keine Kritik an den möglichen negativen Auswirkungen der Migration zu üben, denn das könne seine Karriere gefährden. Ein Mitarbeiter einer großen Werbefirma sagte mir, sein Chef hätte ihm geraten, keine politischen Positionen rechts der Mitte zu beziehen, weil das wäre schlecht fürs Geschäft.

 

Symptomatisch für das Klima

Nur drei Beispiele aus einer ganzen Serie von mir zugegangenen Berichten, die ein übles Licht auf den Zustand der Meinungsfreiheit in Österreich (und vermutlich nicht nur jener bei uns) werfen. Das öffentliche Klima hat sich neuerlich gewandelt und man steht Ängsten gegenüber, die man so nicht für möglich gehalten hätte und die man eigentlich nur aus Geschichtsbüchern und Orwell-Romanen kennt. Das ganz Perfide an diesen Entwicklungen ist, dass es auch im Familien- und Freundeskreis zu Verwerfungen kommen kann: Die Kluft zwischen den braven Ja-Sagern und den schlimmen Kritikern zieht bis tief ins Private hinein.

 

Das Imperium schlägt zurück

Die Political Correctness, die zweifellos eine der Ursachen dieser gefährlichen Entwicklungen istschien nach der Wahl von Donald Trump in ihren Trümmern zu liegen und viele Leute hatten das Gefühl, endlich wieder ungefährdet die Wahrheit sagen zu können. Aber das Imperium schlug mittlerweile längst zurück: Die institutionalisierten sogenannten liberalen Medien leisten ganze Arbeit. Sie wollen ihren über die Jahre erarbeiteten Status als Meinungsbildner und Besitzer der moralischen Deutungshoheit natürlich nicht aufgeben. 

 

Die Selbstgerechten scheuen vor fast nichts zurück

Dafür ist ihnen fast jedes Mittel recht. Waren es früher die Lnychmobs auf den Strassen, die Andersgläubige und Andersdenkende verfolgten, so sind es heute die in Horden auftretenden und schimpfenden Poster und Nachplapperer, die auf den Social-Media-Seiten der einschlägig bekannten Journalisten und Zeitungen ihre selbstverständlich immer nur anonym geäußerten Verbalinjurien abladen. Die Lösch-Lust der Online-Verantwortlichen ist offensichtlich gering, denn viele der mehr als fragwürdigen Postings bleiben oft tagelang oder gar auf Dauer abrufbar. Ziel dieser Praktik ist es natürlich immer, möglichst viel Rufschädigung anzurichten. 

 

Gezielte Kampagnen?

Befeuert wird dieses Phänomen von vielen Medienleuten selber - und das vermutlich gezielt. Der Ablauf zumindest ist stets derselbe und funktioniert (beispielhaft dargestellt) wie folgt: Man äußert als hauptberuflicher Kommentator heftige Kritik am Außenminister Kurz und seinen kritischen Diagnosen - wie etwa an jenen, die er über die NGOs und ihre Praktiken traf. Prompt bricht danach unter den Claqueuren ein Shitstorm los, der den Minister als Unmenschen und Bösewicht erscheinen lässt.

 

Die Meinung muss hinter die vorgehaltene Hand zurück

In den Umfragen ist Kurz zwar der unangefochtene Überflieger und die Dauerhoffnung der ÖVP, aber man kann wenigstens das Publikum mit massiver medialer Kritik an den Kurz-Statements verunsichern und die öffentliche Meinung mit diesen Methoden wieder hinter die vorgehaltene Hand drängen - siehe das eingangs erwähnte Beispiel. Im aktuellen Fall der kritisierten NGOs trat sofort der Bundespräsident auf den Plan, um die Organisationen in Schutz zu nehmen.  

 

Stets derselbe Mechanismus

Man erkennt: Jede offene Kritik am Offensichtlichen wird durch die gut geölte Moral-Maschine sofort in ein bestimmtes Eck gedrängt. Die Verbündeten bestimmter Medienapparate sitzen sogar in der Hofburg. Und falls es einmal nicht so läuft, hat man ja als Medium noch die Rassismus-Keule im Depot, die geht immer.

 

Das offene Bekenntnis ist die Ausnahme

Der Minister hat zwar 480.000 Likes auf Facebook, aber Österreich hat fast 9 Millionen Einwohner und knapp 4 Millionen davon nutzen Facebook. Bei aller Beliebtheit und aller Richtigkeit seiner politischen Stellungnahmen ist es offenbar doch so, dass nur 12% der Nutzer ihre Haltung öffentlich preisgeben möchten - wohl aus den Gründen, die mir die oben erwähnte Uni-Mitarbeiterin gesagt hat.

 

Die Repression ist überall

Der Schluss liegt nahe, dass in Österreich starke Kräfte der Repression am Werk sind, die den Bürger in seiner Meinungsäußerung einschränken. Und ebenfalls kann man erkennen, dass gerade die, die immer so nach Liberalismus verlangen und betuliche Kampagnen wie #GegenHassImNetz fahren, genau diejenigen sind, die nur die eigene Meinung gelten lassen wollen. Alles andere muss aus Sicht dieser selbst verliehenen Moral- und Meinungshoheit radikal ausgemerzt werden. Am Ende einer solchen Philosophie steht der Totalitarismus. Das ist die bittere Realität, die wir bekämpfen müssen.

 

 

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Kommentare: 8
  • #1

    nattl (Sonntag, 02 April 2017 09:25)

    Es scheint, dass zumindest jede zweite Generation irgendwann in ihrem Leben eine solche unfreie, faschistische Periode erleben muss. Das ist halt jetzt die unsrige. Ich beneide meine Elterngeneration, die kurz nach dem 2. Weltkrieg geborenen vermutlich nur mehr ein paar dieser finsteren Jahre erleben muss.

  • #2

    Duck, Donald (Sonntag, 02 April 2017 10:44)

    „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. (Albert Einstein)
    Z.B.: Unsere Gier hat uns zu Schuldsklaven gemacht, die keinen Demonstration noch freie Meinungsäusserung mehr wagen. Zu gross ist die Angst vor Arbeits- und Einkommensverlust.
    Der gesellschaftliche Leidensdruck muss erst richtig stark werden, bevor die Zahl ehrlicher Menschen/Wähler wieder deutlich zunimmt und diesem bösen Spuk ein Ende gesetzt werden kann. Und das kann noch lange dauern.





  • #3

    fritz (Sonntag, 02 April 2017 12:32)

    die linksfaschisten haben sämtliche medien in íhrer hand und wie es scheint sitzen auch schon etliche handlanger von ihnen in wichtigen politischen funktionen.
    man kann hier nicht oft genug betonen: die nazis sind gescheitert und die internazis werden auch scheitern. es ist nur eine frage der zeit.

  • #4

    Dieter Zakel (Sonntag, 02 April 2017 12:50)

    Das ist doch alles ein alter Hut. Das machen sie ja schon seit den 70ern so. Nur jetzt wirds halt kritisch weil es um die Existenz des Einzelnen geht der erkannt hat dass es auch um die Existenz des bisher erwirtschafteten geht.
    Trotzdem. Man muss diesem Leviathan entgegentreten, koste es was es wolle. Nicht wieder so schweigen wie 1938. wie das endete wissen wir ja.
    Damals wurde auch kein Schuss gefeuert. Und das hat sich bitterst gerächt.

  • #5

    Roland (Sonntag, 02 April 2017 16:12)

    Tiefe Einblicke in die Mediengesellschaft tun sich hier auf! Nun frage ich mich: Wenn Bürger dieses Landes den Herrn Kurz aus "grundsätzlichen Erwägungen" schon nicht liken, wie verhält sich diese Form der "selbstbeschränkten Meinungsäußerung" erst hinsichtlich der Freiheitlichen?
    Und hat sich schon mal jemand Interesse gezeigt, wie mit politisch Andersdenkenden in staatlichen und halbstaatlichen Unternehmen umgegangen wird?
    Wäre ein interessantes Buch. Arbeitstitel: "Gegen den Strom".

  • #6

    Grünwähler (Sonntag, 02 April 2017 18:08)

    Jaja. Die Rechtsnationalen sind die neuen Juden. Hat schon ihr Sinnungsgenosse HC gesagt.
    Sie sind wirklich ganz arm.

  • #7

    Walter (Montag, 03 April 2017 08:22)

    Habe mich bei meinem letzten Wien Besuch gewundert das Freunde nur ganz leise und vorsichtig ueber ihren Ungemach und Abscheu der herrschenden Politikriege und deren Taten und Unterlassungen sprachen. Hat mich an Russland / KGB Witze der Sechziger Jahre erinnert. Sehr traurig.

  • #8

    Martin H. (Montag, 03 April 2017 09:44)

    Wie man zu Kurz steht, sei mal dahingestellt. Er darf jetzt vor der Wahl mit seinen Meldungen Stimmung machen.
    Die Menschen brauchen sich über die gutmenschliche Meinungsdiktatur nicht aufzuregen, denn die Mehrheit hat die Gesinnungs- und Meinungsjakobiner gewählt. Nur weiter so!