Wie kann ein Arzt nur sowas sagen?

 

Ärzte, die in der Politik tätig sind, werden dort meist sehr ambivalent wahrgenommen. Einerseits haben Ärzte grundsätzlich eine sehr gute Reputation vorzuweisen, andererseits möchte man von ihnen auch ihre Meinungen wissen, die Bereiche ausserhalb des Gesundheitswesens betreffen  - und diese Meinungsäusserungen können dann plötzlich heikel werden, für Verwunderung sorgen oder manchmal sogar anstößig wirken.

 

Gott in Weiß?

Man sieht den Arzt gerne als jemanden, der seinem Ahnherren Hippokrates und dessen Idealen verpflichtet ist und dem daher nur die Güte und das Wohl der Menschen eine Handlungsanleitung bieten dürfen. Diese Sichtweise stimmt nur bedingt, denn in der Politik kann das medizinische Denken ganz andere Effekte hervorrufen als in der medizinischen Praxis. Diese Effekte können zunächst irritieren, aber am Ende stellt sich meistens heraus, dass sie die richtigen waren. Warum das so ist, kann man nicht mit dem "Gott in Weiß" erklären, sondern mit ganz profanen Ursachen.

 

Der Arzt bleibt ein Arzt

Ein Arzt wird auch in der Politik ein Arzt bleiben - wenn er seinen Beruf ernst nimmt. Und seine erlernten, ureigensten Handlungsmaximen werden jedenfalls auch seine politische Tätigkeit bestimmen, zumindest aber wesentlich beeinflussen. Genau darin liegt aber der Knackpunkt: Die Medizin besteht in ihren Fundamenten aus Diagnose und Therapie. Die Maßnahmen, die dafür notwendig sind, erfordern vom Arzt höchste Genauigkeit, eine fast unerbittliche Ehrlichkeit, ein großes Wissen und eine reichhaltige Erfahrung. Jede falsche oder auch nur geschönte oder irgendwie hingebogene Diagnose führt unweigerlich zu falschen oder unwirksamen Therapien und ist damit schädlich und gefährlich. 

 

Der Arzt muss die Wahrheit sagen

Einen Arzt, der nicht die Wahrheit sagt, wird man berechtigterweise zum Teufel jagen. Das empathische Mitteilen dessen, was wirklich ist, gehört zu den wichtigsten und höchsten Aufgaben der Ärzte. Und einen Arzt, der falsche oder unpassende Therapien verordnet, wird man ebenso wenig brauchen können wie einen falschen oder die Wahrheit verschweigenden Diagnostiker.

 

Ärzte handeln wie Ärzte. Sie sind in der Politik von Berufs wegen daher oft diejenigen, die am klarsten ihre Meinung äußern und sich kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um das Aufzeigen von Missständen geht. Die Behebung von Mängeln und Nöten ist ja ihre grundsätzliche Aufgabe.

 

Diagnosen können Kritik erzeugen

Der Autor dieser Zeilen ist politisch tätiger Arzt. Und ich bin schon oft gefragt worden "Wie können Sie denn als Arzt sowas sagen?" Diese Frage bezieht sich immer auf diejenigen meiner Statements, die nicht in die glattpolierten Mainstream-Schubladen passen. Als Migrationskritiker vertrete ich beispielsweise die Ansicht, dass es Grenzsperren, umfassende Kontrollen und massenweise Rückführungen geben muss und dass die aktuelle Migrationskrise nur durch einen absoluten Immigrations-Stopp zu bewältigen ist. Ich stehe auch klar zur australischen Migrationspolitik. Dieselbe möchte ich in Österreich und in ganz Europa haben. Dafür gibt es eine Vielzahl von guten Gründen und rationalen Argumenten.

 

Diese meine Meinung hat mir aber schon massive Anfeindungen seitens politischer Mitbewerber speziell aus dem linken Spektrum und teils bösartige und inferiore persönliche Kritik aus den Medien eingebracht: Die betuliche Floskel "Wie kann ein Arzt nur sowas sagen?" schwingt bei den meisten Kritikern immer mit. Die Reaktion ist beleidigt bis empört und erinnert an Patienten, die im ersten Moment eine schwerwiegende Diagnose samt notwendigem Therapievorschlag nicht annehmen können.

 

Empörung statt Diskussion

Ähnlich empört reagiert man über meine konservativen und klar geäusserten gesellschafts- und familienpolitischen Ansichten und über meine Haltung zur Abtreibung, zur Frauenquote, zur Homo-Ehe, zum Gendern usw. Diese meine Haltungen sind bürgerlich-rechts und dazu stehe ich - aber dieses "Wie kann ein Arzt nur sowas sagen?" bekomme ich trotzdem oder gerade deswegen immer wieder zu hören. Zu guter Letzt macht es die Kritiker dann noch erboster, wenn ich alle meine Haltungen klar argumentieren kann, den Wahrheitsbeweis für meine Aussagen antrete und die Empörten danach nicht mehr weiterwissen. 

 

Ein Arzt muss wahrhaftig sein - oder etwa nicht?

Nun stelle ich aber die folgenden Fragen: Erwartet man sich von einem politisch aktiven Arzt wirklich, dass er unkritisch dem Zeitgeist frönt, den Leuten nach dem Mund redet und pseudo-diplomatisch herumschwurbelt wie das so viele politische Kollegen tun? Soll ein arrivierter Mediziner harmoniesüchtig auf dem zweifellos glatten politischen Parkett herumrutschen und schauen, dass er nur ja nirgends aneckt? Soll er Liebdienerei betreiben, um von den Zeitgeist-Medien gehätschelt zu werden?

 

Es ist doch völlig klar, dass gerade ein Arzt seine politischen Diagnosen und Therapien möglichst fundiert und offen bringen muss, genauso wie er das mit seinen medizinischen tut - auch wenn das oft ganz und gar nicht in den Mainstream passt. Nochmals und anders gefragt: Wollen wir allen Ernstes freiberuflich tätige Ärzte in der Politik, die genauso heuchlerisch und anbiedernd agieren (müssen) wie andere Politiker, die ihre Klientel befriedigen zu haben und abhängig von ihren Lobbies nur deren Meinungswünsche wiedergeben dürfen?

 

Nein zum Bückling, ja zur Freiheit

Ich denke, diese Fragen sind mit einem klaren Nein zu beantworten. Die Freiheit  des Arztes ist seine wichtigste Berufsbedingung. Nur aus dieser Freiheit heraus können Ärzte ihren Auftrag optimal erfüllen. Und in der Politik ist es genauso: Nur mit der Freiheit der Rede und der Meinung kann eine Politik gemacht werden, die diesen Namen auch verdient. Das gilt für Ärzte noch viel mehr als für die anderen politisch tätigen Berufsgruppen.

 

Wie wichtig die Ärzte in der Politik sind, kann man aus der Geschichte lernen: Der Diktator Stalin ließ den Medizinern keinen politischen Spielraum, weil er genau wusste, dass die Ärzteschaft seiner Politik gefährlich werden könnte. Er sprach deswegen gerne von der Ärzte-Verschwörung. Die Parallele zu Österreich ist da: Interessanterweise findet man bei den österreichischen Noch-Regierungsparteien auf ihren Wahllisten praktisch keine Ärzte an wählbarer Stelle. Es ist aus jetziger Sicht sogar möglich, dass im nächsten Nationalrat der Republik kein einziger aktiver Arzt mehr vertreten ist. Das sollte uns sehr nachdenklich machen.

 

 

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Kommentare: 10
  • #1

    Hans Kolpak (Dienstag, 08 August 2017 10:41)

    Ich frage mich ernsthaft, von welcher Bedeutung solche Betrachtungen sind. Ärzte haben ihre eigenen Baustellen, weil zu viele Interessengruppen an ihren Kitteln zerren. Das weiß aber schon der Abiturient, der entscheidet, Medizin zu studieren.

    Staatsgläubigkeit und Autoritätshörigkeit sind schwer oder kaum abzulegen.

  • #2

    D.D. (Dienstag, 08 August 2017 18:42)

    Bitte nicht die Ärzte als die letzten Aufrechten der Gesellschaft hinstellen. Vorbei auch diese Zeit.
    Ebenso mit Juristen, "Geistlichen", Banker, Versicherern, Politiker, Makler, Bestattern ... völlig egal wer oder was, Radrennfahrer (man denke an Deutschlands einstigen "Stall" Telecom mit nicht nur sauber sondern rein Sportler).
    Sie sind allesamt dem Gelde verfallen. Aber schon lange, machen wir uns nichts vor.
    Und überall gibt es natürlich noch die löblichen Ausnahmen, und die wird es auch immer geben.
    Und nicht mehr und nicht weniger.

  • #3

    Nachtrag (Dienstag, 08 August 2017 21:00)

    Vergessen wir, der Aktualität halber an der Stelle auf keinen Fall diese wundervollen Autobauer. Einer "sauberer" als der andere, Prämienabsahner für saubere Dieselmotoren. Vorzeigebeispiele für aufrecht, quadratisch, praktisch und gut. Und was erleben wir jetzt?
    Das schiere Gegenteil davon. Ein Absahnerkartell allererster Sahne. Alles ehrenwerte honorige Herrschaften.
    Wir blicken hier in diesem Blog hinter die Fassade, dachte ich. Dabei sollten wir tunlichst bleiben.

  • #4

    Enka Latineg (Mittwoch, 09 August 2017 09:06)

    Schon länger unterscheide ich zwischen Arzt und Mediziner bzw. Ärztin und Medizinerin. Ein abgeschlossenes Medizinstudium macht eben die entsprechende Person noch lange nicht zum Arzt oder zur Ärztin.
    Ebensowenig macht der Doktortitel jemanden zum Arzt. Noch schlimmer schaut es bei den einschlägigen Professoren aus, wo sehr oft Abgehobenheit gepaart mit Arroganz diagnostiziert werden kann.
    Es braucht es halt einiges mehr : Besonders Charakter, eigenes Ethikverständnis und, ganz besonders, Menschlichkeit.
    Leider gibt es heute sehr viele Mediziner, aber sehr wenige Ärzte.

  • #5

    Kennst du auch den Gott in Blau? (Mittwoch, 09 August 2017 23:13)

    Das ist der Mechaniker, der eines Busses Bremsen präventiv repariert und durch seine hervorragende Arbeit in kurzer Zeit 50 Menschenleben rettet: KEIN ARTZT KANN DAS! Und möge er sich noch soooo gööööttlich vorkommen in der eigenen Überheblichkeit.

  • #6

    @ #5 (Donnerstag, 10 August 2017 22:22)

    Dafür nimmt sich der Doktor wesentlich mehr Kohle aus der Kassentaschen als der Mechanikus. Da nützen dem auch noch so viele Mehrrettungen nichts pro Zeiteinheit, hehe. Er ist nämlich nicht öffentlich subventioniert!

  • #7

    So, noch einmal: (Donnerstag, 10 August 2017 23:32)

    https://youtu.be/6-9r1j-cWjc?t=527
    https://www.youtube.com/watch?v=i6XDX54_3sw&feature=youtu.be&t=618 – Einige Sekunden genügen, aber kannst gucken solange du möchtest! – Auch das: https://youtu.be/paVr8bPAlSQ?t=23

    Und die folgenden:
    https://www.youtube.com/watch?v=e8Q-v6RUgM4&feature=youtu.be&t=4092

    https://youtu.be/dl8aY6DZWAM?t=594

    https://www.youtube.com/watch?v=54Vj3ro7KaU&feature=youtu.be&t=1684 – Ein paar Sekunden ansehen reichen, wenn’s nur um die Bildung gehen soll.

    https://www.youtube.com/watch?v=VfhrN9aAMmM&feature=youtu.be&t=567

  • #8

    Die Menschheit (Freitag, 11 August 2017 01:48)

    benötigt eher Psychologen & Psychiater als Heiler.

    https://drive.google.com/file/d/0BytICGBQUiX5c0gySk1ld3ZfQ2M/view
    https://drive.google.com/file/d/0BytICGBQUiX5dkIweEI2c2RqZjQ/view

  • #9

    Der Spruch dürfte weniger verwerflich sein: (Freitag, 11 August 2017 22:30)

    https://drive.google.com/file/d/0BytICGBQUiX5QmNCblVKUzJ6ZXM/view
    https://drive.google.com/file/d/0BytICGBQUiX5aGRaclN3TkwxckU/view
    https://drive.google.com/file/d/0BytICGBQUiX5cm1XY3d4SHdObnc/view

    Weil er die Vergangenheit bezüglich unserer Geschäftspartner betrifft?

  • #10

    Vergangenheit? (Sonntag, 13 August 2017 00:14)

    .