Gesundheit für alle!

 

Die Gesundheitspolitik ist immer schon ein Stiefkind der "großen" Politik gewesen. Man sagt deswegen auch, dass man mit Gesundheitspolitik zwar keine Wahl gewinnen, dafür aber jede verlieren kann. Führende Politiker beteuern in ihren Sonntagsreden trotzdem immer wieder, wie wichtig ihnen die Gesundheit ist, aber in Wirklichkeit besitzen Gesundheitsthemen keine politische Priorität. Diese Wertung der Themenfelder ist natürlich absurd und kontraproduktiv:  

 

"Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts" - so brachte es der Philosoph Schopenhauer auf den Punkt. Gesundheit ist also in Wirklichkeit das wichtigste  Anliegen aller Leute. Politisch betrachtet ist es die Gesundheit in allen Bereichen - neudeutsch "Health in all policies" genannt.

 

Gesund sein ist normal

Der Grund für die Unlust der Politiker an der Förderung eines möglichst guten Umgangs mit der Gesundheit ist schnell erklärt: Wer gesund ist, dem fehlt nichts. Gesundheit spürt man nicht. Und ist man doch einmal krank, dann hütet man das Bett oder liegt wegen einer Operation im Spital. Die Unbill vergeht jedenfalls meist rasch und man ist danach eben wieder gesund. Der durchschnittliche Wähler hat also mit der Gesundheit kein Problem, die Erinnerung an organisatorische Probleme im Spital oder an lange Wartezeiten beim Facharzt wird rasch verdrängt.

 

Die chronisch Kranken leiden

Die einzigen, die die Schwächen des Systems permanent spüren, weil sie auch selber permanent etwas spüren, das sind die chronisch Kranken. Sie sind diejenigen, die unter mangelhaften Strukturen auf Dauer leiden. Aber die Politik interessiert das nicht und chronisch Kranke haben keine laute Stimme, obwohl es immer mehr von ihnen gibt. Mangels kluger Gesundheitspolitik wird die Versorgungslage der Chroniker immer schlechter, die Strukturen erodieren. Die unterschiedliche und teils widersprüchliche Finanzierung von Pflege, Medizin, Spitälern und niedergelassenen Einheiten wie Ordinationen macht das System unüberschaubar und anfällig für Schwächen.

 

Den Gordische Knoten durchschlagen

Das System muss von Grund auf neu gestaltet werden. Alles, was dazu in den letzten Jahren geschehen ist, firmiert weiterhin unter dem Titel Verschlimmbesserung und Oberflächenreparatur. Die angeblich so tollen Konzepte zur Primärversorgung, die in der zu Ende gehenden Legislaturperiode entwickelt wurden, sind letztlich unbrauchbar, weil sie so nicht umsetzbar sind und reine Papiertiger bleiben werden.

 

In den Medien wird daher weiterhin zu Recht über Ärztemangel, Wartezeiten, Klassenmedizin usw. geklagt. Trotz eines noch immer hohen Niveaus, das den Österreichern eine gute Gesundheitsversorgung ermöglicht, sind fundamentale Risse im System erkennbar und Experten rechnen mit dem Crash.

 

Testlabor Wien

Man braucht sich nur den Wiener Krankenanstaltenverbund ansehen und den aktuellen Rechnungshofbericht dazu lesen. Schaurige Untergangsszenarien sind dort keine Phantasien von Pessimisten, sondern bereits klar erkennbare Endfolgen von jahrelanger Misswirtschaft und Inkompetenz. Das "System Wien" liegt in seinen letzten Zügen - es fällt nur noch nicht allen auf, weil die Verquickung und Vernetzung des jahrzehntelang sich ausbreitenden roten Myzels so allgegenwärtig ist und das medizinische und pflegerische Personal das Schlimmste verhütet.

 

Der Staat kann es nicht

Das rotgrüne Wien ist der Beweis dafür, dass ausufernde öffentliche Strukturen nicht zu einer Besserung der Versorgung, sondern zu einer ständigen Überdosierung von "more of the same" und daher immer in jenes Desaster führen, das verstaatlichte Systeme regelhaft in sich tragen. Jede Lücke und jedes Problem wird durch zwei neue Lücken und Probleme ersetzt und die Unfinanzierbarkeit ist daher deren letzte Konsequenz. Am Ende wird wie wild herumgeholzt und im Sparwahn alles reduziert, was zu reduzieren ist. Auf der Strecke bleibt, no na, der Patient.

 

Aber wie geht es?

Wir haben ein System aus dutzenden selbstverwalteten Krankenkassen, über welche der niedergelassene Bereich finanziert wird und wir haben sehr stark steuerfinanzierte stationäre Strukturen namens öffentliche und gemeinnützige Spitäler. Sinnvoll ist es, die Krankenkassen zu drei großen Einheiten zusammenzulegen: Angestellte, Beamte und Selbstständige. Dieses Kassen-Trio muss für die gesamte gesundheitsbedingte Kostenaufbringung zuständig werden - also für ambulante Betreuung, stationäre Heilbehandlung und  letztlich auch für die Pflege.

 

Die Österreichische Gesundheitsversicherung

Diese als "Österreichische Gesundheitsversicherung" (ÖGV) auftretende und selbstverwaltete Institution legt sowohl die vom Bürger zu entrichtenden Beiträge wie auch die Tarife für die Behandlungen fest. Das kann sie aber nur in Verhandlung und Absprache mit dem Gesundheitsministerium und den Ärztekammern, die entsprechenden Beschlüsse müssen einstimmig sein und vom Parlament das demokratische OK bekommen.

 

Vertragsfreiheit

Alle niedergelassenen Gesundheitsdienstleister (Ärzte, Pfleger, Physíotherapeuten etc.) dürfen Verträge mit der ÖGV abschließen und direkt mit ihr verrechnen. Es besteht aber keine Vertragspflicht, sondern freie Niederlassung und jeder Gesundheitsberuf darf seine Leistungen natürlich auch privat anbieten. Der Patient hat das Recht, im Falle einer privaten Inanspruchnahme seine Honorare nach dem Tarifsatz der ÖGV rückerstattet zu bekommen. Private Krankenversicherungen und private medizinische Institutionen bleiben von den neuen Regeln unberührt, dort funktioniert die Medizin ja ohnehin bestens.

 

Die föderalen Rechte müssen ausgebaut werden

Jede Verwaltungseinheit in Österreich (Bund, Gemeinde, Länder, Bezirke, Gemeinden) hat das Recht, Ärzte und Pfleger sowie andere Gesundheitsprofessionisten je nach Bedarf anzustellen. Es kann z.B. in einer sogenannten unterversorgten Gemeinde der Bürgermeister beschließen, für eine bestimmte Stundenanzahl einen Arzt zu beschäftigen, der über die Gemeinde finanziert wird. Die Gemeinde (der Bezirk etc.) bekommt die Kosten über die ÖGV refinanziert.

 

Die Freiheit der Ärzte

Wichtig ist die Freiheit der Ärzte. Nur freie Ärzte können auch eine wirklich gute Medizin anbieten und ausüben. Es müssen daher alle Planposten gestrichen werden, das System muss sich frei und neu entwickeln können. Die völlige Niederlassungsfreiheit schließt aber nicht aus, dass Ärzte sich in Organisationen zusammenfinden und die Bedürfnisse der verschiedenen Regionen abdecken sowie Verträge mit der ÖGV schließen.

 

Die Risikoabdeckung für die Bürger

Der Bund muss danach trachten, dass eine Grundversorgung für alle Bürger vorhanden ist. Dies kann nur gelingen, wenn alle öffentlichen Spitäler im gesamten Land in die Trägerschaft des Bundes übernommen werden.  So kann eine flächendeckende Ausstattung für die Versorgung der medizinischen Großrisken angeboten werden.  Die Kosten für die stationären Behandlungen und die diversen anderen Leistungen trägt die ÖGV, die jeweils notwendige Vorhalte (Personal, Baulichkeiten etc) muss über den Bund finanziert werden. 

 

 

Wenn es gelingt, das Gesundheitswesen in diese Richtung zu entwicklen, ist ein zunächst marktschreierisch klingender Slogan (nämlich "Gesundheit für alle!") in Reichweite. Und die hohe Qualität der österreichischen Medizin könnte damit langfristig erhalten werden. 

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Kommentare: 6
  • #1

    michaelcollins (Samstag, 12 August 2017 09:27)

    Da ich jahrzehntelang im Pflegeberuf tätig war, glaube ich ein wenig mitreden zu dürfen.
    Im Artikel nicht angeführt ist die kostenlose Behandlung von sog. Flüchtlingen, die durch die Krankenkassenbeiträge von uns Österreichern aufgebracht werden müssen, um den sog. Füchtlingen eine kostenfreie Versorgung zu bieten.
    Dazu kommt, dass sich gerade Mohannedaner beim kleinsten Wehwehchen ins Spital begeben, weil so viele Ärze nicht den Mut aufbringen, diese mit beispielsweise wehem Finger abzuweisen, aus Angst als Rassist oder Schlimmeres verschrieen zu werden.
    Ich habe es zu meinem und dem Leidwesen meiner Kollegen immer wieder erlebt.
    Da rotgrüne Politik mit Begeisterung die meisten sog. Flüchtlinge abfischt ist die Situation so, wie sie ist und wie sie in Zukunft noch schlimmer sein wird.
    Mehr als forderndes und unverschämtes Auftreten dieser "Patienten" ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
    Besuchszeiten zum Beispiel werden nicht eingehalten, Besucher treten in Kompaniestäre und dementsprechender Lautstärke auf und sind eine Last für andere Patienten, da Bitte um Ruhe mit Schmipfwörtern und NAzisagern beantwortet werden.
    Jeder, der das Unglück gehabt hat, ein Spitalsbett neben zum Beispiel eines türkischen Patienten zu haben, wissen, wovon ich spreche.
    Politiker interessiert das ohnehin nicht, ihr Ersterklassebett ist ja gesichert und sie kommen mit einer lautstarken Großfamilie nie in Berührung.
    Die Zusammenlegung der Kassen wird nie erfolgen, da diese durch und durch verpolitisiert sind und durch Posten für treue Parteifreunde vorgesehen sind.
    Konklusio: alle, die im Gesundheitssystem in Wien, und nur da habe ich Einblick, sind mehr als belastet und arbeiten schon jahrelang auf Reserve. Denn am Pflegepersonal wird sehr gerne gespart.
    Wie es bei den Ärzten aussieht, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber auch die werden rar, denn wir wissen, dass unsere Unis von Deutschen gekapert worden sind und eine Ministerin, deren NAmen ich aus Gesundheitsgründen vergessen habe es versäumt hat, Deutschland zu einem Kostenbeitrag zu verpflichten.Aber bitteschön, was funktioniert noch wirklich gut im rotgrünen Wien ausser dass es den Beamten im Vergleich zum Normalsterblichen verhältnismäßig gut geht.
    Ende der Philippika.

  • #2

    . (Sonntag, 13 August 2017)

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  • #3

    ° (Sonntag, 13 August 2017 00:18)

    <hidden>.</hidden>

  • #4

    Flüchtlingen, die durch (Sonntag, 13 August 2017 00:26)

    die Krankenkassenbeiträge von uns Österreichern aufgebracht werden müssen, um den sog. Füchtlingen eine kostenfreie Versorgung zu bieten. Würdest du die Beiträge für Firmen kennen, dann würden die Flüchtlinge von dir niemals wieder erwähnt, so gering sind deren Kosten im Vergleich.

  • #5

    michaelcollins (Sonntag, 13 August 2017 08:34)

    nr. 4
    Mit Namenlosen diskutiere ich nicht.

  • #6

    michaelcollins (Sonntag, 13 August 2017 14:15)

    hat übrigens einen Falschnamen. Das entspricht der Namenlosigkeit des anderen.