In Medias res...

 

Die Medien werden gemeinhin als die "Vierte Gewalt" im Rechtsstaat bezeichnet. Man ging lange davon aus, dass eine Freie Presse die genuine demokratische Ergänzung zu Legislative, Exekutive und Judikatur ist, eine Art Kontrollfunktion ausübend und damit letztlich auch  Unterstützung für die Freiheit des Individuums bietend. Die Freiheit der Medien - ein Ideal, dem man nicht leicht genügt, wenn diese Vierte Gewalt von einer der drei anderen dauernd korrumpiert wird. Aber schön der Reihe nach. 

 

Der totale Wandel

Das Internet und die Entstehung der alternativen und der sozialen Medien, die allgemeine Zunahme der gesellschaftlichen Beliebigkeit und die Erhebung der Toleranz zum allumfassenden und trotzdem nichtssagenden Wert, die Verschiebung der moralischen Deutungshoheit von den traditionellen Instanzen hin zu den Medien und vor allem die Migrationskrise des Jahres 2015 haben der Rolle dieser Vierten Gewalt einen zunehmenden und schließlich nur noch schwer wieder gut zu machenden Schaden zugefügt. Besser gesagt: Die Medienleute haben diese Selbstbeschädigung nolens volens selber durchgeführt und ihre eigentlichen Fundamente zerstört.

 

Ein politischer Blickwinkel

Als Nationalratsabgeordneter konnte ich im politischen Umfeld nun 4 Jahre lang eine recht intensive Erfahrung mit den Medien sammeln und kann  daher ein Resümee ziehen.  Mein Urteil ist definitiv nicht pauschal, aber trotzdem einfach, klar und leider vernichtend:   Die Medien in Österreich dienen als Beispielsfall für eine Tendenz zu verlotterter, verhaberter, niveaulos heruntergekommener „Vierter Gewalt“, auch wenn man sich dort arrogant-selbstgerecht-pseudomoralisch geriert: Dieses Gebräu ist alles in allem wirklich gefährlich -  gefährlich für den Einzelnen und fatal für das demokratische System.

 

Ich darf es wiederholen: Dieses Urteil ist nicht pauschal, denn es gibt eine Reihe von charakterlich integren Leuten, die in der Medienszene tätig sind. Und sie sind zum Glück überall zu finden, egal, ob im ORF, in den Privatsendern oder in den sonstigen Redaktionen: es gibt jüngere und ältere Hoffnungsträger, die einen seriösen und anständigen Journalismus aufrecht zu erhalten gewillt sind.

 

Die Typologie ist problematisch

Aber das Gros der Medienleute  bildet ein Konglomerat von Typen, denen ideologische Aburteilungshysterie, gehässiger Eifer, übelwollender Geifer und eine frappierende Ignoranz gemeinsam ist. Zu allem Überfluss kommt dieses Gemisch negativer Eigenschaften auch noch oft als intellektuelle Besserwisserei daher. Darüber hinaus eint diese typologisch sehr ähnlichen Leute der Wille, die Politik, über die sie ja objektiv berichten sollten, als a priori verdächtiges und fixiertes Feindbild darzustellen, dem man täglich zumindest einen Dreckbatzen nachzuwerfen hat und das am besten - also am übelsten -  gleich in Form stereotyper und standardisierter Aburteilungsformeln. Und das vor allem dann, wenn die betreffenden Politiker nicht in dem existenziell wichtigen Substrat der kommerziellen Abhängigkeiten verankert sind.

 

Ist der Boulevard  besser?

Man bemüht sich erstaunlicherweise vor allem in den sogenannten Qualitätsblättern bzw. bestimmten Nachrichtenformaten des Staatssenders ORF, täglich den Stab über jene zu brechen, die nicht in jenes Schema, dem man selber so verpflichtet ist, hineinpassen. Die "Qualitätsjournalisten" fühlen sich heute  offenbar als die neuen moralischen Instanzen, denen die Aburteilung nicht genehmer Meinungen zusteht. Dass sie damit einer gefährlichen Art von Gesinnungsterror Vorschub leisten, ist ihnen nicht unbedingt bewusst - und wenn doch, dann sind ihre Charaktere noch übler als angenommen. Man scheut sich als Angehöriger dieser neuen Blase auch gar nicht, tendenziöse und manipulative Formulierungen zu verwenden, und man ist stets versucht, sämtliche politisch tätigen Menschen als inferiore Charaktere darzustellen. Womöglich geschieht solches in durchaus subkutaner Weise, was die Sache noch ärger macht.  Der Boulevard ist da ehrlicher: Dort weiß man, woran man ist.

 

Es gibt ein Aber

Man kann aber nicht den Medienleuten allein die Schuld am politmedialen Klimawandel in die Schuhe schieben. Es tummeln sich nämlich auch in der Politik allzu viele fragwürdige Charaktere. Und diese ermöglichen erst die beschriebenen Wucherungen jenes unseriösen Journalismus. Eines ist nämlich vielen politisch Tätigen gemeinsam: Sie fürchten die "schlechte Presse" und den Schmutzkübel, der in allen Redaktionen bereitsteht, wie der Teufel das Weihwasser. Deswegen gibt es kaum klare Äusserungen von aktiven Politikern und es sind die meisten von ihnen zu feig, den übelwollenden Medienprofis die Leviten zu lesen. Man hechelt als Berufspolitiker lieber einer halbwegs guten Meldung hinterher, als in Trump`scher Manier dem Journalisten eine vor den Latz zu knallen - verbal versteht sich.

 

Negative Feedback-Schleife

Die Medienmenschen können  sich ob dieser Feigheit, Abhängigkeit und Willfährigkeit  die Hände reiben - bewegt man sich doch in einer negative Feedback-Schleife, die den ihnen so angelegenen Übelstand mehr und mehr verstärkt. Darum verstehen die meisten Journalisten es gar nicht mehr, wenn sie einmal ein Mutiger aus der Politik massiv angreift und sie im wahrsten Sinne Mores lehrt. Solches wird als  antidemokratische Ungeheuerlichkeit empfunden. Selbstbewusste politische Persönlichkeiten wie Viktor Orban, die sich von Journalisten nicht ins Bockshorn jagen lassen, sind deswegen die erklärten Feindbilder der Mainstram-Schreibtischtäter.

 

Der polit-mediale Sumpf

Die heutzutage offenkundige wechselseitige (Inseraten-)Abhängigkeit von Politik und Medien bietet letzteren die wunschgemäße, aber nur scheinbare Autorisierung, überall mitzureden, was angesichts der präpotenten Halbbildung, die so viele Medienleute "auszeichnet", umso leichter fällt. In Wahrheit für echte politische Bekenntnisse zu schwachbrüstig, bereiten pseudomoralisch-missionarische Journalisten so den Boden für den Untergang jeder autonomen Meinungsbildung. Zu Ende gedacht ist dieser Sumpf ein Ort, den man als ehrlich agierender politischer Akteur voll Widerwillen und Abscheu am besten meidet. Und man nur kann resümieren: Die "Vierte Gewalt" ist in ihrem jetzigen Zustand von innen heraus in echter Gefahr - und sie ist damit auch eine echte Gefahr geworden.

 

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Kommentare: 20
  • #1

    Wolf (Sonntag, 13 August 2017 13:38)

    Danke für die klaren Worte!
    Einen Sachverhalt muß man stets "dazudenken":
    Die Medien sind kein statisches Gebilde. In der kürzlichen Vergangenheit sind neue Eigentumsverhältnisse eingetreten!
    Einerseits, das gilt überwiegend für TV, sind sämtliche Aufsichts- und Kontrollpöstchen von Funktionären besetzt.
    Andererseits, das gilt überwiegend für Print und neue Medien, wurden trotz betriebswirtschaftlich eher magerer Zukunftsaussichten auch für bewährte Printmedien mit erheblichen Geldbeträgen solche Medien durch Branchenfremde (Tycoone) aufgekauft!

  • #2

    Nicht alle Medien lügen: (Sonntag, 13 August 2017 14:15)

    https://youtu.be/G2OxWSXAueM?t=3447

  • #3

    … diese typologisch sehr ähnlichen Leute … (Sonntag, 13 August 2017 14:23)

    Ihr seid alle typologisch sehr ähnlich, basta. Das liegt daran, dass das menschliche Hirn seit mehreren zehntausend Jahren keine geistig emotional fortschrittliche Entwicklung vollzogen hat, wie die Unis der Ivy-League festgestellt haben wollen.

    Fazit: Die Urängste, sämtliche Emotionen etc. haben dem Fortschritt nicht standhalten können. Wir sind Urmenschen in einem neuen, modernen Technologismus.

    Das ist auch der Grund dafür, dass australische Universitäten eine neue Art von IQ-Tests eingeführt hat, die alle, die bei den alten Tests gut abgeschnitten haben, ad absurdum führen.

  • #4

    Konrad Adam Eigner (Sonntag, 13 August 2017 14:32)

    Früher hatte ich sieben Abon­ne­ments, heute lese ich kein einziges Blatt mehr. Das ist der Erfolg überheblicher Journalistenfratzen. Dem TV und dem Radio geht es da meinerseits nicht besser.

    Auch dem Netz kann ich äußerst wenig abgewinnen. Tja!

  • #5

    Tja, dummer Steuerzahler, zahl du: (Sonntag, 13 August 2017 15:10)

    https://youtu.be/cpvKbolpWgw?t=2241

  • #6

    Kohlhaas (Sonntag, 13 August 2017 15:39)

    Wessen Bort ich ess, dessen Lied ich sing!

  • #7

    gms (Sonntag, 13 August 2017 19:57)

    Der Hauptgrund, weshalb mündige Erwachsene daran glauben, sie wären irgendwann in der Vergangenheit durch Massenmedien halbwegs objektiv informiert worden, ist unter anderem derselben Ursache geschuldet, der wir die Mehrzahl heutiger gesellschaftlicher Mißstände verdanken: Den Weapons of Mass-Deception.

    Niemals in jüngerer Geschichte waren reichweitenstarke Medien abseits von Unterhaltung profitabel. Wer dessen eingedenk ein solch mächtiges Sprachrohr betreibt, tut dies definitiv nicht aus edlen Motiven, die mit euphemistischem Wortgeklimper in diversen gedruckten Blattlinen dem Leser naheglegt werden. Gute Kommunikation, sprich solche, die ihre Botschaft auch an den Adressaten bringt, ist teuer, wer diese betreibt im gleichzeitigen Wissen, daraus keinen direkten ökonomischen Vorteil ziehen zu können, der verfolgt andere Ziele, die sich lehrbuchkonform unter Meinungs-, Stimmungs- und Empörungslenkung subsumieren lassen. Abgerechnet wird an anderen Orten und zu anderen Zeiten, aber definitiv dergestalt, wie der unbeleckte Medienkonsument es vermutet oder angesichts des geleisteten Kaufpreises sogar erwartet.

    Nichts davon ist neu oder eine Geheimwissenschaft, jeder kann es (um nur einige zu nennen) bei Gramsci, Gustave Le Bon oder Edward Bernays nachlesen, jeder kann sich heute selbst kostenlos weiterbilden zu Themen wie mediale Fragmentierung, Dekontextualierung, Ablenkung, FUD (fear, uncertainty & doubt) und was sonst noch zum kleinen Einmaleins der Manipulation der Massen gehört. Anno dazumals nannte man es sogar noch unverblühmt 'Propaganda', der einzige Unterschied zum Gestern hierbei liegt in der Bezeichnung, Subtilität und insbesondere der Wirksamkeit dank jahrzehntelanger Erprobung sowie omnipräsenter Tonbilder.

    Teil des Systems sind, wissentlich oder nicht, jene, die nicht müde werden, reflexartig die Parole des politisch Linksstehens der Journalisten als monokausal zu behaupten, als sei der tatsächlich stattfindende Linksshift der einzelnen ausführenden Schreibtischtäter verantwortlich für die staatliche, kontinentale und oftmals auch weltweite Gleichschaltung betreffend Themenauswahl und Darreichung mit Spin, als gäbe es weder Eigentümer, Herausgeber, Ressortleiter, riesige regierungsnahe PR-Stäbe, globale Nachrichtenagenturen oder sonstige Leute mit starken Interessen abseits redlicher Aufklärung.

    So links kann weder der individuelle Tintenstrolch am Schreibpult noch die geschminkte Sprechpuppe vor der Kamera sein zur Erklärung von Phänomenen, die spätestens seit Operation Mockingbird jedem Erwachsen bekannt sein sollten. Hat man erstmal hinter die Kulissen geblickt, weil man zumindest versuchsweise die These aufgriff, es gäbe neben der Massenverdummung über Bildungseinrichtungen eine zweite wirksame Schiene zur systematischen Manipulation der öffentlichen Meinung, dann wird man a) rasch fündig und b) ziemlich ernüchtert, zugleich aber c) im echten Wortsinne medienkompetent.

  • #8

    D.D. (Montag, 14 August 2017 09:09)

    Die 4. "Gewalt" auf ihre Art und Weise heutzutage wäre nicht möglich ohne Absegnung ihres Tuns durch die Gewalten No. 1 - 3.
    Auf die Frage, wie kann alles je wieder anders, wieder normal werden, scheint mir nur mehr als Antwort übrigzubleiben: Durch "Gewalt" No. 5 nämlich durch Krieg. Oder durch die sehr seltene "Gewalt" No.6, die eines Naturereignisses über"gewaltigen" Ausmasses.



  • #9

    Semper ad eventum festinat et in medias res: (Montag, 14 August 2017 13:38)

    https://drive.google.com/file/d/0BytICGBQUiX5OVdlMlJuU1RGOTg/view?usp=sharing

  • #10

    Wilhelm Scheidl (Montag, 14 August 2017 16:45)

    Es ist wirklich interessant festzustellen, welchen gewaltigen technologischen Fortschritt die Menschheit genommen hat. Im Vergleich dazu sind wir geistig degeneriert. Und es dürfte auch stimmen, dass der messbare IQ keine objektiven Schlüsse zulässt, vielleicht ist sogar das Gegenteil von dem der Fall, was man uns erzählt. Die Leute wollen einfach nicht weiter denken, wie auch die Wahrheit niemanden interessiert.
    Zu wünschen bleibt, dass die Leute nach dem Umbruch für die so dringend notwendige Aufklärung zugänglicher sind.

  • #11

    Degeneriert? (Montag, 14 August 2017 18:39)

    https://drive.google.com/open?id=0BytICGBQUiX5bUc1MWVxZlBEblE
    https://drive.google.com/open?id=0BytICGBQUiX5TkUxTWt2M3BzZkE
    https://drive.google.com/open?id=0BytICGBQUiX5VXd1ZmoxOUpYOXc
    https://drive.google.com/open?id=0BytICGBQUiX5VEpvVWxJUmY2ajQ

  • #12

    @ Michael Kohlhaas (Montag, 14 August 2017 18:42)

    Eine äußerst schwache Leistung übrigens!

  • #13

    Oh, (Montag, 14 August 2017 21:41)

    ou!

  • #14

    Euch allen sind die Felle längst (Dienstag, 15 August 2017 16:45)

    davon geschwommen:

    https://drive.google.com/file/d/0BytICGBQUiX5YU82U1hIeDFHOGM/view

    Ihr kämpft in den letzten Atemzügen.

  • #15

    Ach, du meine Güte: (Dienstag, 15 August 2017 16:54)

    „ … der präpotenten Halbbildung, die so viele Medienleute "auszeichnet" …“

    Diese ist bei Politikstern [sic!] noch mal um 50 %-Punkte reduziert.

  • #16

    Was auch die Zeichensetzung beweist. (Dienstag, 15 August 2017 16:57)

    „Ein deutscher Text.“
    „An english Text.“
    "No text, that is math."

  • #17

    Oops, (Dienstag, 15 August 2017 17:03)

    jetzt hab ich deinen Fehler nachgebaut. Nochmals die Korrektur:

    „Ein deutscher Text“ – (99 unten, 66 oben)
    “An english Text” – (66 oben, 99 oben)
    "No text, that is math" – Das allerdings ist
    das Zeichen für Zoll oder Sekunde,
    aber eben kein Anführungszeichen.

  • #18

    Fake News verbreiter Franz (Dienstag, 15 August 2017 23:17)

    Sie sind ein so Hetzer!

    Vor ca. 45 min haben Sie ein angebliches Schreiben vom Innenminister von NRW an die Polizei NRW auf Twitter gepostet (Retweet von Erika Steinbach). https://twitter.com/MD_Franz/status/897556203961815041

    Das Schreiben ist gefälscht, was sowohl das Innenministerium NRW als auch Frau Steinbach (!) zugeben:
    https://twitter.com/IM_NRW/status/897538314235936768
    https://twitter.com/SteinbachErika/status/897543614020046848

    Frau Steinbach hat dies übrigens schon getan (ca. 15 min vorher), bevor Sie ihren Post retweetet haben, also sollten Sie das schon gewusst haben und daher ist klar, was Sie damit bezwecken wollen.

    Wären Sie ein verantwortungsvoller Politiker und ein anständiger und aufrichtiger Mensch, würden Sie sofort eine Richtigstellung veröffentlichen, mal schauen...

  • #19

    Fake News verbreiter Franz (Mittwoch, 16 August 2017 07:55)

    Da der Tweet immer noch da ist und noch keine Richtigstellung trotz besseren Wissens erfolgt ist, kann sich jeder nun selbst denken, was das über Sie aussagt...

  • #20

    #18 & #19 (Samstag, 19 August 2017 02:36)

    Die Kunst ist es einfach, die meisten zu blenden: Dann können die wenigen Bescheid-Wissenden, um’s salopp zu sagen: brausen gehen.