Obama cares?

 

Ex-US-Präsident Obama hat am 13.8. einen Tweet gepostet, der alle Rekorde sprengt: Der kurze Text ist mittlerweile der meistgelikte Tweet aller Zeiten. Das muss hellhörig machen. Zunächst sollte man natürlich wissen, was da drin geschrieben steht. Herr Obama zitiert Nelson Mandela: "No one is born hating another person because of the color of his skin or his background or his religion..." - dazu gibt es wie immer bei Gelegenheiten, die publikumswirksames Pathos erlauben, ein Foto mit ein paar Kindern verschiedener Hautfarbe.

 

Retweets bis die Handys glühen

Der nämliche Tweet wurde von allen Redaktionen der Mainstream-Medien rauf und runter retweetet, gehypt und akklamiert und man hatte zuletzt schon den Eindruck, ein Messias hätte der Erde per Twitter kurz seine Aufwartung gemacht. Dabei war der Anlass von Obamas Wortmeldung ein trauriger: Er postete die Meldung nämlich zu den tragischen Vorfällen in der US-amerikanischen Stadt Charlottesville, wo es bei politisch und rassistisch motivierten Demonstrationen Tote gegeben hat.

 

Obama cares! 

Warum gelingt es einem Ex-Präsidenten, einen solchen medialen Impact zu erzeugen? Und was bedeutet dieser spezielle online veranstaltete "Obamacare" für den amtierenden Präsidenten Trump? Barack Obama beherrscht die Medien-Orgel noch immer perfekt, daran besteht kein Zweifel. Und er ist natürlich der Liebling der institutionalisierten Medien, die von Trump seit dessen Amtsantritt nur harsche Kritik kassieren und ihn daher hassen. Da wollte man sich doch die Gelegenheit nicht entgehen lassen, um sich endlich einmal zu rächen und dem Polterer im Weissen Haus den Herren zu zeigen.

 

Der Präsident hat gesündigt

Trump hat aus der Warte der sich immer nur selber mit der Moralhoheit ausstattenden Presse schon wieder schwer gesündigt: Er hat nach den tödlichen Ereignissen von Charlottesville angeblich zu wenig klare Worte gesprochen und er hat, welch Schande, die Ungeheuerlichkeit begangen, grundsätzlich die "Gewalt von allen Seiten" zu verurteilen anstatt nur diejenige, die von weißen Rassisten ausging. 

 

Da ist es nur folgerichtig, dass man den Friedensnobelpreisträger und Alt-Präsidenten Obama reaktiviert und über seine ausgedehnte Social-Media-Präsenz dem Universum zeigt, was Menschlichkeit und Anstand sind: Ein Tweet mit einem Mandela-Zitat, ein Kinderfoto und reichlich Anschub durch die üblichen, weltweit agierenden gutmenschlichen Unterstützer - besser gehts nicht.

 

Obamas dunkle Taten

Nun ist aber die Person Barack Obama zwar persönlich den meisten Leuten sympathisch, aber als US-Präsident ist er über weite Strecken für hochproblematische Handlungsmuster seiner Administration und seiner Militärs letztverantwortlich gewesen. Und bei diesen Taten waren die jetzt so laut dargestellten Tugenden wie Menschlichkeit und Empathie nicht nur Fremdwörter, sondern gänzlich unbekannt. Übrigens: Dieselben Journalisten und Medien, die in den letzten Tagen Begeisterungsstürme über den Ex-Präsidenten entfachten, waren noch vor zwei, drei Jahren kritische Kommentatoren der gelinde gesagt fragwürdigen Aktivitäten Obamas.

 

Die Defizite der Obama-Administration

Obama hat es nicht nur verabsäumt, entgegen seiner Versprechungen das (rechtsstaatlich betrachtet) wie ein Monument der Schande fungierende Guantanamo zu schließen. Er war darüber hinaus auch für über 500 direkte Tötungsbefehle verantwortlich und  er hat als Präsident achtmal so viele Drohnen-Angriffe wie zuvor Bush jr. angeordnet. Laut offiziellen US-Berichten kamen bei jedem fünften dieser Angriffe definitiv  Zivilisten ums Leben, darunter auch Kinder. Die Zahlen der unbeteiligten Zivilisten unter den Toten gehen laut US-Quellen in die hunderten, die Angaben variieren allerdings.

 

Faktum ist, dass die Tötung von Zivilpersonen als sogenannter "Kollateralschaden" bei dieser neuen Form der Kriegsführung in Kauf genommen wird und dass der Ex-Präsident dies ausdrücklich billigte. Darüber kann man natürlich geteilter Ansicht sein, denn die Rechtfertigung Obamas lautete, dass diese Opfer notwendig waren, um noch mehr Opfer zu verhindern. Aber es bleibt die Tatsache, dass Obama die Verantwortung trägt, auch wenn er sich jetzt noch so mediengerecht mit herzigen Kindern abbilden lässt. Andere Kinder sind dafür tot.

 

Die Meister der Heuchelei

Wie passt das nun alles in das ach so humanistische Bild, das uns dieser Tage vom Ex-Präsidenten vermittelt werden soll, nur um dem amtierenden Präsidenten Trump zu schaden? Ist die penetrante Lobhudelei noch in irgendeiner Weise mit intellektueller Redlichkeit zu vereinbaren? Können sich "kritische" Journalisten von Rang und Namen überhaupt noch in den Spiegel schauen, wenn sie Herrn Obama nun über den grünen Klee loben und den alten Präsidenten als wiedergekehrten Messias hypen, während sie den neuen verdammen als sei er der Inbegriff des Bösen?

 

Ich sage: Nein. Dieser Twitter-Hype um Obama und seine großflächig dargestellte "caring attitude" ist eine der ekelhaftesten medialen Heucheleien, die wir in unserer an tendenziösen und heuchlerischen medialen Aktionen wahrlich nicht armen Zeit in den letzten Jahren miterleben mussten. Man findet eigentlich keine Worte mehr für dieses neuzeitliche Pharisäertum, das die westliche Welt durchdringt wie weiland das Miasma der Pest. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Gereon (Donnerstag, 17 August 2017 11:14)

    Obama hat hunderttausende auf dem Gewissen, wenn nicht Millionen.
    Allein, was er in der Ukraine und in Syrien hat anrichten lassen reicht aus. Und Libyen nicht vergessen.

  • #2

    Gedeon (Donnerstag, 17 August 2017 11:31)

    Aber die Mädels fahren halt auf braun/schwarz ab.
    Was interessiert die das gute oder schlechte Gewissen von Obamacare.

  • #3

    Enka Latineg (Donnerstag, 17 August 2017 12:14)

    Vielen (darunter auch mir) war schon damals unverständlich, warum der damals frisch gewählte Obama als Vorschusslorbeer den Friedensnobelpreis zugeschanzt bekommen mußte. Welche Machenschaften im Hintergrund dafür vertantwortlich waren wird wohl die Geschichtsschreibung nach unserem Ableben erst veröffentlichen dürfen. Für mich war dieser Mann von Anfang an ein Blender.

    Dieser Auszeichnung direkt entgegengesetzte Aktionen des seinerzeitigen Präsidenten verwunderten, verstörten und erzürnen noch heute viele selbstdenkende Menschen in aller Welt. Die Taten sind hinreichend bekannt und eine hohe Dunkelziffer steht noch zu befürchten.
    Warum er immer brav als "Präsident" und immer noch als "Ex-Präsident" tituliert wurde und wird, im gleichen Zuge aber Herr Putin manchmal, Herr Assad permanent als "Machthaber" bezeichnet werden , kann nur im Meinungsdiktat der weisungsgebundenen Journalisten und Journalistinnen halbwegs eine Erklärung finden.

    Aber hatte nicht schon vor über 70 Jahren "Machthaber" Truman die Kollateralschäden zweier über besiedelten Städten zur Explosion gebrachter Nuklearsprengsätze (übrigens bislang die einzigen derartigen auf tausende von Menschen abgeworfenen überhaupt) als entscheidend kriegsbeendend und deshalb ein Vielfaches an Leben rettend ins Feld geführt? Immerhin bekam dieser President keine Nobelwürden, weder vorher, noch hinterher.

    Das Buch "Die Psychologie der Massen" von Gustave le Bon vor über 100 Jahren bereits verfasst, beschreibt deutlich, wieso die Leute immer wieder den Rattenfängern aller möglichen Couleur nachleufen werden. Leider!

  • #4

    Wie kommen Politiker von (Samstag, 19 August 2017 02:29)

    kriegsführenden Staaten überhaupt zu einem Friedensnobelscheiß?