Das wirkliche Problem der westlichen Frauen

 

Die Überwindung der naturgegebenen Bestimmung, dass Frauen die Kinder bekommen, ist das erklärte Ziel vieler Hardcore-Feministinnen. Die Engländerin Laurie Penny ist eine Vorreiterin dieses Anliegens, sie fordert vehement die Entwicklung eines künstlichen, maschinellen Uterus. Aus ihrer Sicht kann "frau" nur frei sein, wenn die lästige Tatsache von Schwangerschaft, Geburt und letztlich auch Säuglingsversorgung und Aufzucht der Kleinkinder von der Frau weg hin zu den Maschinen verlagert wird. Erst dann hätte die Frau die wirklich freie Wahl zwischen Mutterschaft und Karriere.

 

Kinder als Karriere-Killer

Das klingt nach einer horriblen technokratisch-feministischen Utopie und wird es vermutlich auch bleiben. Trotzdem berührt Laurie Penny mit dieser ihrer provokanten Forderung natürlich ein zentrales Problem unserer Zeit: Die westlichen Frauen bekommen keine Kinder mehr. Der Zeitgeist ist zum Kinderfeind geworden. Die Hauptursache dieses Phänomens liegt darin, dass Schwangerschaft, Geburt und überhaupt das Kinderhaben von vielen jungen Frauen (und freilich auch von vielen Männern) zunächst als belastend, behindernd und einengend empfunden werden. Kinder gelten als Karriere-Killer und als Störfaktoren bei der Ausbildung und der sogenannten Selbstverwirklichung. 

 

Geburtenrate und Gebär-Alter

Nicht nur die Geburtenrate ist deswegen dramatisch gesunken und liegt heute bei nur noch etwa 1,4 Kinder pro Frau, sondern auch das Alter der Erstgebärenden hat sich in den letzten 30 Jahren dramatisch verändert: Bekamen die Frauen in den 70er Jahren noch mit Anfang 20 ihr erstes Kind, so sind die Frauen bei der ersten Geburt heute durchschnittlich um die 30 Jahre alt. Die einzigen, die ihre Kinder noch überdurchschnittlich oft in jungen Jahren bekommen, sind die Frauen aus bildungsfernen Schichten und die Migrantinnen.

 

Der faktische Grund für die späte Geburt ist naheliegend: Die Frauen wollen ihre Ausbildungen beenden, sie  wollen Berufserfahrung sammeln und sie möchten Karriere machen oder zumindest eine beginnen, bevor sie überlegen, ob sie überhaupt Kinder bekommen. Diese im Individualfall stets nachvollziehbare Lebensplanung beinhaltet nachweislich, dass Akademikerinnen deutlich weniger Kinder bekommen als nicht so gut ausgebildete Frauen.

 

Studium als Verhütungsmittel

Ein höherer Bildungsgrad ist also de facto ein Verhütungsmittel für sich und beeinflusst die Geburtenrate auf eine subtil negative Weise. Die weiteren Implikationen dieser Entwicklung sind krass: Kinderhaben wird zunehmend zum Unterschichtphänomen und gebildete Frauen mit Kindern werden zu Ausnahmefällen. Das hat natürlich langfristig auch entsprechende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Gesellschaft.

 

Verhütung und Abtreibung

Die mittlerweile schon über 50 Jahre alte Antibaby-Pille und eine Reihe von anderen modernen Verhütungsmethoden machte diese negativen Trends erst möglich. Leider muss man auch die Liberalisierung der Abtreibung in die Reihe dieser die Frauen angeblich "befreienden" Entwicklungen stellen. Der völlig freie, ja rechtlich abgesicherte Zugang zur Abtreibung, die nur noch als "rein medizinischer Eingriff" gelten soll, ist übrigens ein Hauptanliegen progressiver westlicher Frauenpolitik. Die ohnehin von einer extrem niedrigen Geburtenrate gezeichnete EU geriert sich hier als Vorkämpferin für eine zum erklärten Frauenrecht umgemünzte  "Abtreibung für alle". 

 

Die "alten Mütter"

Doch zurück zu den "alten Müttern". Die Tatsache, dass das erste Kind heute erst bei den schon 30-jährigen Frauen kommt, ist für sich betrachtet nicht schlimm. Mit 30 sind die physiologischen Voraussetzungen für Schwangerschaft und Geburt noch völlig intakt. Das Problem ist das zweite und überhaupt das dritte Kind: Das Zeitfenster für die weiteren Kinder wird nämlich ab 30 rasch sehr eng und ist ab 35 durch die dann nachweislich rapide sinkende Fruchtbarkeit nur noch einen Spalt weit offen. Anders gesagt: Das späte Gebäralter ist dann ein Thema, wenn man mehr als ein Kind haben will.

 

Das große Problem der westlichen Frau besteht heute also nicht (nur) in der andauernd kritisierten Doppelbelastung aufgrund von Mutterschaft und Beruf, sondern ganz massiv auch aus der geschilderten biologischen Gegebenheit der Fertilitätsabnahme. Was für viele Frauen mit 20 oder 25 in weiter Ferne scheint und in diesem Alter daher nicht entschieden wird, das wird ab Mitte 30 oft und rasant zu einem beherrschenden Problem: Wie schnell kommt das Wunschkind und geht sich noch ein zweites aus? Dieses Bangen kann das Dasein überschatten. Die Entscheidung, keine Kinder haben zu wollen, ist nämlich die große Ausnahme: Nur ca. 10-20% aller Frauen schließen für sich den Kinderwunsch definitiv aus. Diese Zahlen sind in fast allen Umfragen relativ stabil.

 

Befreiung als Bumerang

Was als sexuelle und karrieremäßige Befreiung erscheint, wird somit für viele Frauen zum Bumerang. Flächendeckende Verhütung in jungen Jahren und ein total permissiver, ungehinderter und womöglich auch kostenloser Zugang zur überall verharmlosten Abtreibung wird oft bitter bereut, wenn man den Kinderwunsch chronologisch hintan stellt und dauernd vermittelt bekommt, dass Kinderkriegen nur dann dem Zeitgeist entspricht, wenn man eine Berufsausbildung und einen Job hat, den man vor dem Kinderkriegen wenigstens ein paar Jahre erfüllt. Das Perfide an diesem Zeitgeistphänomen ist, dass der Kinderwunsch dadurch zum unerfüllten Traum werden kann, der viele Frauen ab Mitte 30 in durchaus krisenhafte persönliche Situationen stürzt.

 

Die Krise des Feminismus  

Der Feminismus nimmt sich dieser hier diskutierten Frage kaum an, weil er die Mutterschaft als eine Art Todfeindin der freien Frau sieht. Das ist der Kern und der haarsträubende Irrsinn, der dieser ganzen Bewegung innewohnt, die sich angeblich der Besserstellung der Frau gewidmet hat und heute doch nur mehr ein Selbstzweck ist.

 

Würden sich die lauthals für "die Sache der Frau" eintretenden Damen konkret dafür einsetzen, dass Mutterschaft in jungen Jahren auch für in Ausbildung befindliche Frauen, Studentinnen und Berufsanfängerinnen ein legitimes, leistbares und machbares Ziel ist, wäre mehr Frauen geholfen als wenn wir in der Politik ständig über Frauenquoten diskutieren müssen, die nach aktuellen Umfragen ohnehin fast keine Frau interessieren.

 

 

 

 

 

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Kommentare: 10
  • #1

    Martin H. (Montag, 28 August 2017 09:43)

    Ob dieses Verhalten nur in der Ausbildung und dem Karrierewahnsinn begründet ist, möchte ich bezweifeln.
    Viele öfter dürfte der Wunsch nach sexuellem Ausleben mit möglichst vielen Partnern die Ursache sein. Spätestens wenn die biologisch Uhr tickt, wird der solvente Versorger gesucht und immer weniger gefunden. Ja auch die Männer lernen dazu, siehe MGTOW.
    Für die Angehörigen der unteren Schichten sind Kinder oft eine Ergänzung zum (Erwerbs)einkommen.

  • #2

    Diederich Heßling (Montag, 28 August 2017 10:15)

    Lieber Herr Dr. Franz!
    Das ist nicht das Problem der westlichen Frauen...Die westlichen Frauen sind das Problem!

  • #3

    Barbara Genge (Montag, 28 August 2017 11:37)

    Das Problem ist die westliche Frau UND der westliche Mann UND die westlichen Großeltern.
    1. Kinder brauchen zur gesunden Entfaltung 24-Studen die Mutter im Alter von 0-3 Jahren und 10 Stunden die Mutter und Geschwister von 3-6 Jahren.
    Den Vater brauchen sie vermehrt ab 3 Jahren, Geschwister brauchen sie so viele, wie es die finanzielle Situation der Familie (Geld vom Vater, von wohlhabenden Großeltern) zulässt.
    2. Kinder brauchen Erziehung. Erziehung ist sehr sehr konsequentes Handeln vom ersten Lebenstag und auf keinen Fall verschieden durch Mutter und Vater.
    3. Mütter brauchen Zeit und nochmals Zeit für den Mann, die Kinder, den Haushalt. Familie und Beruf führt immer zum Schaden der Kinder, des Mannes, der Mütter.
    4. Väter brauchen eine gute Ausbildung und ein Einkommen, das nicht zu 20% vom Arbeitgeber verweigert und zu 50% vom Staat gestohlen wird.
    5. Großeltern sollen ihre Enkelkinder nicht mit schädlichem Überfluss an materiellen Konsum-Dingen überschütten, ohnehin meist für das Selbst-Gut-sein-Gefühl trotz fehlender Zeit, fehlender sinnvoller Beschäftigung mit den Enkelkindern.
    Wichtigste Voraussetzung für alles Genannte ist die Beendigung der Pubertät mit 17 Jahren und ein ernsthaftes, verantwortungsvolles Erwachsenenleben ab 17 Jahren und davon sind wir "Westlichen" leider meilenweit entfernt.

  • #4

    Diederich Heßling (Montag, 28 August 2017 11:54)

    @ Barbara Genge
    Chapeau!

  • #5

    Martin H. (Montag, 28 August 2017 13:01)

    @ Barbara Genge,
    das nennt man Familie und ist von den "Eliten" nicht gewünscht.

  • #6

    D.D. (Montag, 28 August 2017 19:15)

    Zur Krise des westlichen Mannes, sorry der westlichen Frau:
    Grenzen auf, raus aus der Kohle, Schluss mit dem Diesel....

    https://www.compact-online.de/das-heimliche-politbuero/

    Und mal ganz nebenbei Leute: Wie fühlt er sich eigentlich so für Euch an, der linksliberalgrüne Trip Richtung neue grosse Freiheit, Vielfalt, die Fahrt ins prickelnd Bunte? So war doch die Losung, die aufgezeichnete Perspektive! Schon mal einen Zipfel davon zu sehen bekommen?Blühende Landschaften, oder so....?
    Haben wir alle "unsere Hausaufgaben gemacht", wie H.K. es immer anmahnte, haben wir uns genug "Mühe gegeben" für den jetzigen Freiheitstripp?
    Oder wars einfach nur heisse Luft, eine Fata Morgana, die wir sahen?
    https://de.gatestoneinstitute.org/10907/dschihadisten-spanien-finnland
    Zu tolerant und offen zu Unbekannten gewesen? Blind Empathie drauflos praktiziert? Die EU taumelt. Und das soll der bessere, weibliche multigender Weg bisher gewesen sein? Mir sieht das eher nach einem Hochgeschwindigkeitszug ins Nirgendwo aus.
    Time to say Good-bye.








  • #7

    ´alte´ Frau (Montag, 28 August 2017 20:21)

    Das durchschnittliche Alter bei der letzten Periodenblutung liegt bei 51–52 Jahren. Aber auch eine frühere Menopause ab dem 45. Lebensjahr gilt als normal. Bis zum 55. Lebensjahr sind fast alle Frauen in den Wechseljahren. Nur bei etwa 1% der Frauen tritt die Menopause sehr früh, noch vor dem 40. Lebensjahr, ein (prämature Ovarialinsuffizienz = vorzeitige Wechseljahre). Wegen der starken erblichen Komponente liegt das eigene Alter bei der Menopause häufig nahe bei dem Alter, das Mutter oder Schwester bei ihrer Menopause hatten/haben.

  • #8

    Martin H. (Dienstag, 29 August 2017 14:43)

    Seien wir doch froh, daß der Feminismus so ist wie er ist. Damit befreit er auch die Männer von der lästigen Pflicht Frauen zu versorgen.
    Spätestens nach dem letzten Weckruf der biologischen Uhr ist es für die erfolgreichen und selbstständigen Frauen zu spät.

  • #9

    Du hast ja noch vor kurzem „Wir brauchen die Eliten“ (Dienstag, 29 August 2017 22:02)

    propagiert. Und jetzt möchtest du, dass die Daminen nicht mehr studieren? Hehe, eine Herrengesellschaft. Herrrrrrlich!

  • #10

    Das wirkliche Problem der Wiener Männer: Gicht. (Dienstag, 29 August 2017 22:46)

    Falco hatte keinen Autounfall, der Typ hatte die Gicht: https://www.youtube.com/watch?v=sJ3kDRol39E&feature=youtu.be&t=523