It`s the family, stupid!

Dieser Text richtet sich an alle unter 40. Vorwiegend jedenfalls. Wenn diesen Artikel meine Altersgenossen (50 plus) auch lesen, umso besser. Denn die sind sekundär ebenfalls betroffen. Oder besser gesagt, die sind in gewisser Weise sogar ursächlich und verantwortlich in die Thematik involviert.

 

Worum es geht: In Zukunft könnte es in Österreich so viele Omas und Opas geben wie nie zuvor. Ich sage: Könnte. Denn dieser grundsätzlich erfreuliche Fall tritt nur dann ein, wenn die Jungen (also die Leute unter 40) sich aufraffen und ein neues Faible und neuen Mut für Familie und Nachwuchs entwickeln.

Falls sie das tun, hätten sie nämlich einen ganz entscheidenen Vorteil gegenüber den früheren Generationen: Sie könnten ihre Kinder im Bedarfsfall einer Heerschar von fitten und langlebigen Omas und Opas anvertrauen, die selber als Eltern nur relativ wenig Zeit und Geld ins Kinder-Bekommen und in die Kindererziehung investiert haben. Da gibt es, um es vorsichtig auszudrücken, ein historisches Manko und aus diesem heraus ein gewaltiges soziales und familiäres Wiedergutmachungspotenzial, das der jetzigen jungen Generation zugute kommen könnte - ja, dies sogar sollte.

Unsere Geburtenrate "grundelt" seit den 70ern unter der Erhaltungsgrenze, sie liegt derzeit bei 1,44 Kinder/Frau. Dass mit dieser Rate langfristig keine Nation überleben kann, ist bereits Allgemeinwissen. Die Babyboomer, also die geburtsstarken Jahrgänge aus den 60ern, waren ironischerweise selber nicht besonders baby-affin und sehr wenig vermehrungsfreudig. Vor allem die Ein-Kind-Familie und zum Glück auch grad noch die Zwei-Kind-Familie waren über Jahrzehnte das Ideal der Babyboomer. Viele entschieden sich aus hedonistischen Gründen überhaupt gegen die Familien (man nannte und nennt das Selbstverwirklichung).

Die Ursachen für diese Entwicklung sind allgemein bekannt: Die Erfindung der Pille und die damit zusammenhängende "neue Freiheit der Frau" sowie die gesellschaftlichen Umwälzungen nach der 68er Revolte ermöglichten diese - historisch betrachtet - völlig neuen Verhältnisse.

Hinzu kommt noch unsere exzessiv gestiegene Lebenserwartung. Diese übt auf die durch die niedrige Geburtenrate bedingten negativen demografischen Veränderungen einen zusätzlich verstärkenden Einfluss aus. Wir alle kennen bereits zur Genüge die aus der aktuellen, altenlastigen Demografie entstandene Pensionsproblematik und die damit zusammenhängenden Reformnotwendigkeiten.

Mir geht es aber hier um etwas anderes. Wie schon oben erwähnt bietet die aus der Überalterung entstandene Armee der potenziellen Großeltern den Jungen eine Riesen-Chance. Diese Option könnte in weiterer Folge auch den zukünftigen Alten mehr Lebenssinn und Daseinsfreude geben: Wenn es uns nämlich gesellschaftspolitisch gelingt, die Wertigkeit von Familie und Kindern wieder auf jenes Level zu heben, das ihr gebührt, dann könnten Alt und Jung freudigen und mit Leben erfüllten Zeiten entgegenblicken. Die klassische Familie mit Vater, Mutter Kind(ern) ist die wichtigste Struktur jeder Gesellschaft, das haben viele von uns vergessen.  Viele behaupten sogar, die Zeiten der Familie wären vorbei - das ist natürlich Unsinn.

Um die Keimzelle "Familie" zu reaktivieren, brauchen wir einfach mehr Kinder und mehr Willen, Verantwortung für diese Kinder zu tragen. Und natürlich braucht es ein gesellschaftliches Umdenken: Die wahre Selbstverwirklichung und der tiefe Sinn des Lebens liegen nicht (nur) im Hier und Jetzt, sondern vor allem in der Weitergabe dieses Lebens.

Drum, ihr Jungen, seid mutig und gründet Familien! Auch wenn die möglichen Mamas und Papas heute fast alle berufstätig sind - das ist keine Ausrede. Denn für Eure Eltern, die alternden Babyboomer, gilt ganz klar der Aufruf: Gebt eurem Altern einen Sinn, fördert das neue Leben und die jungen Familien und übernehmt mit den Jungen gemeinsam die Verantwortung für deren Kinder - es sind immerhin eure Enkel!

(Anmerkung: Der Autor ist 53 und selbst 3-facher Vater)

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Kommentare: 9
  • #1

    Martin H. (Montag, 12 September 2016 10:13)

    Leider ist der Artikel auf halbem Wege stecken geblieben. Da fehlt die vermurkste Gleichberechtigung, bzw. Gleichverpflichtung der Frauen.
    Das derzeitige Familienrecht und die dazugehörige Rechtsprechung ist aus ideologischen Gründen extrem männerfeindlich. Warum soll sich ein junger Mann in die zweifache Gefahr durch Ehe und Kinder bringen bei einer Scheidungsrate von +50%? Diese Scheidungen gehen zu gut 70% von den Frauen aus. In der Ehe darf der Mann kein Familienernährer mehr sein, aber nach der Scheidung wird ihm ganz selbstverständlich die Rolle des Familienernährers zugeschoben, wenn möglich auf Lebenszeit.
    Dadurch wird gerade die klassische Familie zerstört und ein Heer von Allein(v)erziehenden geschaffen. Cui pono?
    Wer hat denn die jungen Frauen so indoktriniert, daß sie in den meisten Männern nur noch den Supporter fürs Partymachen, den Samenspender und abschließend den Zahlesel sehen?
    Warum jammern die Regierenden über die sinkende Geburtenrate? Geht es ihnen um das marode Sozialsystem und das Pensionssystem? Diese Systeme sind eigentlich Pyramidenspielsysteme und diese sind nicht ohne Grund verboten.
    Früher war die Ehe und die Familie ein Gewinn für Mann und Frau, aber heute kann ein Mann dabei nur noch verlieren.
    Solange diese Ungleichheiten bestehen, ist jeder junge Mann gut beraten, wenn er es mit Ehe und Familie sein läßt und auf MGTOW macht. Je mehr es machen, umso schneller wird sich das System ändern.
    Solange diese

  • #2

    Michael Liebe (Montag, 12 September 2016 10:32)

    Das alles ist natürlich barer Unsinn. Keine Eltern würden wildfremden kinderlosen "Omas und Opas" ihre Kinder anvertrauen, sondern ihren eigenen Eltern. Hier im Artikel geht es darum, die Jungen als Rentenzahler im Land zu halten. Das wird so aber nicht gelingen. Basis wäre, die umlagefinanzierte Rente füe Kindrelose ab einem gewissen Alter, wenn keine Kinder mehr zu erwarten sind, in eine Art Rentenversicherung umzuwandeln. Und übrigens: Frauen werden von der Wirtschaft immer mehr ins Arbeitsleben gepresst, damit Produkt und Konsum steigen. Deshalb gibt es immer weniger Kinder.
    Fazit: Keine Kinder zu haben ist vorgezogener Konsum, also ein Kredit, den die Kinderlosen für ihr Alter aufnehmen. Sollen sie ihn dann zurückzahlen, wollen sie das auch noch den übriggebliebenen Kindern aufbürden. Pfui.

  • #3

    Martin H. (Montag, 12 September 2016 10:52)

    @Michael Liebe
    Besonders abscheulich finde ich die Spaltung der Gesellschaft in Kinderhabende und Kinderlose. Wenn schon eine Umstellung der Rentenfinanzierung erfolgen soll, dann für Alle.

  • #4

    @Martin H. (Montag, 12 September 2016 10:55)

    Diese Spaltung ist längst erfolgt. Und was stellen Sie sich unter der Umstellung der Rentenfinanzierung für Alle vor? Welche Änderungen würden Sie vornehmen?

  • #5

    Antonia Barthel (Montag, 12 September 2016 10:58)

    Die Einwämde meiner vorangegnagenen Kommentatoren sind ja richtig, bringen aber nicht weiter. Es gibt genug Anlaß zur Bitterkeit, ja. Aber sie ist destruktiv. Mein Mann und ich haben 6 Kinder und (bisher) 8 Enkel. Ja, wir hatten dadurch wenig Chancen, ein Vermögen aufzubauen, und sind noch voll im selbständigen Erwerbsleben. Durch die Kinder hatte ich - trotz gute Ausbildung und bester Beurteilungen - nachher keine Chance auf eine Anstellung. Macht nichts, ich hab eine kleine Firma gegründet, die gut läuft und in der wir beide mit ein paar freien Mitarbeitern mit großem Engagement arbeiten. Wir haben des öfteren Enkelkinder hier, und halten unseren Kindern den Rücken frei, wenn sie es brauchen. Haben wir beim besten Willen keine Zeit, ist irgendeins unserer Kinder zur Stelle und nimmt die Kleinen. Da ist dann richtig Leben in der Bude und wenn wir die Racker haben, macht das Spaß und Freude. Klar, müssen wir dann nacharbeiten. Aber wir finden das wunderbar. Wir sind zwar noch nicht im Pensionsalter, mein Mann aber kurz davor. Wir wissen, daß unsere Generation wenig Rente bekommen wird, bei entsprechend schlechter Entwicklung der Gesamtlage vielleicht gar keine. Und auch dann gehen uns die Ideen nicht aus, was wir machen können. Als große Familie ist man eben nie allein.

  • #6

    Michael Liebe (Montag, 12 September 2016 11:14)

    Und das ist Ihr Konzept für Ihr Alter? Zu wissen, daß unsere Generation wenig Rente bekommen wird, bei entsprechend schlechter Entwicklung der Gesamtlage vielleicht gar keine? Nix für ungut, aber das ist Quatsch.
    Also nochmal: Keine Kinder zu haben bedeutet, dass man für sich selbst viel Geld zur Verfügung hat. Das wird dann für ein schönes Leben ausgegeben. Also vorgezogener Konsum auf Kredit im Alter. Tatsächlich ist es doch so, dass immer mehr alten Kinderlosen klar wird, dass ihr Lebenskonzept einen Haken hat: Bis 65 ist es ein alternatives Lebenskonzept, danach aber will man das alte Lebenskonzept haben: Die folgende Generation zahlt. Funktioniert aber nicht, weil dieses alte Konzept lautet: Kinder zahlen für ihre Eltern.

  • #7

    Michael Liebe (Montag, 12 September 2016 11:17)

    Vielleicht noch zur Veranschaulichung: In meinem Bekanntenkreis gibt es Familien, bei denen auf 4 zukünftige Rentenbezieher einen Nachkommen gibt, der einzahlt. Wie soll das gehen? Eben, gar nicht. Und was man nun noch verstehen muss, ist, das im Großen nicht funktionieren kann, was im Kleinen nicht funktioniert.

  • #8

    Martin H. (Montag, 12 September 2016 13:29)

    @#4
    Der Beginn der Spaltung hat begonnen. Dieser Prozeß kann vielleicht noch gestoppt werden. Ansonst muß die Gesellschaft die Entwicklung durchlaufen.
    Für die Finanzierung des Pensionssystems kann ich mir in Zukunft nur zwei Modelle vorstellen:
    1. Ein kapitalstockbasierendes System aus staatlich kontrollierter Versicherung, Privatversicherung und Betriebspensionssystem, oder
    2. eine Volkspension, die über eine Mehrwertssteuererhöhung finanziert wird und zusätzlicher privater Vorsorge auf freiwilliger Basis.

    @#5
    Mit keiner oder wenig Rente könnte ich mich abfinden, aber nur wenn ich nichts oder nur sehr wenig ins System eingezahlt hätte.

    @Michael Liebe #7
    Natürlich kann unser Pyramidenspielpensionssystem nicht funktionieren, deshalb ist jeder Tag, der ungenutzt verstreicht, ein Verbrechen.
    Die Systeme gehören sofort umgestellt.

  • #9

    Georg H (Dienstag, 13 September 2016 22:54)

    Ich höre in solchen Diskussionen immer von kapitalertragsbasierten Pensionssystemen als Alternative. Ich denke man muss sich das genauer anschauen. Der einzige Vorteil dieser Aktien- und Anleihen-basierten Systeme ist ihre Internationalisierung sonst nichts. Ich schliesse hier an den oben (von Martin H) genannten Begriff des Pyramidenspiels an. Man erweitert das Pyramidenspiel und wendet so kurzfristig seinen Kollaps ab. Jeder Pyramidenspieler lädt seine Freunde zum Mitspielen ein um weiter aufzusteigen, das war immer schon so und ist der Kern dieses Spiels.
    Man kaufe also in jungen Jahren Aktien, die man dann im Alter wieder verkauft. Tolle Idee, aber an wen? An die Kinder natürlich! Die anderen Alten wollen auch verkaufen. Wenn man also keine Kinder hat oder die Kinder der anderen durch die fiskale Schröpfung oder ein Leben im Präkariat keine Kaufkraft mehr haben, ist man wieder am Anfang. Man kann von diesen Aktien nicht abbeissen und der Heizwert ist gering. Einziger Unterschied ist, dass man den Konsum nicht vorgezogen hat, wie Michael Liebe das oben nennt, sondern das Geld gegen später wertloses Papier getauscht hat.
    Da bleibt eben nur die Globalisierung, das haben wir Europäer immer gemacht, wenn wenn wir über unserer Verhältnisse leben wollten. Wir versuchen also unsere Aktien im Alter ägyptischen, indischen oder brasilianischen Kindern anzudrehehen. So wie die US Rentner uns Ihre angedreht haben. Ob sich das aber beim derzeitigen Wirtschaftswachstum der Schwellenländer ausgehen wird, ist mehr als fraglich.

    Man kommt also zum erstaunlichen Ergebnis dass auch unsere Generation, wie die 10.000 Generationen davor im Alter von ihren Kindern leben wird. Die Zahl und Kaufkraft dieser Kinder ergibt also unsere zukünftige Lebensbasis. Die Migration kann hier also das Kinderdefizit nur ausgleichen, wenn die Kaufkraft der Migranten und die deren Kindern dafür ausreichend ist, wofür es derzeit wenig Anzeichen gibt.