Die Krise der westlichen Männer

 

Die Pille kam, der Patriarch ging. Die Krise des abendländischen Mannes wurde nicht mit dem Kampf um die Gleichberechtigung und dem Beginn des Feminismus in Form der Sufragetten-Bewegung zur Realität, sondern erst mit der Erfindung der oralen Kontrazeption, umgangssprachlich "Pille" genannt.

 

Die Empfängnisverhütung änderte alles

Als die Frauen die Kontrolle über die Empfängnis erlangten, bedeutete dies  den jederzeit möglichen Ausbruch aus ihrer biologischen Bestimmtheit, zumindest aber den Gewinn einer gewissen Macht über dieselbe. Das hat Folgen, die bis heute unvermindert nachhallen und die Gesellschaft prägen.

Die sexuelle Revolution und der Umbruch der Rollenbilder in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte nur stattfinden, weil den Frauen dieses Instrument in die Hand gegeben wurde. Die großflächig eingesetzte "Empfängnisverhütung" änderte alles. 

 

Die Zerstörung der Familie

In Union mit dem nach der 68er Revolution tief in die Gesellschaft hineingetrieben kultursozialistischen Ziel der Gleichheit und durch die gewollte Erosion der familiären Strukturen geriet die über Jahrtausende unangetastete Position des Mannes als Ernährer, Beschützer und Erhalter der Familie und somit auch der Frau zunehmend unter Beschuss. Die sogenannten "männlichen Bastionen" wurden samt und sonders gestürmt und gesetzliche Grundlagen wie der Gleichheitsgrundsatz und die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau schufen ein Fundament, auf dem sich die Frauen offenbar schneller ihr neues Selbstbild errichten als die Männer ihr traditionelles an dasselbe anpassen konnten.

 

Durch den Furor der Gleichstellung entstanden völlig neue Phänomene. Die noch nie dagewesene geänderte Identitätsfindung und -bildung der Frau setzte die Männer unter Druck. Weil der starke Mann und der Patriarch  von den Feministinnen der frühen Jahre zunächst angefeindet und dann nur noch belächelt, ja lächerlich gemacht wurde und der nunmehr zum abfällig "Macho" genannten Archetypus transformierte Mann lange eher für die Karikatur taugte denn als Rolle für den Alltag, mussten die männlichen Abendländer sich neu definieren. 

 

Das neue Bild des Mannes

Die neue Selbstdefinition scheint aber noch immer nicht endgültig gelungen zu sein: Der 68er Hippie hat sich nicht sehr lange bewährt, seine Wiedergänger wirken heute nur mehr verstaubt und Mitleid erregend. Die Devise "Make Love not War" hat zwar die Promiskuität beider Geschlechter legitimiert, aber auch einen weiteren Archetypus des Mannes, nämlich den "Krieger" zum Auslaufmodell erklärt. 

 

Weitere Definitionsversuche folgten: Der Yuppie und der Softie sind die zwar kurz modern gewesenen, aber längst nicht mehr entsprechenden Typen der 80er und 90er. Der Metrosexuelle war auch nur ein Strohfeuer und der Bobo und die sich mittlerweile in diverse Typologien aufspaltenden beliebigen Rollenbilder der Nuller und der 10er Jahre (vulgo die Millennials) erscheinen   wie verzweifelte Versuche, im Rahmen der Gleichheit von Mann und Frau nur ja nicht zu stark als Mann aufzufallen.

 

Nur nicht zu sehr Mann sein

Es ging lange Zeit gar nicht gut, wenn man sein Dasein als XY-chromosomal typisierter Mensch zu sehr in den Vordergrund stellt, da war der Feminismus und die eigene Irritation zu hinderlich. Lieber wollten wir die Ganzkörper-Rasur und den Lidstrich auch für die Männer zum Standard machen als dass wir in irgend einer Weise zu stark an den traditionellen Mann von früher erinnern. Das war die Devise und ist sie noch immer. Eine Ausnahme stellt der Hipster-Bart dar. Der darf  sein, weil er ja ohnehin nur eine Paraphrase auf wildere Zeiten ist.

 

Kommt der Mann wieder?

Natürlich kann man den Bart auch als ein Revival alter Muster betrachten und als ein Desiderat, das durchaus auch von den Frauen gewünscht ist, weil ihnen die gar zu neutralen und glatten, immer femininer werdenden Männer schön langsam auf die Nerven gehen. Vielleicht ist der Hipster-Vollbart das erste Anzeichen dafür, dass der Feminismus seine Kinder frisst, wer weiß?

 

Das Hochfest der Homosexualität

Ein weiteres interessantes Kennzeichen der Männer-Krise ist die Homosexualität, die heutzutage förmlich gefeiert wird und durchwegs als trendy gilt. Wer heute als Mann nicht zumindest ein bisschen schwul ist oder laut ausgesprochene Sympathien dafür hat, der ist unmodern und irgendwie verdächtig. Natürlich kommt dieses neue Phänomen auch im Namen der Gleichheit daher und die Homosexuellen wollen die Gleichstellung in allen Lebensbereichen inklusive Kinderkriegen.

 

Diesen chronischen Hype um die männliche Homosexualität muss man aber näher beleuchten, weil da könnte auch etwas anderes dahinter stecken: Die Homosexualität von Männern stellt ja im Grunde die tiefste Misogynie dar, die man sich nur vorstellen kann. Welche größere Schmach kann eine Frau erfahren als sexuell von einem Mann überhaupt nicht als Frau begehrt zu werden, ja nicht einmal das leiseste Gefallen bei diesem Mann zu verursachen? Die provokante Frage lautet: Ist das in den letzten Jahren aufgepoppte und andauernde Hochfest der Homosexualität also in Wirklichkeit die perfide Rache des Mannes an der Frau?

 

Darüber sollte man noch eingehend nachdenken. Vor allem die Frauen sollten dies tun - und irgendwie tun sie es offenbar bereits schon: Es ist auffällig, dass Frauen oft demonstrative Sympathien für Schwule zeigen und gerne Männer aus diesen Kreisen als "gute Freunde" haben. Ob da nicht vielleicht die Neugier, warum ein Mann so gar nicht "anspringt" und ein geheimer Wille zur Verführung dieses den weiblichen Reizen gegenüber Resistenten dahinterstecken? 

 

Der Backlash kommt

Überhaupt mehren sich die Anzeichen, dass ein Backlash bevorsteht und die Frau nach den Jahrzehnten des Geschlechterkampfes wieder auf der Suche nach dem dominanten Mann ist . Als der Film "50 Shades of Grey" alle Kassenrekorde sprengte, lag das vor allem daran, dass sowohl das nämliche Buch wie der nachfolgende Film fast nur von Frauen konsumiert wurde. Und das wiederum wurde dahingehend interpretiert, weil die männliche Hauptrolle so angelegt war, dass ein Mann in allen Lebenslagen eine Frau beherrschte und diese Frau das auch wollte. Nicht umsonst haben die mittlerweile etwas derangiert wirkenden Feministinnen vor lauter Empörung über den Film und seine Sujets keine valide Erklärung für dieses Phänomen zustande gebracht. Die Entrüstung war aber demaskierend: Vermutlich ist die Zeit des Feminismus vorbei - und seine ermüdeten Kämpferinnen spüren das.

 

Die Realität sieht anders aus

Auch wenn staatlich alimentierte Frauenrechtlerinnen in allen Parteien aus Gründen der eigenen Daseinsberechtigung immer noch Gender-Kämpfe führen und die Frauen im permanenten Nachteil sehen, ist die Realität ganz anders. Die Frau hat ihre neuen Positionen längst gefestigt und lässt deswegen wieder mehr weibliche Haltungen zu. Der Feminismus ist der Mehrheit der Frauen relativ egal, das kann man in praktisch allen Umfragen und soziologischen Studien nachlesen.

 

Diese aktuell zu beobachtenden neuen Haltungen der Frauen haben durchaus etwas mit althergebrachten Rollenbildern und neuem Selbstbewusstsein zu tun und das berührt immer auch eine zentrale  Frage der Frau: Nämlich die der Familie und des Nachwuchses. Man muss ja als Frau kein Heimchen am Herd sein, wenn man sich einen starken Mann wünscht, der potenziell auch für guten Nachwuchs sorgen und für diesen gut sorgen kann, ganz im Gegenteil. Und der abendländische Mann muss  sich nicht in die Rolle eines feminisierten und naiv dauerlächelnden Papas werfen, der am liebsten eine männliche Form der Mutter darstellt. Auch hier gilt das Gegenteil. Wer braucht Männer, die die besseren Mütter sein wollen?

 

Die Frau macht den Mann

Die Redefinition des abendländischen Mannes geschieht also in Wirklichkeit durch die Frau: Hat sie ihn noch vor einigen Jahrzehnten als Patriarchen und Macho bekämpft, so will sie jetzt die modernisierte und geläuterte Version davon wieder zurück. Mit Softies, Metrosexuellen und anderen verzweifelten und fehlgeleiteten Exemplaren einer irritierten Männlichkeit ist kein Staat und keine Familie zu machen.  

 

 

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Die Untoten des Abendlandes

 

Wenn wir Europäer es nicht schaffen, die okzidentale Kultur zu revitalisieren, dann werden auf unserem Kontinent in naher Zukunft die Untoten die Abwicklung des Abendlandes übernehmen. Schon jetzt kann man jede Menge blutleerer, aber heftig geschminkter Gestalten in der Politik und im öffentlichen Leben beobachten, die einem bei näherer Betrachtung vorkommen wie die Schauspieler aus einem schlechten Zombie-Film.

 

Die Werte des Abendlandes - nur noch BlaBla

Fast alle, die von Rechts wegen etwas zu reden, aber offenbar nichts mehr zu sagen haben, plappern von den Werten des Abendlandes. Der eine oder die andere erwähnt sogar leise so etwas wie die Leit-Kultur, aber kaum einer hat den Mumm, diese klar zu definieren geschweige denn sie auch wirklich verteidigen zu wollen. Was soll man auch verteidigen, wenn man kein klares Bekenntnis zu irgendetwas abgibt?

 

Betroffenheitstheater als Zeichen der Haltung?

Das einzige, was alle noch können und wozu alle im Brustton der gespielten Überzeugung stehen, das ist die Mitwirkung im allgemeinen Betroffenheitstheater, wenn in einer europäischen Stadt eine Bombe hochgeht oder irgendwo ein Auto in eine Menschenmenge rast. Da ist das offizielle Europa stark, da wird so getan, als würde man das Heft nun herumreißen und das Abendland gemeinsam retten wollen. Nicht mit uns, so wird skandiert, wir lassen uns Europa nicht nehmen!

Ha. Ha.

 

Die "wahren" Anliegen

Ein paar Tage später ist nämlich alles wieder beim Alten und die "wahren" Anliegen Europas quellen einem aus den Medien entgegen. Da wird etwa um die #EheFuerAlle gekämpft, als sei sie das Kulturgut der Zukunft. Dabei ist sie doch nur ein weiterer Sargnagel für die Kultur des Westens. Da wird vom Gendern und von der Frauenquote gefaselt, als seien diese die Rettung des unterdrückten Weibes aus seiner vom Manne verschuldeten Unmündigkeit.

 

Dabei interessieren Gendern und Quote die Frauen genau null - die meisten haben nämlich verstanden, dass die Quote eine Abwertung der Frau darstellt. Und schließlich wird von Gleichheit und Gerechtigkeit geschwurbelt, als hätte erst gestern die Französische Revolution begonnen - dabei hat es noch nie eine Ära gegeben, wo der Einzelne so viele Möglichkeiten und Ansprüche gehabt hat wie heute. Sogar jene, die über die Grenze nach Europa hereinspazieren, haben Rechte, von denen sie in ihrer Heimat nur träumen können. So what?

 

Die Gründe für diesen Verfall

Das öffentliche Leben Europas befindet sich in der Geiselhaft der als Humanisten daherkommenden Kulturmarxisten und ihrer Epigonen, die aus dem legendären linken Thinktank namens Frankfurter Schule heraus ihre apodiktischen Wertbestimmungen für den Westen vollzogen und ihre gut ausgebildeten Agenten über Jahre hinweg in die Redaktionen und Parteizentralen eingeschleust haben.

 

Keine Verschwörungstheorie

Keine Angst, das ist weder eine Verschwörungstheorie noch eine Erfindung: Wir wissen aus Studien, dass die deutschsprachigen Redakteure mehrheitlich links und somit der Doktrin der Frankfurter Schule nahe sind. Es gibt im deutschsprachigen Europa auch kaum eine politikwissenschaftliche oder publizistische Fakultät, die nicht  linksdominiert wäre. Und es gibt nur ganz wenige kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Thinktanks, die sich mit weltanschaulichen Theorien rechts der Mitte beschäftigen.

 

Das Gleichheitsdenken als Quelle der Dekonstruktion

Der Kultursozialismus als Weiterentwicklung Freud`scher und marxistischer Theorien ist der Quell der europäisch-abendländischen Krise. Und der Ursprung dieser Quelle ist das Gleichheitsdenken: Wer alles für gleich gültig hält, für den ist letztlich alles gleichgültig. Daraus entsteht unweigerlich ein in der argumentativen Sackgasse endender und alles vernichtender Nihilismus. Es fehlen den vielen Abendländern, die solcherart vom Kultursozialismus beeinflusst oder gar dominiert sind, die letzten und schlüssigen Argumente, warum man die europäische Kultur eigentlich noch hochhalten oder verteidigen sollte.

 

Wenn andere Kulturen gleich viel wert sind, dann ist es ja in der von der Frankfurter Schule beeinflussten Denke völlig egal, welche Kultur man annimmt oder welche man lebt. Mit der Gleichheitsphilosophie zerstört man naturgemäß die Unterschiede und man macht Wertungen unmöglich. Daraus entsteht die heute allseits zu beobachtende Beliebigkeit, die wiederum in den zitierten Nihilismus mündet.

 

Vielen ist das nicht bewusst

Leider muss man es sagen: Einem Großteil der Intellektuellen, Politiker, Promis und aller, die irgendwo im Rampenlicht stehen und sich zur aktuellen Lage Europas äußern, ist diese herandräuende kulturelle Katastrophe gar nicht bewusst, weil sie einfach nur wiederholen, was ihnen die kultursozialistische Intelligentsija vorgibt. Die Codewörter für die immer schneller werdende Drift ins kulturelle Out heißen Liberalismus und Menschlichkeit. Zu diesen positiv besetzten Begriffen kann man ja gar nicht nein sagen - zumindest, wenn man nicht tiefergehend nachdenken will. Und wer will das schon in einer Zeit, in der man eh keine Zeit hat?

 

Das Ködern der Massen

Die Leute lassen sich daher zuhauf mit diesen beiden Schlagwörtern ködern, weil sie fälschlicherweise glauben, die persönliche Freiheit würde durch klare und feste Haltungen beeinträchtigt. Wenn man den Individualismus und den Liberalismus aber durchdenkt, dann kommt man zum gegenteiligen Ergebnis und bemerkt, Freiheit kann es nur geben, wenn es eindeutige Regeln, feste Wertungen  und fixe Handlungsmuster gib. Aber wie gesagt: Wer macht sich noch die Mühe des Denkens - außer ein paar als Reaktionäre und Konservative verschrieene Bürgerliche?

 

Menschlichkeit und Apokalypse

Überdies kann man mit der Menschlichkeitsfloskel in jeder Debatte  immer schön Land gewinnen. Auch die Bezeichnung "Gutmensch" nimmt man da gerne in Kauf und viele sind in ihrer Naivität sogar noch stolz darauf, bei dieser apokalyptischen Show ganz vorne mitzuspielen.  Ob man in Zukunft dann auch genauso gern den Untoten in der eigenen untergegangenen Welt geben wird, ist allerdings heftig zu bezweifeln.

 

 

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Gefährliche Drohungen

 

Die ÖVP will sich neu erfinden. Das ist hinlänglich bekannt. Was aber noch wenige wissen: Die Schwarzen, die nun ganz in Türkis auftreten, wollen auch das Gesundheitssystem neu erfinden. Will heißen: Geht es nach den Vorstellungen jener im Angriffsmodus agierenden jungen Wilden in der ÖVP, die nach außen hin das brave Schwiegersohn-Image pflegen, aber intern durchaus Killerinstinkte beweisen, dann soll zunächst einmal die Ärzteschaft in ihrer ohnehin geschwächten Führungsrolle weiter demontiert werden. Ein handfestes Indiz dafür ist, dass der langjährige und höchst erfahrene Arzt und Gesundheitssprecher Erwin Rasinger zukünftig nicht mehr im Team der ÖVP dabei sein wird.

 

Neue Konzepte  sind nicht automatisch besser

Wie gesagt, der Abgang Rasingers ist nur ein Indiz. Und natürlich gibt es in jeder Partei immer wieder personelle Veränderungen und Neubesetzungen, das ist auch völlig legitim und bietet Chancen für Reformen. Aber die Planungen der ÖVP für das Gesundheitssystem verheißen trotzdem nichts Gutes für die Patienten. Es soll zwar der Hausarzt aufgewertet und besser bezahlt werden und spezielle Anreize sollen unterversorgte Gebiete für die niedergelassenen Ärzte attraktiver machen.

 

Was neben diesen positiven Botschaften von den türkisen und alles an sich reißenden Youngsters vermittelt wird, lässt allerdings jeden Insider stirnrunzelnd aufhorchen: Neudeutsch wird von "Virtual Care Rooms" gesprochen, die in entlegenen Regionen die Patientenversorgung gewährleisten sollen. Das klingt zunächst modern und man verabsäumt nicht, das im Gesundheitswesen immer gern für Vergleiche gebrauchte Schweden als Vorzeige-Modell dieser neuartigen und massiv technologisch dominierten Behandlungseinheiten zu zitieren.

 

Ein Ort des Schreckens

Bei näherer Betrachtung ist ein "Virtual Care Room" (VCR) aber ein Ort des technokratischen Horrors. Der Patient ist dort so allein wie in einem Bankomat-Foyer und die Atmosphäre ist ähnlich unpersönlich - nur dass man halt dort kein Geld holen will, sondern womöglich dringende medizinische Hilfe braucht. Man stelle sich das plastisch vor: Der Patient kann im VCR mit einem Computer Kontakt aufnehmen und über diesen auch mit einem weit entfernten, aber immerhin echten Arzt kommunizieren. Das heißt, der diensthabende Doktor versucht per Fernwartung (die heute euphemistisch gern "Telemedizin" genannt wird), gemeinsam mit dem Patienten dahinter zu kommen, was denselben plagt. Das Ganze passiert online, ohne persönlichen Kontakt und ohne direkte Untersuchung. Wer glaubt, dass dieses medizinische Video-Kommunizieren fortschrittlich oder erstrebenswert ist, der war noch nie krank.

 

Unpersönliche Medizin ist kalte Medizin

Weil kein Arzt persönlich anwesend ist und der Doktor dem ärztlichen und gesetzlichen Grundauftrag der unmittelbaren und direkten Patienten-Behandlung daher gar nicht folgen kann, funktioniert die "Versorgung" im VCR über standardisierte Fragenkataloge und Kameras, wo man sein Ekzem, seine Blutwerte oder seine Verletzung herzeigt. Blutdruckmesser sind natürlich vorhanden, man wird also immerhin von einem Gerät auch physisch berührt. Und wenn es einem wirklich schlecht geht und man im VCR kollabiert, dann weiß der Rettungsdienst wenigstens, wo man abzuholen ist. So ein "Virtual Care Room" ist also eine wirklich tolle Sache. Dort wird auch das von der Gesundheitspolitik ständig wiederholte Bekenntnis zur menschlichen Zuwendungsmedizin ganz wunderbar ausgelebt - und das ganze noch unterstützt vom Götzen der Moderne, nämlich dem Computer. Perfekt. Oder wie?

 

Im Ernst: Die Telemedizin hat in vielen Bereichen eindrucksvolle Verbesserungen gebracht - etwa in der Fernbefundung von Röntgenbildern durch Spezialisten an Zentren oder in der elektronisch assistierten Chirurgie, wo man Experten aus anderen Städten oder Ländern live zur OP zuschalten kann. Der Punkt ist aber: Hier sind immer auch Ärzte aus Fleisch und Blut beim Patienten. Im "Virtual Care Room" sind statt dessen PC-Docks und Keyboards für den Patienten da. 

 

Extreme Notlösung

Ein "Virtual Care Room" kann daher nur eine extreme Notlösung für extreme Situationen sein, z.B. in Berghütten auf 2000 m Sehöhe. Oder meinetwegen in Schweden in den unwegsamen Gegenden am Polarkreis. Aber die Idee, diese VCRs auch nur ansatzweise zum Standard für unterversorgte heimische Gebiete zu machen, ist außer zynisch nur noch bedrohlich. Wie kann man in einem Gesundheitskonzept für die Zukunft ernsthaft solche Vorschläge als modern und "gut für den Patienten" darstellen?

 

Die Erklärung dafür ist einfach. Solche Ideen sind meist nicht a priori zynisch oder gar bösartig. Sie werden von jungen, gesunden Leuten geboren, die kaum eigene Erfahrung mit Krankheit oder Lebensgefahr haben. Papier ist geduldig und man fühlt sich cool beim Konzipieren von elektronischen Features, belächelt erfahrene Ärzte und argumentiert mit internationalen Vergleichen (siehe Schweden), die dann für Österreich zurecht gezimmert werden. Offensichtlich halbgebildete und lenkbare Journalisten geben in den Medien willfährig diese pseudomodernen Konzepte wieder, ohne auch nur ein Wort der Kritik oder der Nachfrage zu äußern.

 

Die Industrie reibt sich die Hände

Die Technokraten, Wirtschaftsspezialisten und Ökonomen freuen solche Konzepte natürlich ungemein, denn die haben erstens sowieso eine Zusatzversicherung und einen echten, lebenden Privatarzt  statt eines VCR und zweitens können sie auf die Kostenreduktion durch die Automatenmedizin verweisen. Und last not least kann man mit der forcierten Computerisierung der Medizin schönes Geld verdienen. Daher finden solche Ideen stets heftige Akklamationen von Seiten der Wirtschaft, weil hier zählt legitimerweise nur der Gewinn und die Kostenreduktion. Der Arzt in seiner klassischen Erscheinungsform als Mensch und Helfer ist da nur hinderlich (außer, man braucht ihn selber).

 

Der normale Patient muss sich unterordnen

Völlig auf der Strecke bleiben dabei wie so oft die Leute, die sich gegen die oktroyierte Technokratie in der Medizin nicht wehren können. Um die wirtschaftlichen Interessen breit durchzusetzen, ist die neue ÖVP offenbar bereit, ihre bewährten Grundsätze über Bord zu werfen: Man stoppt nun endgültig die Unterstützung für die klassischen Freiberufler und liefert sich den Interessen einer kontroll- und technikgläubigen modernistischen Lobby aus.

Türkis macht`s möglich.

 

 

 

 

 

 

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