Wen meinen wir, wenn wir Elite sagen?

Seit Donald Trumps Wahlsieg ist viel die Rede von den Eliten, gegen die das Volk der USA mit seinem Votum förmlich aufgestanden wäre. Man hätte "drüben" ein Zeichen setzen wollen und die Eliten abgewählt, so liest man allenthalben. Und flugs wird das Wahlergebnis als "Eliten-Feindlichkeit" verallgemeinert und auch für kommende europäische Wahlen als ein bestimmendes Phänomen prognostiziert. Freilich: Auch bei uns wird demnächst ein langgedienter und abgehobener politisch-elitärer Frömmler per Wahl in die Wüste geschickt werden - aber die im Diskurs benützten Begrifflichkeiten sind falsch.

 

Es geht den Wählern nicht darum, die echten Eliten abzuschaffen. Der amerikanische Wähler hat daher auch nicht der Elite seine Stimme verweigert, sondern dem sogenannten Establishment und damit den sich ständig unter Ausschluss des Volkes selbst affirmierenden politischen und medialen Pseudo-Eliten. Das ist ein tiefgreifender Unterschied.

 

Der Begriff  "Elite" ist ja etwas grundsätzlich positives: Eine Elite stellt eine mit Absicht getroffene Auswahl dar, die auf (zumindest vermuteter oder erhoffter) Qualität beruht. Eine gewählte politische Elite ist also etwas prinzipiell gutes, wenigstens am Anfang.  In Demokratien ist daher nach jeder Wahl zunächst immer der relativ Beste am Ruder, weil er und/oder seine Partei eben auserwählt wurden.

 

Allerdings kann diese demokratisch getroffene Auswahl in Laufe der Zeit  zum Gegenteil von Elite degenerieren: Wenn die Gewählten ihre Aufgaben nicht souverän wahrnehmen, sich selber oder ihrer Klientel Vorteile verschaffen, wenn sie das Staatsvolk mit ihren Taten missachten oder generell kläglich versagen, dann ist es vorbei mit der Elite als "guter Auswahl".

 

Zur ganz schlimmen Antithese und zuletzt zur Karikatur ihrer selbst wird die politische Elite, wenn sie sich mit den Medien zum sogenannten "politmedialen Komplex" zusammentut. Gerade in Österreich und in Deutschland ist dieses Phänomen allgegenwärtig: Die Konstruktion der öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Anstalten fordert diese Komplex-Bildung geradezu heraus. Abhängigkeiten und willfährige Berichterstattungen bis hin zu Manipulationsversuchen sind daher an der Tagesordnung. Es geht ja immer um Posten, Einfluss und Aufrechterhaltung der Macht - auf beiden Seiten. Auch die finanzielle staatliche Förderung für das privatwirtschaftliche Medienwesen korrumpiert unweigerlich die eigentlich als Vierte Macht im Staate polit-hygienisch lebenswichtigen und notwendigen Medien.

 

In Österreich kommen noch die diversen Körperschaften und Kammern zu diesem politmedialen Komplex hinzu. Sie haben sich unter Vorspiegelung ihrer eigenen Unverzichtbarkeit im System fest eingenistet und sind eigentlich gar nicht mehr wegzubringen, da sie sich längst per Gesetz in einen Quasi-Verfassungsrang erhoben haben.

 

In Amerika sind natürlich viele von diesen Kennzeichen der hiesigen Verhältnisse gar nicht zu finden, da das gesamte US-System und die Mentalität der Menschen grundsätzlich anders gestaltet sind. Aber einiges gleicht sich ganz fundamental: Bei uns wie in den USA ist die bis ins Mark reichende Sättigung mit der vielfach schon kritisierten Political Correctness identisch und auch die hypermoralische Gängelung durch meinungsbestimmende "Eliten" ist diesseits und jenseits des Atlantiks der Mehrheit der Bürger längst zuwider.

 

Ebenso ähnlich ist das tiefgreifende Misstrauen gegenüber einer permissiven und daher erodierend wirkenden Migrationspolitik. Auch der grundlegende Unwillen, die eigene Nation als schwächer und schwächer werdend erleben zu müssen, ist hüben wie drüben begründet und weit verbreitet. "Make America great again" war daher der punktgenaue Slogan von Donald Trump und er funktioniert mit "Austria" statt "America" hier genauso. 

 

Man erwartet von demokratisch gewählten Eliten, dass sie die geschilderten und die Bürger zu Recht mit Besorgnis erfüllenden Phänomene, die an die Substanz des Staates und des Volkes gehen, rigoros bekämpfen. Man will starke Politiker, die die Probleme anpacken statt sie schönzureden. Wenn die gewählten Eliten das nicht tun oder wenn sie diese Dinge sogar befördern und dem Volk zu allem Überfluss auch noch einreden wollen, das sei gut so, dann sind sie keine Eliten mehr und werden gnadenlos abgewählt. Egal, ob "drüben" oder bei uns. 

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Nonkonformist sagt (Dienstag, 15 November 2016 10:44)

    wenn man in der westlichen Welt von sogenannten Eliten spricht meint man nach meiner Meinung doch alle gekauften Schauspieler die sich Politicker nennen. Diese Narzisten sind doch zu 90 Prozent geistesgestört und diese Gestalten gehörten doch alle in eine Irrenanstalt überführt. Diese Verrückten wollen nur zerstören und alle nationalen Länder und Völker gegeneinander zu hetzen !!!!!!!!!!!!

  • #2

    helmut-1 (Dienstag, 15 November 2016 11:29)

    "Make America great again" ist nicht die Erfindung von Trump, das hat bereits Ronald Reagan als Wahlspruch gehabt.
    Reagan ist interessanterweise einer der populärsten, wenn nicht sogar der beliebteste US-Präsident der Neuzeit. Wobei man Reagan auch Schwächen anlasten kann, - aber er war einer von den Wenigen, wenn nicht der Erste, der das Gespräch mit den Russen gesucht hat. Wenn ich mich nicht irre, - der erste US-Präsident, der damals auf dem Roten Platz in Moskau zu sehen war.

    Kann man das so interpretieren: Die US-Bürger sind eigentlich gar nicht so kriegslüstern, die wollen eigentlich nur Frieden und ihre Ruhe haben, damit sie ihr Leben entfalten können. Die Kriegstreiber befinden sich in den Etagen der Lobbyisten und derer, die wie Soros, Morgan, Rothschild, etc. die wirkliche Politik machen. Die vornedran sind ja nur Marionetten. Oder Nachplapperer und willige Hofnarren, wie so manche am Ballhausplatz.

    Das treffendste Zitat von Rothschild:
    "Gib mir die Kontrolle über die Währung eines Landes und es ist mir egal wer die Gesetze macht.”

    Heutzutage geistern alle möglichen Begriffe durch die Gegend, - die oftmals auch verwirren. Bleiben wir mal auf dem Boden der Tatsachen, auch mit allgemein verständlichen Begriffen.

    Elite, - dazu gehört jemand, der sich vom "gemeinen Volk" durch außerordentliche Kenntnisse oder Leistungen abhebt. Generell überhaupt nichts Schlechtes, im Gegenteil. Auch ich war in einer Eliteeinheit beim Militär, - ich finde da überhaupt nichts Negatives dabei, - ich bin sogar stolz darauf.

    In dem Moment, wo der Angehörige der Elite seine Fähigkeiten und Kenntisse dazu benützt, sich oder einer von ihm bevorzugten Gruppe ungerechtfertigte Vorteile zu verschaffen, - in dem Moment, wo er als Angehöriger "seiner" Elite das Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Volk und seinem Nächsten abgeschafft hat, dann dient er seinen persönlichen Interessen oder einer Lobby, der er angehört oder der er verpflichtet ist. Dann darf er sich zu einem andern Begriff zugehörig zählen, das nennt man "Establishment", sofern er über bestimmte Einflussmöglichkeiten oder Machtbefugnisse verfügt.

    Das Schlimme dabei ist: Viele der Eliten verfügen über einen bestimmten Ehrencodex. Das gilt auch für Leute wie mich, wenn man irgendwo zugegen ist und der Fall eintreten sollte, dass jemand in Bedrängnis Hilfe benötigt, - gerade heutzutage bei diesen Verhältnissen. Sich dann umzudrehen und eine fadenscheinige Entschuldigung zu suchen, würde nach sich ziehen, sich zukünftig selbst nicht mehr im Spiegel betrachten zu können, ohne rot zu werden.

    Manche aber münzen diesen Ehrencodex auf etwas gänzlich Unehrenhaftes um: Nämlich auf die subjektiven Interessen der entsprechenden Lobby. Hier bei den verschiedenen dubiosen Geheimbünden zu unterscheiden, ist verdammt schwierig. Man hat als Außenstehender einfach zu wenig Einblick.

    Fazit: Nicht die "Elite" als solches ist schlecht, - allenfalls das, was manche daraus machen.

  • #3

    Uli von Cronberg (Dienstag, 15 November 2016 14:54)

    "Die jenigen die entscheiden sind nicht gewählt und diejenigen die gewählt werden haben nichts zu entscheiden!" Das war ausnahmsweise mal was Aussagekräftiges vom Herrn Seehofer. Unsere politischen und korporierten (die in den Unternehmen) Eliten sind zumeist Mitglieder unterschiedlichen Ur-Logen. Das die allermeisten unserer sogenannten Eliten so teilweise mafiös organisiert sind, enthüllt Logenmitglied Gioele Magaldi in seinem ca 600 Seiten starken Buch Massoni. Wer kein italienisch beherrscht, kann sich die deutsche Übersetzung von Johannes Rothkranz in vier Bänden ansehen (Superlogen regieren die Welt - wie korrekt die Übersetzung ist, kann ich nicht beurteilen). Sie ist mit Kommentaren versehen. Wenn man dem Glauben schenken darf, wird hier von Seiten der Elite nichts dem Zufall überlassen. Das gemeine dumme Volk kann sich nur glücklich schätzen, dass sich die Herren und Damen Freimaurer sich auch nicht immer einig sind und gerade derzeit ein gewaltiger Krieg zwischen den demokratischen und den oligarchischen Logen läuft. Hathor Pentalpha hat danach ISIS erfunden und die Flüchtlingswelle losgetreten. Und bezüglich der Feindschaft gegen Russland ist es schon erstaunlich, dass Merkel und Putin in der gleichen Loge beisammen sitzen. (Noch) nicht bekannt ist, zu welcher Loge Trump gehört. Ich schließe mit einem Sprichwort eines bekannten Freimaurers :"In der Politik geschieht geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auch auf dieser Weise geplant war" - Franklin Delano Roosevelt.

  • #4

    shanna (Dienstag, 15 November 2016 16:23)

    Die "neue Elite" wird ich sagen haltet sich nicht an die einfachsten 'regeln' ..diese Regel lautet "Leben und leben lassen" somit wird sich weiterhin "schuldig machen" an allem "was uns passiert" wenn sie sich weiterhin 'überall einmischen möchte'.!! Solchen "Eliten " will keiner und sie werden weiterhin wie in Amerika überall "abgewählt " samt Etablissement wem sich gehören! Und nicht nur dass . .sobald sie noch mehr "Unterdrückung ausstrahlen" dann kann alles 'nach hinten los gehen"..also. .abwarten was alles.. auf uns alle noch zukommen wird!

  • #5

    helmut-1 (Dienstag, 15 November 2016 19:00)

    Ein sehr wichtiger Satz: "Leben und leben lassen".

    Stammt zwar aus einem Drama von Schiller, hattte aber - von der Mentialität des Menschenschlages her - in Österreich immer eine Bedeutung.

    Obwohl die soziale Verpflichtung des Eigentums nur in Deutschland im Grundgesetz zu finden ist (§ 14 GG, Artikel (2): "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

    Seltsamerweise gibt es so etwas Gleichwertiges und der österr. Bundesverfassung nicht, - zumindest habe ich nichts entdeckt. Es existiert lediglich das Recht auf Eigentum auf der Grundlage des Art. 5 des Staatsgrundgesetzes (StGG aus 1867) mit dem beginnenden Wortlaut: " "Das Eigenthum ist unverletzlich".

    Trotzdem hat man die soziale Verpflichtung des Eigentums auch in Österreich immer - als unausgesprochenes Gesetz - beachtet, - im Sinne des erstgenannten Spruchs "Leben und leben lassen". Zumindestens kenne ich das in dieser Form.

    Was nicht heißt, dass sich da nicht was geändert haben mag, - aber hoffentlich nur in Einzelfällen. Wenn der Österreicher mal aufhört, "Mensch" zu sein, dann ist er auch kein Österreicher mehr.

    Sollte es Zeitgenossen geben, die nach ihrer Staatsangehörigkeit zwar als Österreicher gelten, diese Regel aber mit Füßen treten, dann kann man nur hoffen, dass auch sie möglichst rasch dorthin getreten werden, wo ihr eigentlicher Platz ist.

  • #6

    Hans Kolpak (Mittwoch, 16 November 2016 04:40)

    Heike Acker merkt in ihrer Inauguraldissertation „Marxistisches Denken in der Pädagogik“ auf Seite 248 [1] an:

    „Die Schriftsteller der Renaissance haben aber weder den Charakter des Gegensatzes noch seine Quellen näher bezeichnet. Wahrgenommen wurde lediglich der Konflikt, der sich zwischen der Weisheit und dem Edelsinn einiger Menschen und der Torheit und dem Egoismus vieler Menschen, insbesondere aber der Mächtigen und Reichen, auftat. Nur in der Sprache der Utopie sei es möglich gewesen, Hoffnungen auf die Überwindung der Gegensätze zu formulieren, die die ‘wahren Menschen zum
    Wahnsinn führten.’ “

    Warum?

    „Zweck der neuen Ideologie sollte es sein, Deutsche zu entzweien, gegen den Kapitalismus aufzubringen und auf diese Weise Wohlstand und Fortschritt in Deutschland zu behindern.
    ...
    Eine Analyse des deutschen Geistes war der Ausgangspunkt der Erfindung des Sozialismus. Wie muss eine Ideologie beschaffen sein, damit ihr viele Deutsche hinterherlaufen, ohne zu bemerken, dass sie ihren eigenen Interessen schaden?
    ...
    Sie muss weitgehend unverständlich sein; Sie muss widersprüchlich sein; Sie muss eine historische Kontinuität beschreiben; Sie muss grundlegende Antagonismen behaupten;
    ...
    Zudem, so Pitt, habe man eine Saulus-Paulus-Gestalt geschaffen und dafür den Unternehmersohn Friedrich Engels angeworben. Engels, ‘not one of the brightest’, wie Pitt vermerkt, sei für die Idee des Sozialismus, die er für originär gehalten habe, begeistert worden und habe bereitwillig die Rolle des finanziellen Mentors des armen Karl Marx angenommen, und damit dessen Coverstory gestützt.“

    Es bleibt demnach den Lesern überlassen, zwischen Utopie und Alltag, zwischen Aprilscherz und Pragmatismus zu unterscheiden, um sich dem Wahnsinn sozialistischen Denkens zu entziehen. [2] [3]

    Quellen:
    [1] www.kurzlink.de/Heike-Acker
    [2] www.kurzlink.de/Karl-Marx
    [3] www.dzig.de/Johannes-Rothkranz-Superlogen-regieren-die-Welt

  • #7

    Ronald Crump (Freitag, 18 November 2016 09:36)

    Der Begriff "Elite" und "Establishment" ist wirklich irreführend und nutzt den Linken zur Kritikimmunisierung.
    Bei Trump sagt man ja jetzt auch: "Aber der Trump gehört doch auch zum Establishment, so reich wie der doch ist!"

    Was aber ein Blödsinn ist, denn bei den Begriffen "Establishment" und "Elite" geht es nicht nur um Geld(vor allem nicht um Geld), sondern um eine ideologische Ausrichtung, welche sich bestimmte Bevölkerungsschichten auf gespenstische Weise teilen.

    Zum Establishment zähle ich:

    -Reiche, die Globalisierung vorrantreiben
    -Journalisten
    -Kunstschaffende
    -mittlerweile auch die Kirche
    -die sogenannte "Hautevolee", also die Leute, die in gutbürgerlichen Verhältnissen leben, die am Stadtrand wohnen und regelmässig "demonstrativ" ins Theater und vornehme Resaurants gehen. Meistens sind das die Leute, die gut erben. (Bin nicht neidisch, ich komm aus dieser Schicht, aber mich widert diese Ignoranz und Dekadenz an^^)

    -und natürlich noch all die Systemlinge (Beamten und Vereinigungen, die vom Staat irgendwie Geld bekommen)


    Und ja, das sind ZIEMLICH VIELE, aber das erklärt auch, warum ein VdB ~50% hatte und die Medien so extrem einseitig und unsachlich sind.